Durch Kirgistan nach Bischkek

Auch an der Kirgisischen Grenze, wurde kein Gepäck kontrolliert. Nach dem problemlosen Grenzübertritt, wollten wir an diesem Tag die Kleinstadt Sary Tasch erreichen. Hier fanden wir schließlich ein kleines „Hotel“. Neben einem guten Essen, gab es hier endlich auch mal wieder eine warme Dusche! Diese bestand allerdings aus einem Eimer mit warmem Wasser und einer Schöpfkelle, die in der Garage platziert wurden.

 Jurte in Kirgistan
Jurte in Kirgistan

Da sich Patrik am nächsten Tag unwohl fühlte und noch eine Nacht bleiben wollte, setzte ich die Fahrt alleine fort. Direkt nach Sary Tasch begann auch schon der Anstieg zum ersten Pass. Auf dem Weg nach oben, wurde ich von Shayl und einem Franzosen überholt. Als ich den ersten Pass auf einer Höhe von 3550 Metern erreichte, gab es zunächst nur eine recht kurze Abfahrt. Wenige Kilometer später wartete nämlich schon der Taldyk-Pass mit einer Höhe von 3615 Metern auf mich.  Aufgrund der hohen Ausgangshöhe, hatte ich diesen allerdings schnell erreicht. An der Passhöhe angekommen, hatte ich auch schon eine geniale Abfahrt vor Augen. Auf dem größtenteils guten Asphalt stürzte ich mich nun dem Tal entgegen. Doch nach einigen Kilometern wurde das Gefälle geringer und der Gegenwind stärker spürbar! Dieser sollte mich auch noch bis Gulcha begleiten, weshalb ich während dem größten Teil der gigantischen Abfahrt trotzdem treten musste.

Auf der Abfahrt holte ich auch Shayl und den französischen Radfahrern wieder ein. In Gulcha fragten wir an einem Haus, ob wir im angrenzenden Garten campen könnten. Dies war wieder einmal kein Problem. Doch als ich gerade den Kocher vorgeheizt hatte, wurde ich aufgefordert diesen abzustellen. Zu unserer Überraschung wurden wir nämlich sowohl zum Abendessen als auch zum Frühstück eingeladen! Da ich im Garten nur ein Plumpsklo gesehen hatte, staunte ich nicht schlecht, als ich im Wohnzimmer einen riesigen Flachbildschirm entdeckte! Auch W-LAN wurde uns direkt angeboten, was uns nach über einer Woche ohne Internet ebenfalls sehr willkommen war. Um die Kommunikation etwas zu vereinfachen, rief er über Skype seinem englisch sprechenden Bruder in Dubai an. Nach dem Frühstück, ging es auch hinter Gulcha wieder nach oben. Dieses Mal wartete der Chyriyrchyk-Pass mit 2389 Metern auf mich. Beim Aufstieg traf ich dann auch Holger und Katharina wieder.

Abfahrt vom Taldyk-Pass
Abfahrt vom Taldyk-Pass

Wir entschieden uns zusammen bis Osch zu fahren. Da es nach dem Pass nur noch bergab ging, erreichten wir das Ziel trotz einiger Pausen problemlos. In Osch gab es wieder einmal ein Hotel in dem sich alle Radfahrer treffen. Im TES-Guesthouse hat man nämlich neben einem Mehrbett- oder Einzelzimmer auch die Möglichkeit zu Campen oder in einer Jurte zu schlafen. Da ich einige Nächte bleiben aber trotzdem mein Budget schonen wollte, entschied ich mich zu campen. In Osch gab es außer dem Basar leider nicht so viel zusehen. Der Basar war dafür absolut riesig! Da ich nach dem Pamirhighway endlich wieder einmal eine Pause „in der Zivilisation“ brauchte, blieb ich auch ohne Sehenswürdigkeiten 7 Tage in Osch. Da ich zunächst einmal genug von Wellblechpisten und Sand hatte, entschied ich mich der M41 weiter bis Bischkek zu folgen! Zusammen mit Patrik, startete ich erst recht spät. Leider wurde der Verkehr auch einige Kilometer hinter Osch nicht merklich weniger. Trotzdem fuhren wir noch einige Kilometer, ehe wir uns am Abend einen Platz zum Zelten suchten. Der Platz war allerdings recht einsehbar und auch der Verkehr war deutlich hörbar! Als wir uns am Abend endlich ins Zelt legen wollten, bog an der Straße ein Auto ab und kam direkt auf uns zu. Als dann 30 Meter von uns entfernt zwei Personen ausstiegen, stellten wir zu unserer Verwunderung fest, dass sie ebenfalls ein Zelt aufbauten. Nach einem kurzen Gespräch, gingen wir dann endlich schlafen. Beim Öffnen des Zeltes stellte ich fest, dass die beiden bereits vor 8:00 Uhr weiter gefahren sind. Nach einem kurzen Frühstück, setzten auch wir unsere Fahrt fort. Am Nachmittag fing an Patriks Rad allerdings etwas an, laut zu klappern!


Stau in Kirgistan

Beim Nachschauen, stellten wir fest, dass eine Öse von seinem Rahmen gebrochen war. Da der Rahmen aus Stahl bestand, fragten wir uns direkt zur nächsten Werkstatt mit einem Schweißgerät durch. Direkt am Straßenrand wurde der Rahmen schließlich in einer kleinen Werkstatt geschweißt. Nach insgesamt weniger als einer halben Stunde, war das Fahrrad wieder fahrbereit. Doch auch hier war keine Bezahlung möglich, selbst ein Bier wurde dankend abgelehnt. Da es inzwischen Abend wurde, suchten wir uns schließlich ein kleines Guesthouse. Hier konnten wir für etwa fünf Euro übernachten. Da es nicht einmal eine warme Dusche gab, waren wir umso erstaunter, dass es hier (sehr schnelles) W-LAN gab! Am nächsten Morgen wurde die Landschaft zunehmend schöner und auch der Verkehr wurde weniger. Wenige Kilometer hinter Taschkomur, wurde es trotzdem Zeit sich nach einem Campingplatz umzuschauen.

Baufällige Brücke bei Taskomur
Baufällige Brücke bei Taskomur

In einem Erdloch unweit der Straße fanden wir schließlich den gewünschten Sichtschutz. Am nächsten Morgen hatte es leider zu regnen begonnen, weshalb wir unsere Zelte nass einpacken mussten. Bereits wenige Kilometer nach dem Start, legten wir eine kurze Pause ein. Außerdem wollte Patrik noch seine SIM-Karte aufladen, was allerdings deutlich länger ging, als zunächst angenommen! Beim Warten stellte ich erstaunt fest, dass Karin und Fritz uns eingeholt hatten. Die Beiden hatte ich bereits in Buchara und zuletzt in Osch gesehen. Auch mit über 50 bzw. 60 radeln Sie noch um die Welt. Ihren Blog findet ihr hier. Zu viert setzten wir nun unseren Weg weiter fort. Da es auch am Abend regnete, suchten wir in Karakul nach einem Hotel. Das erste Hotel wäre allerdings zu teuer gewesen, weshalb wir nach dem zweiten Hotel Ausschau hielten, das auf der Karte eingezeichnet war. Als wir in das Viertel kamen, sahen wir aber nur ein baufälliges Gebäude aus der Sowjetzeit. Als wir nach dem Hotel fragten, wurden wir allerding genau dort hingeschickt. Ein Anwohner rief daraufhin die Besitzerin an, die nach zwanzig Minuten auch eintraf. Etwas später trafen noch zwei andere Radfahrer aus Holland ein, welche hier ebenfalls übernachten wollten. Allerdings war das Zimmer, das sie angeboten kamen an mehreren Stellen undicht, weshalb wir sie in unserem Zimmer übernachten ließen. Auch sonst war der Zustand des „Hotels“ mit „heruntergekommen“ noch wohlwollend umschrieben.

Am Abend machten wir uns zusammen auf die Suche nach einem Restaurant. Als wir dies nach einer halben Stunde Fußmarsch endlich fanden, stellten wir fest, dass hier aufgrund einer Hochzeit geschlossene Gesellschaft war. Als uns einer der Gäste anbot, uns zu einem anderen Restaurant zu fahren, konnten wir dies zunächst kaum glauben. Doch dank des „tollen“ Wetters nahmen wir das Angebot gerne an. Beim Verlassen, des Restaurants stellten wir fest, dass es stark zu regnen begonnen hatte. Faul wie wir waren, nahmen wir direkt das nächste Taxi. Viel einfacher oder bequemer war dies allerdings nicht. Nachdem wir dem Fahrer endlich erklärt hatten wo wir hin wollten, nahmen wir zu viert auf der Rückbank Platz. Doch schon beim Ausparken, streiften wir ein anderes Auto, was den Fahrer allerdings wenig störte. Erst nach drei Runden durch die Stadt erreichten wir schließlich das Hotel. Beim Frühstück erzählte uns Karin, dass es bei ihr über dem Bett mitten in der Nacht zu tropfen begonnen hätte. Unser Zimmer hatte zwar eingeschlagene Scheiben, blieb aber zumindest trocken. Gegen 11:00 Uhr klarte der Himmel endlich auf. Also packten wir unsere Räder und fuhren zurück zur Hauptstraße. Weit kamen wir allerdings nicht! Bereits nach einigen hundert Metern, sahen wir einen Mann regungslos auf der Straße liegen. Bei der Atemkontrolle rochen wir direkt eine starke Alkoholfahne. Da es von den Passanten keinen interessierte, blieb uns nichts anderes übrig, als ihn in die stabile Seitenlage zu bringen. Als wir zu den Rädern zurückgingen, stand er schließlich völlig verwirrt auf. Mit gutem Gewissen, konnten wir nun also bei deutlich besserem Wetter weiter in Richtung Toktogul Stausee weiterfahren. Gegen Mittag, überquerten wir schließlich den letzten Pass vor dem See. Vor uns lag jetzt die ganze Schönheit des Stausees, die uns immer wieder zum Anhalten und Fotografieren verleitete! Gegen Abend versuchten wir schließlich eine Stelle zum Campen zu finden. Leider war das Ufer recht bergig, weshalb wir zunächst keine geeignete Stelle finden konnten. Ein Restaurant am Straßenrand schien allerdings die perfekte Gelegenheit zu sein.

Toktogul Stausee in Kirgistan
Toktogul Stausee in Kirgistan

Um das Restaurant herum, gab es genug Platz für all unsere Zelte. Also fragten wir nach, ob wir hier nach dem Essen zelten könnten. Dies war wieder einmal kein Problem. Noch bevor wir etwas zu essen bestellt hatten, erreichte noch eine weitere Radfahrerin aus Deutschland das Restaurant. Auch wenn es erst am Vortag warmes Wasser gegeben hatte, hielt ich es für nötig mich noch kurz zu waschen. Zu meiner Überraschung war der See allerdings alles andere als kalt. Weshalb aus dem „kurz waschen“ direkt „eine halbe Stunde schwimmen“ wurde. Anschließend bauten wir unsere Zelte auf, genossen den Sonnenuntergang und bestellten natürlich das wohl verdiente Essen! Zusammen mit Tomatensalat wurde uns eine große frittierte Forelle serviert! Nach einem hervorragenden Essen, gingen wir erst recht spät schlafen, was den Start am nächsten Morgen natürlich etwas verzögerte. Gemütlich fuhren wir nun weiter dem See entlang. Am Abend bauten wir unsere Zelte schließlich einige Kilometer hinter Toktogul auf einer Wiese auf. Als uns ein Anwohner anriet die Fahrräder in der Mitte zusammen zu schließen, waren wir allerdings doch etwas verwundert. Den Abend musste ich mit nähen verbringen, da meine immer dünner werdende Hose wieder einmal eingerissen war. Da wir nachts starken Nebel hatten, waren die Zelte am nächsten Morgen triefend Nass, weshalb sich der Start abermals etwas verzögerte. Da wir in unterschiedlichen Geschwindigkeiten fuhren, entschlossen wir uns für den kommenden Pass wieder in zwei Gruppen zu Teilen. Doch schon nach 5 Kilometern mussten Patrik und Ich anhalten, da ich einen Platten hatte. Beim genaueren Hinsehen bemerkte ich, dass mir der Schlauch am Ventil eingerissen war. Während ich noch damit beschäftigt war, mein Rad zu entladen und den Schlauch zu tauschen, nutzte Patrik die Zeit um sich einen Kaffee zu kochen. In einem Restaurant trafen wir dann auch wieder auf Karin und Fritz, die aber bereits kurz davor waren weiter zu fahren. Nach dem Essen, setzten auch Patrik und ich die Fahrt wieder weiter fort. Da wir aber beide recht müde waren, beschlossen wir den Pass erst am nächsten Tag zu fahren. Direkt an einem Fluss, fanden wir schließlich einen schönen Platz, wo wir unsere Zelte aufbauten. Am nächsten Tag, wollten wir nun aber endlich den Pass erreichen, weshalb wir bereits recht früh starteten. Nach einigen Stunden, hatten wir den Ala-Bel Pass mit einer Höhe von 3175 Metern endlich erreicht.

Jurte in Kirgistan
 Jurte in Kirgistan

Von hier ging es nun in sanftem Gefälle und viel Rückenwind weiter Richtung Osten. In einem kleinen Dorf, gingen wir schließlich in ein Restaurant, wo wir auch Brot für den nächsten Tag kaufen konnten. Da wir nach wie vor Rückenwind hatten, setzten wir unsere Fahrt noch eine Weile fort. Erst als es langsam dunkel wurde, bauten wir unsere Zelte auf und kochten uns noch etwas zu Essen. Über Nacht hatte der Wind leider nachgelassen. Trotzdem kamen wir recht gut voran. Zumindest solange bis wieder einer einen Platten hatte…… Dieses Mal hatte es Patrik erwischt. Während Karin und Fritz weiter fuhren, machten wir uns daran den Reifen zu reparieren. Beziehungsweise dieses Mal kochte ICH Kaffee, während ER den Reifen flickte! Nach getaner Arbeit setzten wir unsere Fahrt weiter fort. Als wir ein kleines Dorf an der Abzweigung zum nächsten und vorerst letzten Pass erreichten, begann es allerdings zu regnen. Da man beim Hobby Radfahren natürlich nicht nass werden möchte, flüchteten wir direkt ins nächste Restaurant. Bei einer Cola warteten wir darauf, dass der Himmel endlich aufklarte. Schon nach einer halben Stunde, konnten wir unsere Fahrt im trockenen fortsetzen. Nach einigen Stunden, erreichten wir endlich die Passhöhe. Nach dem wir kurz die Aussicht genossen hatten, ging es dann auch schon an die Abfahrt. Zunächst mussten wir aber noch den Atindag-Tunnel durchqueren. Der Tunnel ist relativ gut beleuchtet, aber schmal und voller Schlaglöcher. Trotzdem zogen wir zur Sicherheit unsere hellen Klamotten an, ehe wir uns an die Abfahrt machten. Immerhin ging es in unserer Richtung bergab, was den Tunnel bedeutend erträglicher machte. Direkt hinter dem Tunnel lag nun eine atemberaubende Abfahrt vor uns. Vor einer gigantischen Kulisse, stürzten wir uns nun mit unseren Rädern Richtung Tal. Allerdings wurde es langsam dunkel, weshalb wir nach einer Möglichkeit zum Campen Ausschau hielten. Da wir nichts Geeignetes sahen, fragten wir schließlich in einem kleinen Restaurant. Hier konnten wir in einem Nebenzimmer für wenig Geld unseren Schlafsack ausrollen. Auch das Abendessen war mehr als willkommen, da wir nach diesem langen Tag, keine Motivation zum Kochen mehr gehabt hätten. Am nächsten Tag wollten wir schließlich Bischkek erreichen. Zunächst ging es daher weiter bergab bis Kara-Balta, wo wir eine kurze Pause einlegten. Leider wurde der Verkehr von hier an stetig mehr. Die Fahrt ins Zentrum von Bischkek empfand ich als mindestens genauso schlimm, wie die Fahrt nach Istanbul. Der einzige Unterschied ist, dass Bischkek mit unter 900.000 Einwohnern nur etwa ein 16tel der Bevölkerung von Istanbul aufweist! In Bischkek hielten wie schließlich in einer privaten Unterkunft wo wir für 7 US-Dollar unsere Zelte aufstellen konnten.

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