Welches Fahrrad?

Oft werde ich gefragt, welches Fahrrad den für Radtouren oder gar für eine  Weltreise am besten geeignet sei. Zunächst einmal muss ich hier anmerken, dass sich diese Frage nicht pauschal beantworten lässt! Hierfür sind die Einsatzprofile zu unterschiedlich.  Gerade am Anfang, kann man für eine normale Tour in Europa grundsätzlich mit jedem Rad starten! Fürs erste kommt es mal darauf an, mit wie viel Gepäck ihr reisen wollt/müsst. Wer im Zelt übernachtet und selbst kochen will oder Aufgrund mangelnder Einkaufsmöglichkeiten muss, braucht ein anderes Rad als jemand, der abends ins Hotel geht. Des Weiteren stellt sich die Frage nach dem Straßenzustand im Urlaubsgebiet, nur Straße?, Hin und wieder auch mal ein Waldweg/ Radweg? Oder hunderte Kilometer Piste? 

Rennrad:

Für Sommertouren, mit Hotelübernachtung oder nur dem Zelt und dem Schlafsack, bevorzuge ich in Europa das Rennrad. Hiermit macht man viele Kilometer, kann die Abfahrten voll genießen und ist auch bergauf schneller unterwegs.

Für Touren würde ich auf jeden Fall von Karbon abraten, speziell bei der Sattelstütze, wo sich bei mir ein Großteil des Gepäcks befindet. Da ihr das Rad auch öfters mal alleine lassen müsst, nutzt euch das gesparte Gewicht eigentlich auch nichts, da ihr dieses für stabilere Schlösser nutzen müsst! Bei der Ausstattung, würde ich auf Mittelklasse setzen. Da sich die aktuellen Daten ständig ändern, verweise ich hier einfach mal auf die Testergebnisse bekannter Zeitschriften oder auf Foren. Ein Rad für maximal 1500€ ist auch für Vielfahrer absolut ausreichend. Wichtig ist ein ausreichend steifer Rahmen. Ich selbst nutze ein Canyon aus Alu mit Karbongabel. 

Reiserad:

Bei Reisen nach Nordeuropa, Wintertouren oder Fernreisen, bevorzuge ich dagegen das Touren-/ Reiserad. Im Idealfall hat es einen steifen Rahmen, robuste Komponenten und lässt sich auch ohne spezielle Ersatzteile reparieren. Für Standardtouren reicht ebenfalls mittelklassiges Equipment, am Anfang auch das Rad das ihr gerade habt. Das Rad meiner ersten Wintertour war 30 Jahre alt und hat mich trotzdem bis Paris und zurück gebracht. Zum Reisebericht Allerdings gab es hier auch eine Zwangspause, aufgrund eines kaputten Schalthebels. Für die Mittelklasse, verweise ich ebenfalls auf die Testergebnisse der Zeitschriften. Bei dem Reiserad ist man sich auch in Reiseforen nicht einig, weshalb ich hier einfach meine Meinung darlege. Bevor ihr etwas kauft, solltet ihr aber unbedingt auch in Foren recherchieren, um verschiedene Ansichten zu hören!

Der Rahmen:

Das Wichtigste ist auf einen steifen Rahmen zu achten. Bei weichen Rahmen kann es vorkommen, dass er sich unter der Last des Gepäcks oder beim Fahren im stehen verwindet. Des Weiteren sollte die Gabel Ösen für die Montage eines Lowriders (Frontgepäckträger) aufweisen. Auch die Nutzung einer Federgabel oder gar eines vollgefederten Rades ist eine Streitfrage. Ein gefedertes Rad bringt immer einiges mehr auf die Waage, als ein nicht gefedertes Rad. Außerdem ist es in vielen Ländern schwierig, Ersatzteile zu bekommen. Dem gegenüber steht ein deutlicher Komfortgewinn. Eine weitere Frage ist die Frage des Rahmenmaterials. Zur Auswahl stehen Stahl, Aluminium und Titan; Karbon spielt bei Reiserädern derzeit keine Rolle.

 

Stahl:


Stahlrahmen sind sehr robust und weltweit schweißbar. Allerdings sind sie auch schwer und neigen speziell beim Wintereinsatz dazu, zu rosten. Ich selbst setzte auf Stahl, da man das am einfachsten reparieren kann.

 

Aluminium:

   

Aluminiumrahmen sind leichter als Stahl und vergleichsweise günstig zu haben. Allerdings sollte beachtet werden, dass Aluminium zwar nicht rostet aber sehr wohl korrodiert! Speziell durch Salz, kann auch Aluminium stark angegriffen werden. Besonders betroffen sind hier vor allem Teile der Gabel, die oft eine große Menge Magnesium enthalten. Des weiteren ist Aluminium im Fall der Fälle nicht überall schweißbar.

 

Titan:


Titanrahmen sind sehr teuer, aber auch sehr robust. Ein weiterer Vorteil ist, dass Titan unanfällig gegenüber Korrosion ist. Allerdings ist auch Titan nicht weltweit schweißbar.

Die Schaltung:

Rohloff:

 

Ich selbst nutze die Rohloff Schaltung. Diese Schaltung hat 14 Gänge in der Nabe integriert. Dadurch sind diese Gänge effektiv nutzbar, können im Stand geschalten werden, und sind vor Dreck vollständig geschützt! Die Wartung der Schaltung selbst, beschränkt sich auf einen jährlichen Ölwechsel; Die Kette muss natürlich trotzdem gewartet werden. Seit einiger Zeit, sind auch Zahnriemen statt Ketten erhältlich, die vollständig Wartungsfrei und vor allem ohne Öl arbeiten sollen. Hierfür sind allerdings spezielle Rahmen nötig, deren Ausfallende (hinten am Rahmen) geöffnet werden kann, weshalb eine Nachrüstung auf Riehmenantrieb nachträglich nicht möglich ist. Da ich selbst noch mit Kette fahre, kann ich hierzu allerdings keine Bewertung abgeben. Nachteile der Schaltung sind, dass sie manchmal im Flugzeug ausläuft (Druck) und der Preis von ca. 1000€, der sich bei Vielfahrern allerdings relativiert. Für Rennlenker sind ein teilbarer Lenker oder Adapter nötig. Da ich noch keine Möglichkeit zum Kauf dieser Adapter gefunden habe, gibt es hier eine Zeichnung. Da diese Schaltung keinen Kettenspanner aufweist, sollte der Rahmen ein Exzentertretlager aufweisen, bei welchem die Kette über ein Verdrehen des Tretlagers gespannt wird oder über ein spezielles Ausfallende verfügen.

 

Kettenschaltung:

 

Es gibt aber auch Leute, die mit einer normalen Kettenschaltung Fernreisen unternommen haben. Hierfür bieten sich vor allem die MTB Gruppen der Führenden Hersteller Sram und Shimano an.

 

Piniongetriebe:

 

 

Ebenfalls neu ist das Piniongetriebe, dass in einer ähnlichen Preisklasse wie die der Rohloff zu finden ist. Bei dieser Schaltung ist das Getriebe ebenfalls komplett abgekapselt und im Tretlager eingebaut. 

Nabendynamo:

Der Nabendynamo wird für die Beleuchtung verwendet, kann aber mit dem Zukauf einiger Extras auch zum Aufladen des Smartphones, Powerbank und so weiter verwendet werden. Einen schönen Vergleich gibt es im Radreisewiki. Zum Radreisewiki

Reifen:

Von noname Reifen würde ich grundsätzlich abraten. Bei mir hat sich der Schwalbe Marathon Plus als sehr robust erwiesen, dafür hat er einen höheren Rollwiderstand. Ebenfalls beliebt ist der Travel Contact von Continental den ich, weil er faltbar ist, als Ersatz mitführe, aber noch nicht getestet habe.

Felgen:

Gerade für Felgenbremsen ist es nicht ganz einfach, eine Breite hochwertige Felge zu finden. Eine Faustregel besagt, Reifen nicht breiter als die doppelte Maulweite (Innenbreite) der Felge. Ich liege mit 19mm zu 45mm allerdings auch darüber. Derzeit fahre ich die Rigida Sputnik und die Andra 30 vom gleichen Hersteller. Die Andra hat schräge Speichenbohrungen um die Speichenbelastung bei Großen Nabendurchmessern zu reduzieren.

Felgenbeschichtung:

Für den Normalfahrer ist blankes Alu absolut ausreichend, da er eine Felge nie durchbremsen wird. Um den Abrieb zu vermindern, gibt es aber auch beschichtete Felgen. Wie sich die einzelnen Beschichtungen unterscheiden, habe ich hier aufgeführt:

 

Keine Beschichtung:

 

Unbeschichtete Felgen sind für Normalfahrer mehr als ausreichend. Diese bestechen vor allem durch den günstigen Preis und der trotzdem recht hohen Bremsleistung.

 

CSS-beschichtete Felgen:

 

Ich fahre derzeit CSS-beschichtete Felgen. Da ich die Felgen allerdings erst seit ca. 5500km im Einsatz habe (01/15), kann ich dazu noch nichts sagen. Die Bremsleistung ist allerdings sowohl bei trockenen, als auch bei nassen Wetterverhältnissen hervorragend. Allerdings sind spezielle Bremsbeläge erforderlich, die ich nur bei zwei Onlineanbietern gefunden habe.

 

Keramik-beschichtete Felgen:

 

Diese Art von Felgen hatte ich eine Zeitlang durch einen Gebrauchtkauf. Einen Abrieb konnte ich nicht feststellen. Bei trockenen Witterungsverhältnissen ging die Bremsleistung noch in Ordnung, bei Nässe ging sie allerdings trotz verschiedener Beläge gegen Null!

Bremsen

Scheibenbremsen:

 

Da ich keine Scheibenbremsen im Einsatz habe und sich die Technik ständig weiterentwickelt, verweise ich hier auf die Tests, die man auf anderen Seiten findet.

 

Vorteile:

  • Hohe Bremsleistung
  • Kein Felgenverschleiß

Nachteile:

  • Ersatzteilversorgung außerhalb der Industriestaaten
  • Teuer
  • Kompliziertere Technik

 

Hydraulische Felgenbremsen:

 

Hatte ich eine Zeit lang durch Gebrauchtkauf:

 

Vorteil:

  • Bremsleistung

 

Nachteile:

  • Ersatzteilversorgung außerhalb der Industriestaaten
  • Felgenverschleiß
  • Teuer

 

V-Brake:

 

Diese Nutze ich seit einiger Zeit am Tourenrad:

 

Vorteile:

  • Günstiger Preis
  • Gute Ersatzteilversorgung auch in nicht Industriestaaten
  • Ebenfalls akzeptable Bremsleistung

 

Nachteile:

  • Für Rennlenker habe ich abgesehen vom Éigenbau noch keine Möglichkeit gefunden, den Verschleiß über eine Schraube zu korrigieren. Eine Zeichnung des Eigenbaus findet ihr hier.
  • Felgenverschleiß
  • Höhere Handkräfte erforderlich

Gepäckträger/ Lowrider:

Wichtig ist es hier auf ausreichende Stabilität und Steifigkeit zu achten. Ich verwende hinten den Tubus Logo, da er nicht rostet und sehr stabil ist.

 

Vorne verwende ich den Tubus Tarra, der ebenfalls sehr stabil ist, aber leider nicht aus rostfreiem Material erhältlich ist. Vom Frontständer, kann ich aufgrund mangelnder Qualität leider nur abraten.

Lenker:

Hier entscheiden rein die persönlichen Vorlieben, von Karbon rate ich allerdings ab. Wer sich für einen Rennlenker entscheidet sollte bedenken, dass dieser mit bestimmten Komponenten nicht kompatibel ist.

 

Probiert es am besten bei kürzeren Touren aus.

Erhältlich sind:

- Rennlenker

- Schmetterlingslenker

- gerade Lenker

 

 

Diese Lenker unterscheiden sich teilweise auch innerhalb einer Kategorie deutlich. Ich bevorzuge bspw. Rennlenker, bei denen der untere Bogen abgeflacht wurde.