Kasachstan und Zugfahrt nach Usbekistan

Mit dem Verlassen des Hafens von Aktau, konnte ich endlich durch Kasachstan rollen. Zunächst führte mich die Fahrt in die Stadt Aktau  selbst. Hier wollte ich einige Vorräte zu kaufen und mich mit nationalem Bargeld versorgen. Im Stadtzentrum traf ich zu meiner Überraschung erneut auf den Aserbaidschaner, den ich bereits auf der Fähre getroffen hatte. Nachdem wir etwas zu Essen gekauft hatten, verabschiedeten wir uns und ich machte mich auf den Weg in die Wüste. Dank eines kräftigen Rückenwinds, kam ich zunächst recht gut voran. Nach etwa 10 Km hatte ich den Stadtverkehr hinter mir gelassen.

Wüste in Kasachstan
Wüste in Kasachstan

Die Landschaft wurde nun zunehmend karger und auch die Hitze nahm zu. An einigen Stellen, war der geschotterte Teil der Baustelle besser zu fahren, als die asphaltierte Straße! Außerdem hatte ich in der Baustelle keinen Verkehr. Nach etwa 60 Kilometern, wurde es dunkel, weshalb ich mir einen Platz zum Campen suchen musste. An einer Stelle sah ich einige Büsche, hinter denen ich die den nötigen Sicht- und Windschutz fand. Ich schob also mein Rad an die besagte Stelle und baute mein Zelt auf. Nach einer kurzen kalten Mahlzeit legte ich mich dann endlich ins viel zu warme Zelt, um zu schlafen. Nach einiger Zeit hörte ich ein Tappen vor dem Zelt. Als ich hinaus schaute sah ich, dass die Pferde die zuvor noch in einigen 100 Metern Entfernung waren nun direkt um das Zelt liefen. Da ich annahm, dass es sich nur um  zwei oder drei Pferde handelt, klatschte ich zwei Mal in die Hände um sie etwas vom Zelt zu vertreiben. Umso überraschter war ich, als ich wenige Augenblicke später eine ganze Herde davon galoppieren hörte! Nun konnte ich also endlich schlafen. 

Um der Hitze zu entgehen, baute ich bereits nach einigen Stunden das Zelt wieder ab, und startete bereits im Morgengrauen. In die nächste Stadt waren es nur etwa 40 Kilometer und ich hoffte, Diese zügig hinter mich zu bekommen. Doch als ich mein Fahrrad aus den Büschen schob, musste ich feststellen, dass der Wind in der Nacht um 180 Grad gedreht hatte. Hiermit wurde die Fahrt nach Zhetbay zu einer echten Zerreisprobe. Meter um Meter musste ich mich mühsam vorwärts kämpfen. Nach etwa 5 Stunden hatte ich die ersten 30 Kilometer hinter mich gebracht. Hier gab es endlich eine Tankstelle um etwas zu trinken zu kaufen. Außerdem konnte ich hier endlich abbiegen, wodurch ich „nur“ noch mit Seitenwind zu kämpfen hatte.

Kamele in der Wüste von Kasachstan
Kamele in der Wüste von Kasachstan

Nach weiteren 30 Minuten Fahrzeit hatte ich dann endlich Zhetbay erreicht. Hier kaufte ich mir zunächst in einem Supermarkt etwas zu essen und setzte mich in den Schatten. Noch während dem Essen, wurde ich eingeladen, doch in das nahe gelegene Haus zu sitzen. Hier tippten einige junge Männer im Gewinnspiel und tranken Bier. Ich selbst, lehnte das Bier dankend ab, war aber froh das W-LAN für einige Minuten nutze zu können. Ich sah, das Shayl nur etwa 60 Kilometer vor mir in einem Hotel untergekommen war, allerdings sei die Straße dorthin eher schlecht. Da ich mich am Abend besser fühlte, beschloss ich die Etappe in Angriff zu nehmen. Doch selbst um 19:00 Uhr war es noch deutlich zu warm, weshalb ich nach etwa 20 Kilometer schließlich aufgeben musste. Ich beschloss die letzten 40 Kilometer zu trampen und stoppte einen Lastwagen. Auf der geschotterten Strecke machte ich mir während der Fahrt vor allem Sorgen um mein Fahrrad – zurecht wie sich später zeigen sollte! Nach etwa 25 Kilometern bog der Lastwagen ab und ich ging zurück auf die Straße. Da ich immer noch außer Stande war mit dem Fahrrad zu fahren, Stoppte ich einen PKW mit Anhänger. Mit diesem kam ich nun für ein kleines Trinkgeld nach Shetpe. Hier ging es nun auf direktem Weg zum Hotel, welches ich am späten Abend auch erreichte. Nach einem kurzen Abendessen, ging es dann endlich ins Bett. Allerdings war ich am nächsten Morgen völlig außerstande, mit dem Rad zu fahren,  weshalb ich beschloss bis zum Abend zu warten. Gegen 17:00 Uhr beschloss ich doch noch zu starten. Zunächst hatte ich einen recht ordentlichen Rückenwind, der aber aufgrund des Straßenverlaufs bald zu einem starken Seitenwind wechselte. Nach etwa 25 Kilometern, fand ich noch ein Café um etwas Wasser zu kaufen. Mit diesem Vorrat, fuhr ich nun die nächsten 35 Kilometer ehe ich abermals einen kleinen Imbiss erreichte. Da es bereits dunkel wurde, beschloss ich hier etwas zu Abend zu essen und zu übernachten. Da es sehr warm war, ließ ich die Zimmertüre offen, was zur Folge hatte, dass es recht laut war.

Wüste in Kasachstan
Wüste in Kasachstan

Am nächsten Tag startete ich mal wieder recht früh. Die ersten 35 Kilometer bestanden aus Schotterstrecke, allerdings konnte ich teilweise auf die bereits asphaltierte, aber noch nicht frei gegebene Straße wechseln. Nach einem geschotterten Anstieg, kam ich nun in eine große Ebene, wo ich dem Wind schutzlos ausgeliefert war. Trotzdem gelang es mir irgendwie bis Say-Otes zu fahren. Nach einer Pause vor einem kleinen Supermarkt, fragte ich nach einem Hotel. Nach weiteren 15 Minuten erreichte ich endlich das Hotel, das sich direkt an der Durchgangsstraße befindet. Aufgrund der fehlenden Klimatisierung, war es auch hier sehr warm im Zimmer. Auch gab es im Hotel selbst keine Toilette, hierfür musste das Plumpsklo auf dem Parkplatz genutzt werden -  aber auch daran gewöhnt man sich! Die Dusche musste extra bezahlt werden, war aber soweit sauber. Außerdem gab es im Restaurant recht günstig ein gutes  Essen, was als Radfahrer ja bekanntlich nie schaden kann! 

Zugfahrt nach Usbekistan

Am nächsten Morgen war es nach wie vor sehr windig. Da dies allerdings nicht der beste Platz war um einen Tag Pause zu machen, beschloss ich hier mit dem Zug zu fahren. Dies war allerdings deutlich leichter gesagt als getan. Zunächst ging ich in der Stadt zum Bahnhof, hier waren aber keine Karten erhältlich. Also fragte ich mich durch, wo ich hin müsse um die Karten zu kaufen. Nach etwa einer halben Stunde fand ich endlich ein Postamt, welches die Zugtickets verkauft. Wichtig ist zu wissen, dass man hier bereits eine Stunde vor der aufgedruckten Zeit am Bahnhof sein muss, da überall die Zeitzone von Astana, der Hauptstadt Kasachstans, verwendet wird! Außerdem braucht man seinen Reisepass um sein Ticket zu kaufen! Als der Zug eintraf, versuchte ich anhand des Tickets herauszufinden, wo ich mit dem Fahrrad hin müsse. Nachdem ich zweimal von Anfang bis Ende gelaufen bin, beharrte ich darauf, dass das Fahrrad einfach irgendwo rein muss – Es funktionierte! Natürlich wurde auch für das Fahrrad abkassiert…. Wie ich später herausfand wohl eher zu Unrecht. Naja immerhin rollte ich nun mit dem Zug Richtung Beyneu! Später fand ich im Zug glücklicherweise eine Kasachin aus Astana und einen in Kasachstan lebenden Russen, die beide Englisch sprachen. Hiermit war die Zugfahrt bedeutend kurzweiliger, als wenn ich nur alleine rum gesessen wäre, bzw. in gebrochenem Russisch versucht hätte, die Fragen von anderen Reisenden zu beantworten.

Krank im Zug Richtung Usbekistan
Krank im Zug Richtung Usbekistan

Auch in Beyneu hielt der Zug ausreichend lange, um alles auszuladen. Nachdem ich mich von den beiden Anderen verabschiedet hatte, ging es für mich in die  Stadt, um ein  Hotel zu suchen. Glücklicherweise fand ich ein offenes W-LAN und stellte fest, dass Nick und Shayl bereits in der Stadt waren. Auch war ihr Hotel nur wenige Meter von mir entfernt. Während Nick die Strecke bis Beyneu vollständig gefahren war, hatte Shayl ebenfalls abgekürzt. Für den folgenden Tag hatten sich beide schon ein Zugticket nach Kongrad in Usbekistan gekauft – keine schlechte Idee wie ich fand! Also  machte ich mich auf, um mir ebenfalls ein Zugticket zu kaufen. Natürlich wurde auch hier kein Englisch gesprochen, weshalb das ganze etwas länger dauerte. Außerdem schien es irgendwelche Probleme mit meinem Reisepass zu geben. Später erfuhr ich, dass Sie nur das Länderkürzel für „Deutschland“ falsch eingetragen hatte. Am folgenden Tag liefen wir ein wenig durch die Stadt und warteten auf den Abend. Da der Zug erst nach Mitternacht fuhr, waren wir froh im Hotel warten zu können! Am Bahnhof angekommen klappte das Verladen der Räder recht problemlos. Schlafen konnten wir allerdings nicht, da  zunächst alle Dokumente kontrolliert werden mussten. Des Weiteren liefen dauerhaft irgendwelche Händler durch den Gang, die einem irgendetwas verkaufen wollten. Hierbei reichte das Angebot vom Geldtausch über Speisen und Getränke bis hin zu Kleidung und Spielsachen. Nachdem die Dokumente kontrolliert waren, konnten wir uns endlich schlafen legen.

Ungeplanter halt bei 45 Grad im Schatten
Ungeplanter halt bei 45 Grad im Schatten

Doch morgens um 05:00 war es damit schon wieder vorbei! Grenzkontrolle! Die Toiletten wurden verschlossen und das Gepäck teilweise kontrolliert. Besonderes Interesse wurde unserer Reiseapotheke geschenkt, da aber alles original verpackt war, war dies kein Problem. Direkt nach der Kontrolle meldete sich dann auch mein Magen zurück – ich war eben immer noch nicht ganz gesund! Natürlich waren die Toiletten immer noch geschlossen und auf die Frage, ab wann man Diese wieder benutzen kann, bekam ich ein kurzes „2 Stunden“ zur Antwort. Na Toll -  Das war auf keinen Fall zu machen, also wieder zurück und nochmal nachfragen. Endlich – Nach einer kurzen Rückfrage beim Chef wurde die Toilette geöffnet. Erst anschließend konnte ich mich einigermaßen zur Ruhe legen. Plötzlich wurde ich durch eine Vollbremsung geweckt. Anscheinend hatten wir ein Kamel gerammt. Da dieses nicht zum Grillen freigegeben war, ging es wieder in das viel zu kurze Bett um zu schlafen. Am folgenden Nachmittag stoppte der Zug erneut. Dieses Mal, musste irgendetwas repariert werden. Da der Zug mitten in der Wüste stand, wurde es ordentlich warm. Wir durften zwar nach draußen, aber selbst im Schatten des Zuges war es viel zu warm. Erst am Abend erreichten wir die Stadt Kongrad in Usbekistan!  

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Kommentare: 2
  • #1

    Helmut und Verena Wider (Sonntag, 16 August 2015 12:59)

    Hallo Emil, mit viel Interesse verfolgen wir deine Reise und lesen deine Eindrücke. Wir sind derzeit im jetzt wieder kühlen Schwarzwald und werden in den nächsten Wochen vermutlich kleinere Touren im Elsass unternehmen. Dir alles Gute und bleib gesund. Liebe Grüße von Helmut und Verena

  • #2

    Emil Granz (Freitag, 21 August 2015 07:57)

    Hallo, freut mich von euch zu lesen! Ich bin inzwischen bereits auf dem Pamirhighway. Sobald das Internet schnell genug ist, werden weitere Berichte hochgeladen!

    Euch beiden viel Spaß bei euren Touren!

    Viele Grüße
    Emil