Usbekistan

Am 15.07 erreichte ich nach einer für mich katastrophalen Zugfahrt endlich Kongrad in Usbekistan. Da ich nach wie vor nicht gesund war, beschlossen wir, direkt in das nächste Hotel zu gehen. Allerdings gibt es in Kongrad nur ein einziges Hotel, welches einen aber nicht registriert. In Usbekistan muss man sich als Tourist spätestens alle drei Tage in einem Hotel registrieren.

Denkmal in Mo`ynoq am Aralsee
Denkmal in Mo`ynoq am Aralsee

Allerdings liest man im Internet teilweise, dass es an der Grenze keinen interessiert, manchmal aber auch, dass alles ganz genau angeschaut wird. Für diesen Tag spielte es aber ohnehin keine Rolle, da es unser erster Tag in Usbekistan war. Da wir nur etwa 100km vom Aralsee entfernt waren, beschlossen wir hier mit einem Taxi hinzufahren. Die „Tour“ konnten wir direkt im Hotel buchen und zu dritt, war sie auch einigermaßen finanzierbar. Um der Hitze zu entgehen, starteten wir am nächsten Morgen bereits um 05:00 Uhr morgens. Mit unserem Fahrer hatten wir wohl die schnellste Möglichkeit gefunden, um an den Aralsee zu kommen. Selbst auf der mit Schlaglöchern übersäten Straße fuhren wir selten unter 120 km/h meistens sogar eher 140-150 Km/h! Nach etwa einer Stunde hatten wir den  „See“ erreicht. Vom See selbst, war an dieser Stelle allerdings nichts zu sehen. In den letzten Jahrzehnten wurde sowohl aus den Zuflüssen, als auch aus dem See selbst, viel zu viel Wasser entnommen.

Schiffswrack im Aralsee
Schiffswrack im Aralsee

Das Wasser wurde und wird vor allem für die Landwirtschaft verwendet. Deshalb ist heute im Gegensatz zu 1960 nur noch  etwa 10% des Wasservolumens vorhanden.  Dieses zu Sowjetzeiten unter Josef Stalin geplante Projekt, gehört bis heute zu den größten von Menschenhand verursachten Katastrophen. Oft wird diese Katastrophe sogar mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl gleichgesetzt. Neben dem fehlenden Wasser ist vor allem der stark angestiegene Salzgehalt ein Problem. Durch die Verwendung von starken Pestiziden in der Vergangenheit, ist der salzhaltige Staub zu dem hoch krebserregend. Dies Alles führt bei den Bewohnern dieser Region, zu einer stark erhöhten Krankheitsrate und Kindheitssterblichkeit. Wer diesen Ort heute besucht, bekommt neben einem riesigen Denkmal, vor allem die im Sand vor sich hin rostenden Schiffe zu sehen. Auch wenn man im Sand bis heute Muschelschalen vorfindet, ist die Küstenlinie inzwischen um 30-80 Kilometer zurückgegangen! Nach etwa einer Stunde fuhren wir mit dem Auto zurück zum Hotel

Im Hotel angekommen, folgte erst einmal ein ordentliches Frühstück. Trotz der Hitze entschlossen wir uns weiter zu fahren. Durch eine eher langweilige Gegend ging es an diesem Tag bis Nukus. In dem dortigen Hotel bekommen wir auch die nötige Registrierung. Außerdem konnten wir in dieser Stadt auch endlich die dringend benötigten Dollars abheben. Da es aber keine Geldautomaten gibt, muss man dafür zu einer internationalen Bank. Hier benötigte ich neben meiner VISA Karte auch meinen Reisepass um Geld abheben zu können.

Usbekische Einsamkeit
Usbekische Einsamkeit

Bis ich das Geld endlich in den Händen hielt, wurde der Pass kopiert und ich musste insgesamt sechs (!) Mal unterschreiben. Glücklicherweise gibt es keinen Maximalbetrag, wodurch man direkt das gesamte benötigte Geld abheben kann. Allerdings sollte man darauf achten, dass man nicht mehr Geld aus Usbekistan ausführen darf, als man bei der Einreise deklariert hat! Außerdem sollte man das Geld auf keinen Fall in der Bank tauschen, da hier der Wechselkurs bedeutend schlechter ist, als auf der Straße! Da wir am Morgen noch auf der Bank waren, starteten wir auch hier recht spät. Auch hier war die Strecke recht langweilig. Erst als wir Richtung Mangít kamen, wurde die Gegend ein wenig grüner. In Mangít angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Es ergab sich die Möglichkeit in einem nicht bewohnten Haus des örtlichen Imams zu übernachten. Das Wasser zum Waschen und Duschen, musste mit einem Eimer herangetragen werden, was aber kein größeres Problem war. Da wir auf dem Basar Gemüse kaufen konnten, war es uns endlich auch mal wieder möglich, vernünftig zu kochen! Am folgenden Morgen konnten wir endlich einmal etwas früher starten, um der größten Hitze zu entgehen. Die Gegend war hier dank künstlicher Bewässerung deutlich grüner, als zuvor. Trotzdem waren wir froh endlich in Chiwa anzukommen. Hier gab es massenweise Hotels. Nach etwa einer halben Stunde fanden wir dann auch ein Hotel, das unserem Budget entsprach. In den folgenden Tagen machten wir uns daran, die Stadt anzuschauen.

Chiwa
Chiwa

In der Altstadt gibt es einige recht schöne Gebäude, welche Glücklicherweise nicht ganz so stark restauriert sind, wie in anderen Städten. In den Museen gab es allerdings zu großen Teilen Kleidung und Keramik aus dem 20. Und 21. (!) Jahrhundert zu sehen! Nach zwei Tagen im Hotel wurde es wieder Zeit aufzubrechen. Da Shayl krank war, setzten wir die Fahrt allerdings zu zweit fort. Am ersten Tag fuhren wir nach To´rtko´l. Hier gab es zwar ein Hotel, in dem wir sehr günstig übernachteten, eine Registrierung war aber nicht möglich. Am folgenden Tag ging es zurück in die Wüste. Nach 160 Kilometern stellten wir unsere Zelte in die Wüste und kochten uns noch etwas zu Abend. Da wir für den nächsten Tag eine Registrierung in einem Hotel brauchten, blieb uns nur die Möglichkeit zu trampen. Also stoppten wir nach 30 Kilometer in einem Restaurant und holten das Frühstück nach. Anschließend versuchten wir abwechselnd drei Stunden lang, einen Lkw oder Bus anzuhalten. Da überholende Fahrzeuge oft hupen und winken wenn sie die Fahrräder sehen, kam uns schließlich die Idee, die Fahrräder mit an die Straße zu stellen. Eine hervorragende Idee, wie sich bereits wenig später herausstellen sollte! Bereits eine viertel Stunde später stoppte ein PKW mit Anhänger. Der Fahrer konnte neben russisch auch etwas englisch, was die Kommunikation erheblich vereinfachte. Außerdem wurden unsere Fahrräder auf dem Anhänger ordentlich festgebunden. Bei der Unterhaltung auf der 180 Kilometer langen Fahrt nach Buchara, erzählte er uns, dass zwei Wochen zuvor ein anderer Radfahrer, bei ihm Zuhause übernachtet hatte. Wie sich heraus stellte, war es Dimitri, den Ich bereits in Montenegro und Istanbul getroffen hatte! In Buchara wurden wir sogar direkt vor die Altstadt gefahren. Von hier ging es nun den letzten Kilometer ins Hostel Rumi.

Chiwa
Chiwa

Hier waren mehr Radfahrer als wir erwartet hatten. Zum einen ist das Hostel unter Radfahrern recht bekannt und zum anderen kommen in Buchara die beiden Hauptrouten der Seidenstraße wieder zusammen. Neben den Radfahrern, die über Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan fahren, kommen hier auch die Radfahrer die über den Iran und Turkmenistan fahren wieder zusammen. In den folgenden Tagen, nahm ich mir Zeit um die Stadt ein wenig anzuschauen. Die prächtigen Gebäude schimmern hier in vielen Farben. Leider merkt man recht schnell, dass die Stadt grundlegend renoviert wurde. Durch die Renovierung, kann man einerseits einen Eindruck davon bekommen, wie prächtig diese Städte einst waren, andererseits wirken die Altstädte für mich auch eher künstlich. Auch die Museen waren für mich meist eher uninteressant, da sie wie in Chiwa, größtenteils Dinge aus dem 19. bis 21. Jahrhundert ausstellen. Da Nicks Visum für Tadschikistan erst später begann, machte ich mich von Buchara aus alleine auf den Weg nach Samarkand. In Samarkand ging ich in das unter Radfahrern sehr beliebte  Hotel „Bahodir“. Die Stadt Samarkand wartet wie auch Buchara mit beeindruckenden Gebäuden auf. Doch auch hier fällt schnell auf, dass die prunkvollen bunten Mauern oft nur vor die Ruinen gebaut wurden. Trotzdem geben die renovierten Gebäude recht gut wieder, wie es damals wohl ausgesehen haben muss. Aufgrund der Vorbereitungen für ein großes Festival, durfte bei einem der Gebäude außerdem nicht fotografiert werden.

Buchara
Buchara

Am 02. August ging es dann schließlich wieder zurück auf die Straße. Nach Samarkand wurde die Landschaft bedeutend schöner. Etwa 30 Kilometer südlich von Samarkand,  wartete dann auch schon der erste größere Berg auf die Überquerung. Am Abend war ich dann bereits etwa 20 Kilometer vor Gúzor, wo ich in einem Restaurant übernachtete. Auch in den folgenden 2 Tagen, hatte ich eine schöne Landschaft und mehr als genügend Höhenmeter. Erst am späten Abend des 04. August erreichte ich schließlich ein günstiges Hotel in Boysun, in welchem ich meine letzte Registrierung für Usbekistan bekam. Von hier ging es dann am nächsten Morgen die letzten 30 Kilometer zur Grenze von Tadschikistan. Da das Geld von  Usbekistan außerhalb keinen Menschen interessiert, kam es mir mehr als gelegen, dass mir zwei Radfahrer entgegen kamen, mit denen ich mein restliches Geld tauschen konnte.

Samarkand
Samarkand

An der Grenze angekommen, hatte ich nun noch ein letztes Mal mit usbekischer  Bürokratie zu kämpfen. Da aus Usbekistan nicht mehr Geld (vor allem US-Dollar) ausgeführt werden darf, als man zuvor eingeführt und deklariert hat, musste ich diese verstecken. Hierzu habe ich sie einfach irgendwo im Fahrrad eingebaut, was glücklicherweise keinen interessiert hat. Auch meine dank russischer Einreisedokumente nicht deklarierten Wertgegenstände interessierten niemanden. Zur Sicherheit hatte ich aber immerhin die Rechnungen im PDF-Format dabei. Besondere Beachtung wurde dagegen meinem Netbook, meiner externen Festplatte und auch meinen Medikamenten geschenkt. Bei digitalen Datenträgern, wird hier nach „Pornografischen Inhalten“ oder sonst irgendwie verbotenen Bildern gesucht. Nachdem sie jeweils  250-300 GB zumindest überflogen hatten, wurde nach dem Smartphone oder Kamera gar nicht mehr gefragt. Auch meine Taschen blieben unberührt. Nach einer im Verhältnis zu anderen Reisenden kurzen Zeit von einer Stunde konnte ich das Land schließlich verlassen!

 

 

Insgesamt fiel es mir selten so schwer ein Fazit zu ziehen, wie in Usbekistan. Einerseits, hat man überall sehr freundliche und hilfsbereite Menschen. Und auch die Gebäude wirken auf den ersten Blick sehr beeindruckend. Allerdings hat man auch mit viel unnötiger Bürokratie zu kämpfen. Auch die Gebäude, die beim ersten Blick noch so interessant und beeindruckend wirken, stellen sich schnell als sehr stark renoviert heraus!  

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