Asiatischer Teil der Türkei

Am Morgen des 02. Mai brachte ich noch einige Ausrüstungsgegenstände zur Post um sie in die Heimat zu schicken. Unter anderem wurden meine Packtaschen um den Wasserfilter von Katadyn, ein Ladegerät und eine große Benzinflasche erleichtert.  Durch die Heimsendung der genannten Gegenstände sparte ich etwa 1,5 Kilogramm und einiges an Volumen.

Grüne Piste nördlich von Izmit
Grüne Piste nördlich von Izmit

Anschließend konnte ich endlich die erste Etappe über asiatischen Boden rollen. Die Fahrt aus Istanbul gestaltete sich nach einem vielversprechenden Anfang allerdings als ebenso zäh wie das Hineinfahren. Nach über 100 Kilometern, stellten wir dann schließlich nördlich von Izmit unsere Zelte auf. Da es in der Nacht einige Regenschauer gegeben hatte, setzten wir die Fahrt erst etwas später fort. Durch den Regen war die Piste allerdings recht aufgeweicht, was das fahren schwer bis unmöglich machte. Vor allem die Schutzbleche von Florians Rad wurden durch den Schlamm stark zugesetzt. Schlussendlich gelang es uns dann aber doch die Hauptstraße zu erreichen. Nach weniger als sechs Kilometern ging es direkt ins nächste Restaurant, um Mittag zu essen. Erst nach einer ausgiebigen Pause setzten wir unsere Fahrt Richtung Norden fort. Doch auch hier holte uns bald darauf der Regen ein, weshalb wir direkt in die nächste Teestube flüchteten. Nach 2 Gläsern Tee hatte der Regen nachgelassen und es ging zurück auf die Straße.

Endlich gab es etwas Sonne, womit wir die in zweierlei Hinsicht atemberaubende Straße voll genießen konnten. In einem kleinen Ort wurden wir von Anwohnern auf einen Tee eingeladen. Also stellten wir die Räder ab, beantworteten die üblichen Fragen und tranken Tee. Nach dem dritten Tee, wurde es allerdings Zeit, mal wieder etwas weiter zu fahren. An einem Straßenstand kauften wir noch einige Eier sowie etwas Salat für das Abendessen. In einem Supermarkt in Kandira wurden die Vorräte dann noch mit Milch, Öl und einigen anderen Kleinigkeiten vervollständigt. Nun wurde es allerdings höchste Zeit, einen Platz für unser Zelt zu finden. Diese Rechnung hatten wir allerdings ohne eine Ölspur gemacht. Direkt hintereinander flogen wir dank Dieser aus der Kurve. Glücklicherweise hatte unsere Ausrüstung keine größeren Schäden erlitten. Auch der Körper schien außer einigen Schürfwunden und einem kleinen Bluterguss nichts abbekommen zu haben. Glück gehabt! Bei der Weiterfahrt sahen wir neben der Straße ein Hotel, welches wir aufgrund des Sturzes und des günstigen Preises auch direkt bezogen.

Sonnenuntergang am Schwarzen Meer
Sonnenuntergang am Schwarzen Meer

Beim Abladen des Rades stellte ich dann auch noch einen platten Hinterreifen fest. Somit war die Beschäftigung nach dem Frühstück auch geklärt. Um den tollen Tag noch etwas perfekter zu machen, quittierte nach wenigen Minuten auch die Dusche ihren Dienst, was für uns eine kalte Dusche bedeutete. Direkt danach, ging es mit Stirnlampen bewaffnet wieder nach unten vor das Hotel. Schließlich wollte unser Essen noch zubereitet werden. Immerhin klappte dies ohne weitere Zwischenfälle. Wobei die Wahrscheinlichkeit einen Fehler zu machen bei Rührei mit Salat auch eher gering ausfällt. Der nächste Morgen begann also mit dem Reparieren meines Hinterreifens. Direkt anschließend wurde noch der restliche Salat vom Vortag zubereitet und gegessen. Erst recht spät, setzten wir  unsere Fahrt in Richtung des Schwarzen Meers fort. Auch heute wurden wir wieder einmal auf einen Tee eingeladen.

Grüne Berglandschaft am Schwarzen Meer
Grüne Berglandschaft am Schwarzen Meer

Die Verständigung mit den Gastgebern war zwar nicht einfach, aber durchaus möglich. Um es etwas einfacher zu machen, rief einer der Gastgeber noch einen Verwandten aus Süddeutschland an, der kurz darauf für uns übersetzte. Zum Abschied gab es noch einige kleine Getränkeflaschen. Voll beladen setzten wir nun also den recht bergigen aber schönen Weg Richtung Küste fort. Am Nachmittag erreichten wir dann auch schließlich das Schwarze Meer. Nachdem wir einige Kilometer der Küste gefolgt waren, wurde es Zeit, das Zelt aufzustellen. Auch der stärker werdende Gegenwind, machte eine Weiterfahrt recht unattraktiv. Direkt am Strand stellten wir nun also unsere Zelte auf. Nach dem Essen verkroch ich mich dann direkt ins Zelt, um schließlich im Rauschen des Meeres einzuschlafen. Am folgenden Morgen hatte der Wind bereits bedeutend nachgelassen. Dafür gab es einige recht heftige Steigungen zu überwinden. In Akcakoca kauften wir uns in einem Supermarkt einige Lebensmittel. Schräg gegenüber befanden sich dann auch schon öffentliche Sitzgarnituren mit Meerblick. Angenehmer als hier, kann ein Mittagessen wohl kaum sein. Nach einer ausgiebigen Mittagspause ging es wieder zurück auf die Straße. Gegen später drehte der Wind sogar für einige Stunden in Richtung Osten, weshalb wir zügig Richtung Eregli rollten. Hier deckten wir uns erneut mit Lebensmitteln ein, um noch etwas zum Abendessen zu kochen.

Blick aus dem Hotel in Zonguldak
Blick aus dem Hotel in Zonguldak

Direkt nach der Stadt folgte allerdings ein steiler Anstieg über mehr als 6 Kilometer, der unserem Körper noch einmal alles abverlangte. Am oberen Ende der Straße befand sich ein Bauhof, an dem wir wieder einmal auf einen Tee eingeladen wurden. Die Erlaubnis zum Campen, beruhte allerdings auf einem Übersetzungsfehler und war aufgrund eines Vorgesetzten doch nicht gegeben. Also verabschiedeten wir uns und rollten im Lampenschein zurück auf die Straße. Nach weniger als 2 Kilometern fanden wir dann glücklicherweise eine Möglichkeit das Zelt aufzustellen. Zum Kochen war ich allerdings definitiv zu müde, weshalb ich nur noch eine Scheibe Brot aß, bevor ich mich schlafen legte. Aufgrund der letzten Tage, hatten wir für den nächsten Tag einen Ruhetag angesetzt. Wenige Kilometer westlich von Zonguldak, stoppten wir in einem Restaurant um etwas zu Mittag zu essen. Für umgerechnet etwa 7 Euro, bekamen wir hier ein absolut perfektes und mehr als ausreichendes Essen inklusive einem Getränk! Anschließend rollten wir dann die letzten Kilometer nach Zonguldak. Wenige Kilometer hinter der Stadt fanden wir schließlich ein perfektes 4 Sterne Hotel mit Meerblick, welches mit 27 Euro trotzdem noch im akzeptablen Bereich lag. Den freien Nachmittag nutzten wir um endlich mal wieder an unserem Blog weiter zu schreiben und etwas auszuruhen. Außerdem bestellten wir hier auch noch einige Ausrüstungsgegenstände. Durch das Schreiben ging es allerdings auch erst sehr spät ins Bett. Für den nächsten Morgen war allerdings ohnehin ein etwas späterer Start vorgesehen. Nach einem großzügigen Frühstück ging es also noch einmal zurück ins Zimmer, um noch einige Dinge am Netbook abzuschließen. Gegen 12:30 Uhr setzten wir unsere Räder dann schließlich in Bewegung.

Hafen von Amasra
Hafen von Amasra

Im hügeligen Terrain ging es allerdings nur schleppend vorwärts. Jedem steilen Anstieg folgte eine mindestens genauso steile Abfahrt, wodurch eine Erholung kaum möglich war. In Filyos steuerten wir schließlich, nach unter 40 Kilometern, einen Strand an. Da wir den auf der Offlinekarte eingezeichneten Campingplatz nicht vorfinden konnten, beschlossen wir im dortigen Park zu übernachten. Da allerdings noch recht viele Leute zum Grillen da waren, wollten wir unsere Zelte nicht direkt aufstellen. Daher wurde auch bei uns zunächst mal der Kocher angeschmissen. Die gekauften Vorräte waren nicht nur genug, sondern so viel, dass wir unsere Mahlzeiten in zwei Töpfen kochen mussten. Doch auch nach dem Essen, waren noch einige Bier trinkende Leute anwesend. Als wir auf sie zugingen, wurde uns ebenfalls direkt eines angeboten. Die Kommunikation war aber auch hier wieder nur via Google Translate möglich. Außerdem erfuhren wir hier, dass wir kurz davor an einer Wiese vorbei gefahren waren, wo es offiziell erlaubt war zu campen. Also ging es eben noch die wenigen hundert Meter zurück, ehe wir unsere Zelte aufschlugen. Auch der nächste Morgen begann mit einer fiesen Bergetappe.

Sonnenuntergang in Amasra
Sonnenuntergang in Amasra

Bei dieser Landschaft fiel es allerdings nicht so schwer, die brennenden Oberschenkel zu vergessen. Nach einigen Bergen, wurden wir allerdings trotzdem müde. Nachdem wir einige Vorräte gekauft hatten, fuhren wir am Nachmitttag also einen Parkplatz an, um unser Zelt aufzustellen. Zuvor wollten wir allerdings bei der Familie die hier am Picknicken war, mal kurz „Hallo“ sagen. Natürlich blieb es nicht dabei. Neben dem schon fast obligatorischen Tee, wurden uns auch einige Kekse angeboten. Vom Zelten wurde uns allerdings abgeraten, da es hier einige Bären geben soll. Am Strand sei das Problem dagegen deutlich geringer. Als wir uns verabschieden wollten, wurden wir noch ein weiteres Mal aufgehalten. Die Frauen hatten in der Zwischenzeit jedem von uns ein mit gegrilltem Fleisch gefülltes Brot eingepackt. Außerdem gab es noch einige Kekse. Ablehnen wäre wohl unmöglich gewesen, weshalb uns nur noch eines übrig blieb: Uns herzlich zu bedanken und uns zu verabschieden! Mit voll bepackten Fahrrädern, rollten wir nun also zurück auf die Straße. Wenige Kilometer vor Cide erreichten wir einen kleinen Strand. Als erstes verschwand nun das Brot hinter den Zähnen. Beim genaueren Hinsehen, stellten wir fest, dass das Brot mit Fleisch, Innereien und gegrillten Peperoni gefüllt war; Einfach perfekt!

 Amasra bei Nacht
Amasra bei Nacht

Die gekauften Zutaten für unser Abendessen konnten nun getrost in den Packtaschen verbleiben. Für mich ging es nun direkt in die Badehose, um endlich mein erstes Mal im Schwarzen Meer zu schwimmen! War zwar noch leicht kühl, aber auf jeden Fall angenehm, mal wieder etwas sauberer zu sein. Anschließend wurde noch kurz das Zelt aufgestellt, ehe ich einen herrlichen Sonnenuntergang genießen konnte. Als wir uns gerade ins Zelt verkriechen wollten, kam ein etwas älterer Mann angefahren, der uns etwas über Probleme mit dem Zelten erzählte. Außer „Polizei“, “Gendarmerie“ , „Militär“ und irgendwelchen Halsabschneider Gesten, verstanden wir allerdings wenig. Kurz darauf kamen noch zwei jüngere Männer angefahren, doch auch diese konnten leider kein Englisch. Auch mit Google Translate konnten wir das wirkliche Problem nicht herausfinden. Nach einer langen wenig erfolgreichen Diskussion, legten wir uns schließlich trotzdem schlafen.

Sonnenuntergang am Schwarzen Meer
Sonnenuntergang am Schwarzen Meer

Trotz aller Warnungen blieb die Nacht ruhig und wir konnten am nächsten Morgen in aller Ruhe unsere Zelte abbauen. Nach einer kurzen Ebene ging es auch schon wieder in die Berge. Hinter jeder Kurve wartete ein immer noch besseres Panorama, was natürlich Fotografiert werden musste. Doch auch heute kamen wir wieder einmal nur langsam voran. Bei einem der vielen Anstiege spürte ich, wie auf einmal die Kurbel unter meinen Füßen nachgab! Also hieß es anhalten und nachschauen. Ein genauerer Blick ergab, dass sich die linke Kurbel gelöst hatte. Also hieß es alles zu reinigen, mit Kupferpaste einzuschmieren und wieder zusammen zu bauen. Doch schon einige Kilometer später hatte ich das gleiche Problem! Also wieder anhalten und nochmals nachschauen. Beim Betrachten der Kurbel kam bei mir immer mehr die Vermutung auf, dass der Vierkant der Kurbel etwas nachgegeben hatte. Erklären konnte ich mir das allerding auch nicht. Fürs erste blieb mir allerdings nichts anderes übrig, als alles wieder fest anzuziehen und regelmäßig zu kontrollieren. Falls das Problem weiter hin bestehen bleibt, werde ich mich in der nächsten Stadt wohl nach Ersatz umschauen müssen. Am späten Nachmittag, machten wir unterhalb der Straße eine Wiese aus, auf der gerade einige Leute dabei waren, irgendetwas zu verbrennen. Da wir ohnehin noch nach einem Schlafplatz suchten, fragten wir ob es möglich sei hier zu Campen. Natürlich war das kein Problem. Beim Betreten stellten wir fest, dass auf derselben Wiese auch zwei Angler übernachteten. Nach einer recht langen „Unterhaltung“ ging es für uns zunächst mal ins Wasser um den Schweiß vom Körper zu waschen und einige Bahnen zu schwimmen. An dem recht steilen Trampelpfad zur Küste waren unsere Gastgeber gerade dabei die Schalung für eine Betontreppe anzubringen. Im Wasser der sehr zerklüfteten Küste sahen wir auch einige Krebse schwimmen, was uns aber nicht daran hinderte ins Wasser zu gehen. Als wir zurück schauten, sahen wir, dass sich oben bereits alle versammelt hatten, um zu schauen, ob wir wirklich ins Wasser gingen.

Berge an der Schwarzmeerküste
Berge an der Schwarzmeerküste

Als wir tatsächlich drin waren, machte einer direkt ein Foto mit seinem Smartphone. Offenbar war es für Sie einfach nicht vorstellbar, dass jemand das Wasser um diese Jahreszeit als angenehm empfinden kann. Nach dem Schwimmen unterhielten wir uns noch eine Weile mit unseren Gastgebern. Als diese den Heimweg antraten, kochten wir uns noch etwas zum Abendessen, bevor wir uns schlafen legten. Am nächsten Morgen waren wir gerade dabei unsere Ausrüstung zu verstauen, als auch schon unsere Gastgeber wieder auftauchten. Zum Frühstück gab es nicht nur Tee, sondern Omelett und einen ganzen Tisch voll Gemüse. Auch wenn das Omelett einfach perfekt war, war es nicht einfach die Pfanne zu leeren. Dafür war die Portion einfach zu groß. Nach einem absolut perfekten Frühstück, das mehr als ausreichend war. machten wir uns daran die Zelte abzubauen. Am Meer hatte Florian eine Quelle gesehen, wo wir unsere Trinkflaschen noch einmal auffüllen konnten. Nachdem wir uns verabschiedet und bedankt hatten, ging es für uns zurück auf die Straße. Auch der nächste Tag bestand aus vielen Bergen, kombiniert mit einer in beiderlei Hinsicht atemberaubenden Landschaft. Erst am Abend wurde es bei Inebolu etwas flacher. Hier suchten wir uns dann schließlich eine günstige Pension. Den Abend verbrachten wir damit am Blog weiter zu tippen. Als Nervennahrung durften Bier und Chips natürlich ebenfalls nicht fehlen. Da wir auch hier recht lange am Netbook verbrachten, beschlossen wir noch einen weiteren Tag hier zu übernachten. Außerdem waren wir von den vielen Bergetappen auch ziemlich erschöpft, wodurch diese Pause ohnehin Sinn machte. Den freien Tag verbrachten wir größtenteils mit tippen. Am Abend gingen wir dann allerdings doch noch hinaus, um ein wenig durch die Stadt zu laufen. Außerdem konnten wir so gleich unsere Vorräte für den nächsten Tag auffüllen. Einen Ersatz für meine Kurbel fanden wir hier allerdings nicht!

Moschee am Schwarzen Meer
Moschee am Schwarzen Meer

Der uralte Vierkant ist zwar Standard und somit auch erhältlich, aber nicht mit einer Länge von 175mm. Die einzige Möglichkeit bestand also darin eine 170mm Kurbel zu montieren, aber zwei verschiedene Kurbellängen wollte ich auch nicht. Der folgende Tag begann ausnahmsweise relativ eben, außerdem hatten wir Rückenwind, wodurch wir in der Lage waren, endlich mal wieder etwas Strecke zu machen. In Abana fragten wir erneut nach einem Fahrradladen. Als wir ankamen, sahen wir eine Autowerkstatt, die auch einige Fahrradteile da hatte. Eine 175mm Kurbel gab es allerdings auch hier nicht. Da meine Kurbel inzwischen aber immer häufiger nachgezogen werden musste beschloss ich, eine 170mm Kurbel zu montieren. Bei einem Preis von 5 Euro, konnte man ja auch nicht so viel verkehrt machen. Mit zwei unterschiedlichen Kurbeln ging es nun also zurück auf die Straße. Gegen Nachmittag kamen dann doch noch einige Steigungen, die aber alle nicht so steil ausfielen, wie an den Tagen zuvor. Damit war es uns möglich, endlich mal wieder eine größere Etappe von fast 100 Kilometern zu fahren. Am Abend stellten wir schließlich östlich von Ayancik unsere Zelte auf. Da es nach dem Kochen allerdings bereits Nacht und damit auch kalt wurde, fiel das Baden leider weg.

Schwarzmeerküste
Schwarzmeerküste

Am folgenden Tag hatten wir zu unserer Überraschung nochmal mit einigen Bergen zu kämpfen. Bei Sinop wechselten wir schließlich auf eine vierspurige Straße um ins Zentrum zu gelangen. Die Straße war perfekt ausgebaut und wirkte für den Verkehr absolut überdimensioniert. Nach einiger Suche, fanden wir im Zentrum schließlich eine kleine Pension. Nach einer kurzen Dusche ging es wieder hinaus um die Stadt anzuschauen. Zunächst wollten wir allerdings noch nach einer Kurbel für mein Rad schauen. Also fragten wir an der Rezeption nach einem Fahrradladen. Da er nur schlechtes Englisch konnte, schickte er kurzerhand einen Mitarbeiter mit, um uns den Fahrradladen zu zeigen. Leider wurden wir auch hier wieder mal nicht fündig, da es nur Kurbeln in 170mm länge gab. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt bestehen größtenteils aus Teilen einer Stadtmauer und einer Burgruine. Am folgenden Morgen ging es zurück auf die vierspurige Straße. Anfangs fuhren wir hier durch einige nur sehr schwach beleuchtete Tunnel, die wohl erst kürzlich für den Verkehr freigegeben wurden.Auch hatten wir zu Beginn noch einige Berge zu überqueren, was aber insgesamt relativ zügig gelang. Die größte Überraschung erfolgte gegen Nachmittag, als wir feststellen durften, dass es hier eine Straße gibt, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal auf google maps verzeichnet war. Die neue und hervorragend ausgebaute Straße sparte uns sehr viele Höhenmeter, wodurch wir zügig weiter kamen. Nach einem kurzen Einkauf, steuerten wir schließlich die Küste an, um unser Zelt aufzuschlagen. Da es hier allerdings recht viele Wohnhäuser gab, wollten wir zunächst einmal nachfragen. Als fragten wir einen älteren Anwohner, ob wir hier zelten könnten. Ein Problem war dies natürlich nicht! Kurz darauf kam noch ein Verwandter von ihm, der ein sehr gutes Deutsch sprach. Wir unterhielten uns noch eine Weile ehe wir unsere Zelte aufschlugen. Während wir gerade dabei waren uns etwas zu essen zu kochen, kam einer ältere Anwohnerin, die uns noch ein  Glas mit selbstgemachtem Johannisbeersaft und ein Brot überreichte; ideal fürs Frühstück! Am nächsten Morgen schmierten wir uns also einige Brote und tranken Johannisbeersaft, ehe wir uns verabschiedeten.

Sonnenuntergang am Schwarzen Meer
Sonnenuntergang am Schwarzen Meer

An diesem Tag wollten wir die letzten 80 Kilometer nach Samsun fahren. Da die Etappe recht locker zu fahren wahr, hörte Flo etwas Musik, während ich einige russische Vokabeln lernte. Hierzu legte ich einfach einen Zettel mit den Vokabeln, in das Klarsichtfach der Lenkertasche. Auch heute versuchten wir wieder einmal eine Kurbel für mein Rad zu bekommen. Doch auch in einem recht guten Fahrradgeschäft, scheiterten wir bei diesem Versuch. Darum betraten wir wenig später das nächste Fahrradgeschäft. Als ich ihm den Kurbelarm zeigte, verschwand er in einem Nebenraum, um kurz darauf mit einer ganzen Kiste voller gebrauchter Kurbelteile wieder zu kommen. Da ich nicht mehr wirklich an einen Erfolg glaubte, überraschte es mich umso mehr, dass er gleich drei passende Kurbelarme herauszog. Nun hatte ich also die Qual der Wahl, und montierte einfach einen der Kurbelarme. In der Zwischenzeit war noch ein jüngeres Pärchen in den Laden gekommen. Da Beide ein sehr gutes Englisch sprachen, unterhielten wir uns noch eine ganze Weile. Auch die Kommunikation mit dem Händler wurde damit deutlich einfacher! Schlussendlich hat mich die gebrauchte Kurbel etwa 3,30 Euro gekostet. Die wenige Tage alte 170mm Kurbel überließ ich ihm natürlich auch. Nach 1,5 Stunden verabschiedeten wir uns schließlich, um die letzten Kilometer in die Stadt zu fahren. Hier fanden wir recht schnell das Hotel, das wir zuvor schon im Internet gesehen hatten. Da wir noch einige Dinge kaufen wollten, beschlossen wir direkt 2 Nächte zu buchen. Da es unweit vom Hotel noch ein Fischrestaurant gab, beschlossen wir heute mal wieder etwas Besonderes zu essen. Zu einem fairen Preis von etwa 15 Euro pro Person hatte jeder eine Dorade (Fisch) zwei Getränke, Salat, Brot sowie eine extra Portion Pommes. Am folgenden Tag ging es zunächst in einen Outdoorladen, welchen man uns empfohlen hatte. Hier kaufte ich noch einen Minirucksack und ein neues Seideninlett. In einem anderen Geschäft fanden sich schließlich auch noch ein dünnes Polo sowie eine lange Hose, die mir trotzdem luftig genug, für die heißen Temperaturen für den Iran erschien. Am Abend kauften wir schließlich noch eine Flasche Raki um auf den 33. Geburtstag von Florian anstoßen zu können. Somit stand auch fest, was wir am Abend machen. Am darauffolgenden Tag starteten wir recht spät. Die Straße war vierspurig und recht langweilig zu fahren. Zum Glück hatten wir kaum Anstiege, wodurch wir recht schnell vorwärts kamen. Am Abend erreichten wir Ünye. Den Campingplatz fanden wir allerdings geschlossen vor. Wildcamping war in dieser recht urbanen Gegend keine Option.

Treffen von Reisenden vor Trabzon
Treffen von Reisenden vor Trabzon

Also fragten wir an einer Tankstelle nach einem Campingplatz. Er zeigte uns eine kleine Wiese neben der Tankstelle. Da der Platz nahe der Straße lag, war er leider recht laut. Geschlafen haben wir trotzdem gut! Am folgenden Morgen stellten wir fest, dass wir nicht die einzigen wahren, die hier übernachtet hatten. Direkt an der Straße stand nun noch ein Zelt direkt hinter einem Auto. Hier handelte es sich um einer ganze Familie, mit 3 Kindern. Bei der Begrüßung stellte sich heraus, dass die Familie ursprünglich aus Syrien stammte. Während wir noch den obligatorischen Tee tranken, spielten die Kinder an der Tankstelle Fußball. Wir hatten noch eine Rolle Kekse an Bord, die wir den Kindern überreichten. Hier war Sie definitiv besser aufgehoben! Für uns ging es nun zurück auf die Straße. Am Abend wollten wir Giresun erreichen. Hier hatten wir einen warmshower host gesehen. Da die Straße recht  langweilig war, hörte Florian Musik, während ich mir einen Englisch-Russischen Auditrainer anhörte. Es blieb sogar tatsächlich  etwas davon hängen. Nur das Schreiben wird so leider nicht gelernt. Am Nachmittag schaute ich in einer Baustelle zurück und sah einen weiteren Radfahrer. Es war Max aus London, der mit seinem Rad ebenfalls auf dem Weg nach China ist. Im Gegensatz  zu uns hatte er seine Visa schon zuhause beantragt. Seine Route führt über Georgien nach Azerbaijan und von dort mit der Fähre nach Kasachstan. Insgesamt soll es bei ihm eine komplette Weltumrundung werden. Vorgenommen hat er sich diese Strecke in 6 Monaten! Seinen Blog findet ihr hier. Wie sich im Gespräch herausstellte, wollte er beim selben Ort übernachten wie wir. Also fuhren wir zusammen ins Stadtzentrum wo wir nach einem kurzen Anruf von Kadir, unserem Gastgeber abgeholt wurden. Zuerst ging es num nächsten Dönerladen um etwas zu essen zu kaufen. Von hier ging es in eine Teestube, um uns über unsere Touren auszutauschen. Schließlich fuhr er uns mit dem Auto zu seiner Haselnussfarm in den Bergen. Hier lebt auch seine Oma, die es inzwischen gewohnt ist, dass irgendwelche Radfahrer in ihrem Haus übernachten. Wir setzten uns auf den Balkon und genossen den Ausblick auf die Stadt. Bei einigen Bierchen unterhielten wir uns über unsere Tour und vieles mehr. Der nächste Tag begann früh, da unser Gastgeber in die Schule musste, um zu unterrichten. Als wir aufstanden, hatte er schon ein hervorragendes Frühstück vorbereitet. Wenig später saßen wir auch schon im Auto und wurden zurück in die Stadt gefahren. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, ging es zurück auf die Straße. Dieses Mal allerdings zu dritt! Mit einigen Pausen rollten wir die bis Trabzon. Leider machte meine Kurbel schon wieder Probleme! Da ich diese allerdings bereits getauscht hatte, konnte es nur noch an der Schraube liegen. In einer der Pausen sahen wir einen kleinen Fahrradhändler, der allerdings so gut wie nichts da hatte. Immerhin konnte er die Schraube mit Loctite fixieren. Wenige Kilometer vor dem Zentrum sahen wir wieder einen Radfahrer, diesmal aus der Türkei. Er war mit einem anderen Türken unterwegs, der mit Inlinern fuhr! Im Konvoi rollten wir nun also die letzten Kilometer ins Zentrum.

Schwarzmeerküste bei Trabzon
Schwarzmeerküste bei Trabzon

Hier suchten wir (Max, Florian und Ich) ein günstiges Hotel. Nach einiger Suche, fanden wir im Umkreis auch noch ein gutes und günstiges Restaurant. Den Abend verbrachten wir mit einem Bier auf dem Balkon. Für die kommende Woche, hatten sich mein Vater und meine Schwester angekündigt. Da meine Schwester Ferien hatte, bot sich dieser Besuch an. Außerdem bekam ich so mein leichteres Zelt und einige Ersatzteile aus der Heimat. Die Woche nutzten wir, um die Stadt sowie ihre Umgebung anzuschauen. Zusammen mit Florian und seiner Mutter, buchten wir außerdem eine Tour nach Sumela. Hier gab es neben einer Höhle, auch ein in die Felsen gehauenes Kloster zu sehen. Da der Fahrer kein Englisch konnte, war es mehr eine Überraschungstour, als eine Standardtour. Ein ebenfalls anwesender Engländer stieg bereits nach dem Kloster aus, während zwei Japaner, die das gleiche bezahlt hatten, die volle Tour machten. Bei einem der vielen Stopps trafen wir noch ein Paar aus den Niederlanden, das den Urlaub hier mit dem Rad verbrachte. Der Anschließende Höhlenbesuch war sein Geld absolut wert. Noch nie hatte ich solche gigantischen Tropfsteine gesehen. Leider war es nicht gestattet Fotos zu machen. Bereits kurz nach dem Besuch der Höhle, stoppte der Fahrer erneut, um eine Pause zu machen. Da von uns keiner Lust hatte, schon wieder etwas zu essen/ trinken, blieben wir sitzen. Dem Fahrer schien das allerdings gar nicht zu gefallen. An einem weiteren Restaurant, dass in eine Sackgasse in den Bergen lag, hielt er nicht einmal mehr an, Zurück am Hotel, versuchte er noch etwas mehr Geld zu verlangen, was wir aber deutlich verneinten. Insgesamt war es trotzdem ein sehr schöner Tag. Nach einigen weiteren Tagen in Trabzon, verabschiedete ich mich schließlich von meiner Familie. Da diese bereits um 4:00 Uhr ins Taxi stiegen, fehlte auch mir etwas Schlaf. Außerdem fühlte ich mich etwas Krank, weshalb ich noch eine weitere Nacht in Trabzon verbrachte. Am folgenden Tag, fühlte ich mich schon deutlich besser, wenn auch immer noch leicht erkältet. Trotzdem wollte ich nun endlich mal wieder ein paar Kilometer fahren. Bei leichtem Nieselregen verließ ich also die Stadt in Richtung Georgien. Wider aller Erwartungen, erreichte ich am späten Abend die fast 200km entfernte Grenze.


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