Georgien

Nach etwa 25min war ich an allen Zollstellen vorbei und konnte endlich georgischen Asphalt unter die Reifen nehmen. Bereits kurz hinter dem Grenzübergang war die in der Türkei vierspurig ausgebaute Straße, nur noch zweispurig, was aber trotzdem vollkommen ausreichte.

Tiflis
Tiflis

Der nächtliche Verkehr in Georgien verlangte mir allerdings noch mal einiges an Konzentration ab.

Als ich in einem Hostel in Batumi ankam, stellte ich gleich drei Dinge fest: Zum einen hatte ich vergessen die Steuern für die Reparatur in Istanbul zurückzuverlangen, was etwa 30 Euro ausmachte. Zum anderen hatte ich die nächste Zeitzone völlig vergessen,  weshalb ich erst gegen 22:00 Uhr Ortszeit ins Hostel stolperte. Allerdings schlief glücklicherweise noch niemand in diesem Raum, den ich hätte wecken können. Und drittens hatte ich mit 208km meine bislang längste Etappe mit dem Tourenrad gefahren. Der nahezu dauerhafte Rückenwind, war daran allerdings auch nicht ganz unbeteiligt. Für den nächsten Tag gönnte ich mir daher einen Ruhetag. Außerdem konnte ich so am Montag zum Konsulat von Aserbaidschan gehen, um mein Visum zu beantragen.

Am Montag ging es für mich also direkt aufs Konsulat. Nach einiger Wartezeit, konnte ich dann endlich das Gebäude betreten. Der dortige Beamte erzählte mir, dass es hier wohl über 8 Tage gehen würde, während es in Tbilisi nur 3-4 Tage gehen würde. Des Weiteren brauche ich in beiden Konsulaten Buchungsnachweise von den Hotels, in denen ich in Aserbaidschan übernachten werde. Ohne größere Erfolge ging es also wieder zurück ins Hostel. Dort traf ich Olya aus Kasachstan, die bereits seit über 6 Jahren auf Reise ist. Das benötigte Geld verdient sie mit Computerzeichnungen, die sie im Internet verkauft. Ihre Webseite (russisch) findet ihr hier. Am Nachmittag schauten wir uns zusammen die Stadt an. Am Abend traf ich noch zwei weitere Reisende aus Saudi-Arabien, sowie zwei Reisende aus Korea und dem Irak.

Tiflis
Tiflis

Da wir uns noch recht lange unterhielten, ging es für mich wieder einmal recht spät ins Bett. Entsprechend spät kam ich am nächsten Morgen auch aus dem Bett. Erst gegen 12:00 Uhr setzte ich mein Rad wieder in Bewegung. Um dem Verkehr aus dem Weg zu gehen, entschied ich mich für die sehr bergige Südroute, entlang der türkischen und armenischen Grenze.  Unterwegs versuchten ein paar jüngere Georgier sich mit mir zu unterhalten, was aber aufgrund des eher bescheidenen russisch auf beiden Seiten nur Stockend möglich war. Aber immerhin, ich werde besser! ;) Nach etwa 70 km sah ich vor einem Hotel zwei Reiseräder stehen und hielt an, um etwas zu essen. Zu meiner Überraschung waren es zwei Rentner aus Villingen Schwenningen, welches nur wenige Kilometer von meiner Heimat entfernt ist. Sogar mein Heimatdorf mit weniger als 800 Einwohnern war ihnen bekannt. Tja die Welt ist ein Dorf! Da es langsam dunkel wurde, beschloss ich im selben Hotel zu übernachten. Für den nächsten Tag war die Überquerung des Goderdzi Passes vorgesehen.

Schneereste am Goderdzipass
Schneereste am Goderdzipass

Der Goderdzi Pass ist mit 2025m zwar nicht so hoch, wurde aber durch den recht schlechten Straßenzustand doch zu einer Herausforderung. Aufgrund der mit Schlaglöchern übersäten Piste, beschloss ich Luft aus den Reifen zu lassen um die schlimmsten Schläge abzudämpfen. Wenige Kilometer vor der Passhöhe, wurde dann auch das Wetter deutlich schlechter. Von der Anderen Bergseite hörte man bereits das Donnern des sich anbahnenden Gewitters. Zudem war die Sicht durch den sehr dichten Nebel stark eingeschränkt. Campen wollte ich auf dieser Höhe nicht, weshalb ich mich weiter die von Schneeresten gesäumte Schotterpiste hochschlängelte. An der Passspitze angekommen, begann es dann auch zu regnen, weshalb ich mich dort erst einmal im örtlichen Kiosk verkroch. Wenige Augenblicke später setzte zusätzlich Hagel ein. Vom Eingang des Kiosks aus beobachtete ich, wie sich die Wolken über den Pass schoben. Innerhalb von weniger als zehn Minuten hatte ich sonniges Wetter, Hagel, Regen, Nebel so wie Gewitter. Kaum hatte der Regen nachgelassen, nahm ich die Abfahrt in Angriff.

Goderdzipass
Goderdzipass

Die Nasse und mit Schlaglöchern übersäte Piste erforderte allerdings noch einmal meine volle Konzentration. Nach wenigen Kilometern sah ich einen liegen gebliebenen Lada auf der Straße. Ich stoppte und versuchte beim Anschieben zu helfen; keine Chance! Der Fahrer lief einige Meter zurück und brüllte aus voller Kehle etwas in Richtung der nächsten Häuser. Tatsächlich, kurz darauf kamen drei weitere Männer angelaufen und halfen beim Anschieben. Inzwischen hatte sich der Himmel wieder zugezogen und das Donnern kam bedrohlich näher. In der beginnenden Dämmerung, rauschte ich nun schnellstmöglich dem Talboden entgegen. Doch ich stoppte wieder. Dieses Mal kam mir auf der anderen Seite ein Motorradfahrer entgegen. Ein Russe, der hier mit seiner Harley unterwegs war; Endurofahrer mussten hier wohl vor Neid erblassen. Wir unterhielten uns kurz, ehe wir uns wieder verabschiedeten. Auf der weiteren Abfahrt, hatte ich noch zwei kleinere Wasserfälle, die hier die Piste überqueren; Naja die Füße waren ja ohnehin schon nass! Im Scheinwerferlicht rollte ich nun die letzten Kilometer Richtung Tal. Immer wieder wurde das Tal durch das Gewitter vollständig ausgeleuchtet. Als ich den Talboden bereits so gut wie erreicht hatte, sah ich rechts von der Straße ein Lagerfeuer brennen. Ich stoppte und schaute nach, wer hier bereits sein Lager aufgeschlagen hatte. Es waren 6 Jugendliche aus Tschechien die mit einem kleinen Lastwagen unterwegs waren. Auf der Ladepritsche, hatten Sie einen Aufbau aus Holz montiert, in dem sie während der Reise lebten. Ihr Geld verdienen Sie mit Konzerten mit jüdischer Gypsy und Klezmer Musik. Ihre Website findet ihr hier. Als ich ankam waren sie gerade dabei Fische zu grillen.

Goderdzipass
Goderdzipass

Also baute ich mein Zelt unweit ihres Lagers auf und kochte mir ebenfalls noch etwas zu essen. Anschließend wurde es Zeit, mein Zelt aufzuschlagen. Da ich mein großes Zelt von Hilleberg gegen ein kleines von Vaude ausgetauscht hatte, war der Komfort bei diesem Wetter natürlich etwas geringer. Der nächste Morgen begann mit einem gemeinsamen Frühstück. Außerdem wollte ich einen Teil meiner Nassen Ausrüstung trockenen, weshalb ich erst recht spät startete. Nach einigen Kilometern hatte ich endlich wieder Asphalt unter den Reifen. In Akhaltsikhe hatte ich nun die Wahl, ob ich direkt über Gori nach Tbilisi fahre, oder die Südroute durch die Stadt Ninotsminda wähle. Ich wollte noch ein paar Berge fahren und entschied mich deshalb für die Südroute. Auf dieser Strecke musste ich zuerst wieder auf ein Plateau hoch kurbeln, um dann auf einer Reisehöhe von 1700m bis 2200 Metern zu fahren. Schon die Auffahrt war Landschaftlich ein absoluter Traum! Bei bestem Wetter rollte ich also gut gelaunt in Richtung Osten.

Baufällige Brücke
Baufällige Brücke

Abend machte ich auf der anderen Seite des Flusses einen schönen Platz zum Zelten aus. Die Überquerung des Flusses war allerdings nicht ganz so einfach, da es nur eine alte Hängebrücke gab. Zudem waren die Bretter nicht mehr im besten Zustand, weshalb man immer genau schauen musste wo man seine Füße hinsetzte. Glücklicherweise halfen mir zwei Angler mein Rad sicher auf die andere Seite zu bekommen. Auf der anderen Seite angekommen, baute ich schnell mein Zelt auf, ehe ich mir noch etwas zu Essen kochte. Am nächsten Morgen musste natürlich erst einmal wieder die Brücke überquert werden, ehe ich meine Fahrt fortsetzen konnte. Auf der anderen Seite angekommen, ging es dann auch gleich wieder bergauf um das Plateau zu erreichen. Bereits am Nachmittag in Ninotsminda hatte ich erste Zweifel bezüglich des Wetters, setzte meine Fahrt aber trotzdem fort.

Brücke aus einem Eisenbahnwagon
Brücke aus einem Eisenbahnwagon

Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht, denn schon eine Stunde später zog sich der Himmel dramatisch zu. Trotzdem setzte ich meine Fahrt zunächst weiter fort. Außer einigen Bauerndörfern gab es hier nichts, wo ich hätte nächtigen können. Als der Regen einsetzte suchte ich in einer  der Bushaltestellen Schutz. Obwohl das Dach zur Hälfte eingefallen war, blieb ich weitestgehend trocken. Später gesellten sich noch einige Hirten hinzu, die ebenfalls Schutz vor dem Wetter suchten. Wir unterhielten uns noch eine Weile, soweit dies eben sprachlich möglich war. Als der Regen nachließ, verabschiedete ich mich und schob mein Rad zurück auf die Straße.  Nach einigen Kilometern kam dann endlich die erste etwas längere Abfahrt. Aufgrund des Wetters erstrahlte das Tal hier in herrlichen Farben. Erst in der Abenddämmerung erreichte ich in Tsalka ein kleines Hotel.

Blick auf Tiflis
Blick auf Tiflis

Hier konnte ich auch mein Zelt trocknen, um es nicht im nassen Zustand in Tbilisi im Hostel liegen zu haben. Für den nächsten Tag war die Fahrt nach Tbilisi vorgesehen, doch die Route war deutlich bergiger als zunächst angenommen. In Manglisi machte ich deshalb auch noch einmal eine längere Pause. Neben einem Supermarkt fand ich in der Stadt endlich auch mal wieder W-LAN. Hier konnte ich also meine Mails durchschauen und verschiedenen Leuten zurückschreiben.  Gegen Abend konnte ich dann endlich, die mit Schlaglöchern übersäte, Abfahrt nach Tiflis/ Tbilisi unter die Reifen nehmen. Nach einiger Suche, fand ich dort dann schließlich ein Hostel, in dem ich für die nächsten Tage bleiben konnte. Den darauffolgenden Sonntag nutzte ich, um mich von den vorrausgegangenen Bergetappen zu erholen. Da ich in Tiflis auch mein Visum für Aserbaidschan beantragen wollte, würde ich ja ohnehin einige Tage in der Stadt verbringen. Am Montagmorgen ging es dann auch direkt zur Botschaft um mein Visum zu beantragen. Nach der obligatorischen Kontrolle, konnte ich eintreten. Allerding fehlte mir die Buchungsbestätigung für ein Hotel in Aserbaidschan. Da ich bereits ein Hostel gebucht hatte, konnte ich diese glücklicherweise direkt gegenüber Ausdrucken. Nach einer erneuten Sicherheitskontrolle, war ich zurück in der Botschaft. Nun konnte ich also meinen Antrag ausfüllen und alles zusammen einreichen. Dazu gehörten ein Passbild, Reisepass, Kopie des Reisepass, die Buchungsbestätigung und natürlich der Antrag selbst. Jetzt fehlte nur noch die Bezahlung bei der Bank am anderen Ende der Stadt. Glücklicherweise traf ich noch einen jungen Engländer, der hier ebenfalls sein Visum beantragte. Somit konnten wir uns die Kosten des Taxis zumindest Teilen.

Friedensbrücke in Tiflis
Friedensbrücke in Tiflis

Gerade noch rechtzeitig kamen wir von der Bank zurück um den Beleg abzugeben. Interessant ist übrigens, dass ich als deutscher etwa 40$ zahlte, während ein Slowene 80$, der Engländer 120$ und ein Amerikaner 160$ zahlten! Nach dem Bezahlen wurde eine Arbeitszeit von drei bis vier Tagen versprochen. Wir gingen noch ein Bier trinken, ehe wir uns verabschiedeten und ich zurück ins Hostel ging. Bei den allabendlichen Gewittern, war ich froh, nicht im Zelt übernachten zu müssen. Zusammen mit einem Inder und einem Iraner schaute ich mir in den darauffolgenden Tagen die Stadt an. Als ich am Donnerstagabend wieder zur Botschaft lief, kam mir bereits wenige Meter vor der Botschaft der Engländer entgegen und verkündete mir, dass sein Visum noch nicht fertig war. Da ich bereits wenige Meter vor der Botschaft war, beschloss ich trotzdem zu fragen; Leider ohne Erfolg! Am Freitagmorgen versuchte ich zusammen mit einem Inder noch einige Briefmarken zu kaufen. Doch als wir nach etlicher Fragerei, die Post fanden, wurde uns verkündet, dass hier leider der Strom ausgefallen sei. Für was beim Briefmarkenverkauf Strom benötigt wird, bleibt deren Geheimnis. Am Nachmittag ging es dann zurück zur Botschaft. Doch auch am Freitagnachmittag, war mein Visum leider immer noch nicht fertig. Ich könnte es aber in 40 Minuten nochmal versuchen. Also wartete ich noch einmal 40 Minuten und ging wieder zur Botschaft. Leider war es immer noch nicht fertig, weshalb ich nun bis Dienstag warten musste. In der Botschaft traf ich noch 2 junge Frauen aus Berlin, die ebenfalls hier warteten; wenn auch noch nicht ganz so lange wie ich.

Buntes Tiflis
Buntes Tiflis

Wir unterhielten uns noch eine kurze Zeit, ehe wir uns verabschiedeten. Mit entsprechender Stimmung kam ich nun also zu Hostel zurück. Am Samstagabend erreichten die Unwetter schließlich ihren Höhepunkt. Trotz geschlossener Fenster, hatten wir mit Regen zu kämpfen, weshalb wir kurzerhand Handtücher vor die Fenster legten. Die gute, schon fast Familiäre Stimmung konnte uns das Wetter Glücklicherweise nicht vermiesen. Erst am späten Abend erfuhren wir zuerst über Facebook und dann auch über das Fernsehen, das wahre Ausmaß des Unwetters. Im georgischen Facebook kursierten schon recht früh Meldungen von ausgebrochenen Tieren und starken Regenfällen. Ein bis zwei Stunden später, wurden diese Meldungen dann auch erstmals offiziell bestätigt. Glücklicherweise blieb es in unserem Stadtteil weitestgehend ruhig. Doch spätestens bei den Meldungen der ersten erschossenen Tiere und den ertrunkenen Menschen, kippte auch bei uns die Stimmung. Auch am nächsten Morgen wurden als erstes die Nachrichten gecheckt. Da es in unserem Teil ruhig war, beschloss ich zusammen mit dem Iraner zur nahe gelegenen Burg zu laufen. Auch von hier aus war, abgesehen von dem tiefbraunen Flusswassers, nichts zu sehen. Glücklicherweise blieb es am Sonntag trocken, womit die Rettungsarbeiten nicht noch weiter behindert wurden. Da am Montag ein Feiertag in Aserbaidschan war, war auch dessen Botschaft geschlossen. Also blieb mir mal wieder nicht viel anderes übrig, als durch die Stadt zu laufen oder am Netbook zu sitzen. Da ich auch am Dienstagmorgen nichts zu tun hatte, beschloss ich zusammen mit zwei Anderen, den Inder im Krankenhaus zu besuchen. Dieser war in der Nacht zuvor mit einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Anschließend, konnte ich dann endlich zur Botschaft um meinen Pass abzuholen. Wenige Meter vor der Botschaft, kam mir wieder einmal James aus England entgegen, den ich bereits beim Beantragen des Visums getroffen hatte. Dieses Mal allerdings in Begleitung von zwei Anderen, die er auf der Botschaft getroffen hatte. Da er mir schon von weitem mit dem Pass entgegen winkte, ging ich also mit guten Erwartungen zur Botschaft. Von dem Wache stehenden Polizisten wurde ich bereits lachend begrüßt. Und auch in der Botschaft wurde ich gleich erkannt. Nach weniger als 5 Minuten hatte ich nun endlich meinen Pass mit dem Visum von Aserbaidschan. Draußen angekommen stellte ich fest, dass das Visum erst ab dem 21.06 Gültig war, beantragt hatte ich es bereits auf den 13.06. Warum das Datum geändert wurde, bleibt wohl deren Geheimnis. Ich vermute allerdings, dass es daran lag, dass der 13.06 aufgrund der Wartezeit bereits in der Vergangenheit lag. Außerdem hatte ich mein Hostel vom 21.06 an gebucht. Naja das Ändern würde wohl zu lange dauern, daher beschloss ich es einfach so hinzunehmen. Auf dem Weg zurück zum Hostel, hörte ich aus einem Restaurant ein „Hey Emil“ als ich mich rumdrehte, sah ich den Engländer zusammen mit den beiden Anderen bei einem Bier sitzen. Also bestellte ich mir auch eines und setzte mich dazu. Wie sich herausstellte, waren die beiden Anderen ebenfalls mit dem Fahrrad auf der Seidenstraße unterwegs. Zu meiner größten Überraschung, war ich mit einem bereits auf Facebook befreundet. Dies ist unter Radfahrern durchaus nichts ungewöhnliches, da man so immer wichtige Informationen zur Strecke erhält. Nur war es absoluter Zufall, sich dann auf diesem Wege zu treffen. Nach einem weiteren gemeinsamen Bier, verabschiedeten wir uns. Ich machte mich nun gut gelaunt auf den Weg zum Hostel. Da das Visum erst später gültig war, hatte ich am folgenden Tag auch keinen Zeitdruck um das Hostel zu verlassen.

Flaches Tal westlich von Lagodechi
Flaches Tal westlich von Lagodechi

Als Ziel hatte ich mir die Stadt Lagodechi ausgesucht, welches Nahe an der Grenze zu Aserbaidschan und zu Russland liegt. Am späten Vormittag verabschiedete ich mich also von den Anderen und machte mich auf den Weg. Obwohl ich erst um 12:00 Uhr gestartet war, gelang es mir noch über 120 Kilometer Richtung Osten zu Rollen. Da es langsam Dunkel wurde, schlug ich etwa 40 Kilometer vor Lagodechi mein Zelt auf. Bereits beim Aufstellen, wurde ich von Unzähligen Stechmücken attackiert. Außerdem fing direkt nachdem ich mich ins Zelt gelegt hatte, ein Hund in unmittelbarer Nähe an zu Bellen. Da das Bellen einfach nicht nachließ, schlief ich erst gegen 23:30 Uhr ein. Am folgenden Morgen wurde ich bereits um kurz nach fünf vom Bellen des Hundes geweckt. Da es langsam Hell wurde, beschloss mich mein Lager abzubauen und los zu fahren. Um nicht zu früh in Lagodechi anzukommen, machte ich nach 20 Kilometern erst einmal eine längere Pause. Erst anschließend fuhr ich ins nahegelegene Lagodechi. Nach nur 39 Kilometern ging es hier dann bereits um 10:00 Uhr morgens in ein Gasthaus.

Im Nationalpark bei Lagodechi
Im Nationalpark bei Lagodechi

Am Nachmittag schaute ich mich noch ein wenig in der Stadt um, in der es allerdings nicht sonderlich viel zu sehen gibt. Im Hotel traf ich Salome aus Tiflis. Wir unterhielten uns noch eine Weile, ehe wir beide von der Besitzerin des Hotels zum Abendessen eingeladen wurden. Anschließend ging es für mich zurück in mein Zimmer, um am Netbook noch einige Informationen raus zu suchen. Für den folgenden Tag, hatte sich Khatia angekündigt, die ich in Tiflis kennen gelernt hatte. Gemeinsam wollten wir zu einem Wasserfall im Nationalpark laufen. Der Weg war meistens recht einfach zu finden, allerdings musste der Fluss mehrmals durchquert werden. Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich den Wasserfall. Leider war in diesem Teil des Parks  nur der kleinere Wasserfall, der aber ebenfalls ein lohnenswertes Ziel ist. Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Rückweg. Als wir den Ausgang des Parks fast erreicht hatten, sahen wir eine Gruppe junger Erwachsener, die gerade irgendetwas feierten. Es stellte sich heraus, dass einer von ihnen ein Cousin von Khatia war. Wir erfuhren, dass hier gerade ein Geburtstag gefeiert wird; keine Minute später saßen wir mit in der Runde! Angestoßen wurde mit selbstgemachtem Wein, der grundsätzlich auf Ex getrunken wurde! In Kombination mit fehlendem Mittagessen nicht gerade Ideal. Nach etwa 2 Stunden verabschiedeten wir uns. Während es für Khatia zurück nach Hause ging, ging es für mich zurück ins Hotel.

Im Nationalpark bei Lagodechi
Im Nationalpark bei Lagodechi

Aufgrund des etwas längeren Abends, startete auch der folgende Tag etwas später. Erst gegen 15:00 Uhr, machte ich mich mit dem Fahrrad auf, um in den 13 km entfernten Teil des Nationalparks zu fahren. Als ich dort Eintraf, wurde ich vom dortigen Rancher kritisch angeschaut, ob ich wirklich noch zum Wasserfall laufen möchte. Ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich dann eben etwas schneller laufen würde, um vor dem Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein. Im Park sah ich zunächst viel zu viele Menschen, die im unteren Teil des Parks ihren Grill aufgebaut hatten. Glücklicherweise wurden die Leute schon nach den ersten 500 Metern deutlich weniger. Auch auf dieser Strecke musste der Fluss mehrmals überquert werden. Zusätzlich gab es einige Passagen, bei denen ich durchs Totholz oder über Felsen klettern musste. Bei der trockenen Witterung war dies allerdings kein Problem, da weder die Felsen noch die Baumstämme sonderlich rutschig waren. Nach 2 Stunden erreichte ich schließlich den Wasserfall.

Wasserfall im Nationalpark bei Lagodechi
Wasserfall im Nationalpark bei Lagodechi

Durch seine Größe wirkte er deutlich imposanter als der andere Wasserfall am Vortag. Nach einer kurzen Fotopause ging es dann auch schon wieder zurück, schließlich wollte ich den Abstieg noch im hellen hinter mich bringen. Während des Abstiegs kamen wir noch drei Georgier entgegen, die am Wasserfall übernachten wollten. Ansonsten war ich alleine. Gegen 19:00 erreichte ich schließlich den Ausgang des Parks. Von hier ging es mit dem Rad zurück zum Hotel, schließlich wollte ich am nächsten Morgen über die Aserbaidschanische Grenze fahren. Im Hotel traf ich Stephen aus Deutschland, der gerade in Tiflis studiert und sogar Georgisch lernt! Auch heute wurden wir zum „Dinner“ eingeladen. Allerdings stellte sich dies als eine regelrechte Grillfeier heraus. Um 03:00 Uhr morgens ging es dann mit reichlich Wein zurück ins Zimmer. Es erklärt sich wohl von selbst, dass der nächste Morgen nicht so früh begann, wie ich zunächst erhofft hatte. Als ich um 12 Uhr georgischer Zeit die Grenze zu Aserbaidschan überquerte, kam dann auch noch die nächste Zeitverschiebung hinzu. An der Grenze wurde ich mehrmals gefragt, ob ich in Armenien gewesen sei, ich verneinte ehrlich. Außerdem war dies die erste Grenze, bei der ich eine Tasche öffnen musste. Nach etwa 20 min rollte ich dann endlich nach Aserbaidschan!

 

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