Auf dem Dach der Welt durch Tadschikistan

Nach der umständlichen Ausreise aus Usbekistan, konnte ich am 05. August in Tadschikistan einreisen. Glücklicherweise ging die Einreise hier allerdings deutlich schneller von statten. Nach einer weiteren halben Stunde konnte ich nun also endlich durch Tadschikistan fahren. Das heutige Ziel lag in Duschanbe der Hauptstadt von Tadschikistan. Die 60 Kilometer waren auf der gut asphaltierten Straße  relativ schnell hinter mich gebracht. In Duschanbe hatte ich mir das „Greenhouse Hostel“ ausgesucht, da hier so ziemlich alle Radfahrer wieder zusammen kommen. Direkt am nächsten Morgen machte ich mich daran, eine Genehmigung für den Pamirhighway und das Wakhanvalley an der afghanischen Grenze zu beantragen. Als ich das Büro nach einiger Fragerei schließlich gefunden hatte, hörte ich nur noch, dass sie jetzt Pause haben und ich am Mittag wieder kommen solle.

Campen östlich von Dushanbe
Campen östlich von Dushanbe

Also ging es am Mittag wieder zurück. Der Warteraum war überfüllt aber immerhin klimatisiert. Der zuständige Mitarbeiter verschwand dennoch aus seinem Büro um erst eine halbe Stunde später wieder aufzutauchen. Sofort versuchte jeder, dass sein Anliegen bearbeitet wird. Allerdings befand ich mich hier in den „Stans“ und es dauerte alles so seine Zeit. Als ich endlich an der Reihe war, wurde eine Kopie von meinem Pass und meinem Visum gemacht. Außerdem bekam ich die Adresse einer Bank, wo ich das Geld (etwa 5€) einzahlen sollte. Die Bank hatte allerdings bereits geschlossen, weshalb dies erst am nächsten Tag möglich war. Glücklicherweise lag der Basar auf dem Weg zum Büro, weshalb ich mir zumindest diesen Weg sparen konnte. Am nächsten Morgen ging es also wieder einmal in diesen Stadtteil. Immerhin war die Bank nicht so weit von dem Büro entfernt. Außerdem wusste man in der Bank bei dem Wort „Permit“ bereits Bescheid. Nach 10 Minuten hatte ich die Bank wieder verlassen und machte mich auf den Weg zurück zum Büro. Hier war wieder einmal 45 Minuten warten angesagt. Nach weiteren 5 Minuten hatte ich dann auch endlich meine Genehmigung im Pass! 

Für den nächsten Morgen hatte ich bereits den Start vorgesehen. Neben mir starten noch drei andere Radfahrer an diesem Tag in die gleiche Richtung. Da einer bereits sehr früh starten wollte und der Andere noch sein Permit abholen musste, startete ich zusammen mit Nick aus Holland. Als erstes steuerten wir einen Supermarkt an, um uns mit Vorräten einzudecken. Anschließend wollten wir noch in einem anderen Geschäft vorbei schauen, da ich mir eine lokale SIM-Karte kaufen wollte. Allerdings verloren wir uns im chaotischen Verkehr von Duschanbe recht schnell aus den Augen. Nach einigem Warten, beschloss ich also zum Geschäft zu fahren und mir die Karte zu kaufen.

Grünes Tadschikistan
Grünes Tadschikistan

Da wir uns auch hier nicht fanden, fuhr ich eben alleine los. Nach 30 Kilometern sah ich ihn, mit Miguele aus Italien, während einer Pause.  Nach der gemeinsamen Pause, ging es dann zurück auf die Straße. Am Abend wollte Miguele das Zelt aufschlagen. Allerdings fehlte es mir an Wasser, was ich im nächsten Dorf bekommen wollte. Während wir uns unterhielten, hatte uns auch Coco aus Frankreich eingeholt. Ich beschloss mit Coco weiter zu fahren, während Miguele wartete, ob wir im nächsten Dorf etwas finden. Zusammen mit Nick und Coco erreichte ich nun das nächste Dorf, wo wir endlich auch wieder Wasser fanden. Also schrieb ich Michelle eine Nachricht, dass wir hier Wasser und einen Platz zum Campen gefunden hatten. Gemeinsam schlugen wir schließlich unsere Zelte auf und kochten uns noch etwa zu Abend. Da wir noch recht lange zusammen saßen, starteten wir am nächsten Morgen entsprechend spät. Die Landschaft war hier in eine große Staubwolke gehüllt. Über deren Ursprung konnten wir anfangs allerdings nur spekulieren. Erst am Nachmittag wurde der Grund für diese Staubwolke ersichtlich im Tal lagen riesige Minen.In Kombination mit dem trockenen Wetter und dem vielen Wind, lag damit das ganze Tal in einer Staubwolke. Den Mittag verbrachten wir damit, uns etwas zu essen zu kochen. Anschließend ging es zurück auf die Straße, welche jetzt mit jedem Kilometer schöner wurde! Am Abend stoppten wir schließlich an einem Hotel/ Restaurant. Da wir auch hier nicht mehr als ein Plumpsklo hatten, beschlossen wir dann aber doch zu campen. In der Abenddämmerung erreichten wir schließlich einen Platz, der sich hervorragend zum Campen eignete. Da wir am nächsten Morgen etwas früher starten wollten, ging es an diesem Tag, etwas früher schlafen. Da Miguele und Ich bereits deutlich früher gepackt hatten, beschlossen wir etwas früher zu starten. Die Anderen fuhren ohnehin schneller als wir, weshalb es Sinn machte die Gruppe in zwei Teams aufzuteilen. Nach wenigen Kilometern fanden wir schließlich einen kleinen Bach. Hier konnten wir Wasser zum Trinken filtern und uns auch wieder einmal waschen. Der Platz war allerdings weit einsehbar, weshalb ich in einem muslimischen Land lieber beschloss mit Kleidung ins Wasser zu gehen. Damit war diese auch wenigstens wieder etwas sauberer. Am frühen Nachmittag wurden wir von den anderen Beiden überholt. Etwas später passierten wir einen weiteren Checkpoint der Polizei, bei dem wieder einmal unsere Daten aufgeschrieben wurden.

Endlich auf dem Pass
Endlich auf dem Pass

In der Abenddämmerung erreichten wir schließlich den Boden des ersten Bergpasses. Hier fanden wir außerdem eine Möglichkeit unser Zelt direkt am Fluss aufzuschlagen, wodurch wir auf jeden Fall genügend Wasser hatten. Auch heute ging es direkt nach dem Essen schlafen. Um den Bergpass zumindest im kühlen zu beginnen, starteten wir am nächsten Morgen bereits recht früh. Vor uns lag ein Pass mit 3252 Metern Höhe, den wir an diesem Tag überqueren wollten. Doch schon nach einer Stunde brach bei Miguele eine Schraube am Lowrider (vorderer Gepäckträger). Glücklicherweise hatte ich Ersatz. Allerdings sahen wir, dass noch eine weitere schraube gebrochen war. Da wir keinen Ersatz hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als die abgebrochene Schraube in die Bohrung zu Stecken und mit Klebeband und Kabelbinder zu fixieren. Die Kräfte wurden so von der Schraube aufgenommen, die wiederum durch das Klebeband und den Kabelbinder am Herausfallen gehindert wurde. Nach 30 Minuten konnten wir unsere Fahrt wieder fortsetzen. Da ich mit meinem Gepäck eher zur Spediteursfraktion gehöre, ging der Aufstieg entsprechend langsam. Am Mittag wurden wir von den anderen Beiden überholt, die zu unserer Überraschung bislang hinter uns gefahren waren. Aufgrund einiger weiterer Pausen erreichten wir den Bergpass erst am späten Nachmittag. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto und einer kurzen Pause, wurden Helm und Handschuhe hervorgekramt und wir konnten die Abfahrt unter die Reifen nehmen. Die Landschaft überbot sich hier wieder einmal selbst. Allerdings war auch volle Konzentration nötig um auf dieser Straße nicht zu stürzen. Schlaglöcher und Wasserrinnen sorgten für Fahrspaß, sorgten aber gleichzeitig dafür, dass man sich voll konzentrieren musste.

Atemberaubende Abfahrt
Atemberaubende Abfahrt

Trotz allem fuhren wir recht zügig dem Thal entgegen, welches wir noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollten. Allerdings kam uns die Nacht zuvor, wodurch wir gezwungen waren, einen Platz zum Campen zu suchen. Allerdings gab es auf dieser Strecke nur sehr wenige ebene Flächen, die sich dafür angeboten hätten. Schließlich stoppten wir in einer der Spitzkehren. Als wir die kleine Fläche betraten, sahen wir allerdings, dass sich weiter unten noch ein besser vor Blicken geschützter Platz anbot. Zu unserer Überraschung waren hier bereits Nick und Coco welche den Platz etwa 10 Minuten vor uns erreicht hatten. Außerdem übernachtete hier noch ein Paar aus Russland, welches mit den Motorrädern unterwegs war. Nach dem gemeinsamen Essen ging es zügig schlafen, um am nächsten Morgen wieder fit zu sein. Im Thal angekommen passierten wir wieder einmal einen Checkpoint, bevor wir in die Stadt Kalaikhum fahren konnten. In Kalaikhum fanden wir zu unserer Überraschung einen westlichen Supermarkt vor, der sich direkt an der Durchfahrt befand. Hier deckten wir uns noch einmal mit Fertiggerichten für den Pamirhighway ein. Da Coco noch etwas am Rad reparieren musste, fuhren Miguele und Ich wieder vor. Da Miguele allerdings nach wie vor krank war, wurden wir recht bald von den anderen Beiden überholt. Am Abend fragten wir in einem Dorf nach Wasser und der Möglichkeit, unsere Zelte auf einem der am Haus liegenden Wiesen aufzustellen. Da es Miguele am nächsten Morgen noch immer nicht besser ging, beschloss er bis Khorog zu trampen. Ich selbst fuhr mit dem Rad weiter und versuchte die anderen Beiden einzuholen, was mir wenig später auch gelang! Am späten Nachmittag kam uns ein Schweizer mit dem Fahrrad entgegen, weshalb wir beschlossen direkt nach einem Platz zum Campen zu schauen. In der Nacht meldete sich allerdings mein Magen zurück, weshalb ich das Zelt mehrmals verlassen musste. Da ich mich auch am nächsten Morgen nicht besser fühlte, beschloss ich die letzten 150 Kilometer bis Khorog zu trampen. Dies war allerdings einfacher gesagt als getan, da die meisten Autos bereits voll waren. Also setzte ich mich langsam mit dem Rad in Bewegung. Nach etwa 15 Kilometern, stoppte dann ein Auto welches genügend Platz für mich und mein Rad hatte. Es war ein deutsches Ehepaar mit einem Landrover Defender. Hier konnte Das Fahrrad einfach aufs Dach gepackt werden, während ich mich auf eine Isomatte zwischen das Gepäck legte. In Khorog hatte ich nun nur noch 2 Kilometer bis zur „Pamirlodge“, ein Hostel in dem sich wieder alle Fahrradfahrer treffen. Nach 2 Tagen im Hostel, machte ich mich am dritten Tag daran, die Registrierung für mein 45 Tage Visum  vorzunehmen. Diese muss innerhalb der ersten 30 Tage im Land erfolgen. Da ich gehört habe, dass man von den Beamten immer gerne einfach in die nächste Stadt geschickt wird, wandte ich einen Trick an. Ich ging zuerst zur Bank und bezahlte umgerechnet etwa 20€. Mit dem Beleg der Bank, ging es dann in das zuständige Büro. Hier wurde mir wie erwartet erzählt, dass ich ja noch 17 Tage Zeit hätte und mich in Murghab um die Registrierung kümmern soll. Ich wies darauf hin, dass es mit dem Fahrrad seine Zeit dauert, da hin zu kommen. Dies interessierte die Beamten aber recht wenig. Allerdings war eine Rückzahlung der 20€ nicht möglich, weshalb ich das benötigte Papier dann doch noch bekam. Bereits am Abend konnte ich das Papier abholen. Warum man für die Beantragung  allerdings eine Kopie vom Ausweis, eine Kopie des Visums, eine Kopie der Migrationskarte und ein Passfoto braucht, bleibt ein Rätsel. Am folgenden Tag machte ich mich daran, nach einem westlichen Supermarkt zu suchen. Da die Stadt bedeutend größer als Kalaikhum ist, dachte ich diesen hier zu finden. Allerdings gibt es in dieser Stadt nur den Basar und viele kleine Geschäfte. Mit einiger Suche, ließen sich die benötigten Dinge schließlich aber doch noch finden! In Khorog wollte ich mich außerdem um ein Permit für den Zorkul Nationalpark kümmern. Für umgerechnet etwa 12 Euro bekam ich das Permit für zwei Tage an der Touristeninformation ausgestellt. Erst am nächsten Tag hörte ich, dass  sich dieses Permit in einem anderen Büro bedeutend günstiger bekommen ließe. Nach Insgesamt 7 Nächten setzte ich mein Rad wieder in Bewegung. Die Straße Richtung Ishkashim war relativ angenehm zu fahren. Zwar führte sie stetig bergauf, dafür war der Straßenzustand aber meistens verhältnismäßig gut. 34 Kilometer nördlich von Ishkashim fand ich dann schließlich einen geeigneten Platz um mein Zelt aufzubauen. Von hier ging es dann am nächsten Morgen zügig weiter nach Ishkashim. Samstags kann man hier normalerweise einen afghanischen Basar besuchen. Allerdings war ich dafür 2 Tage zu spät. Außerdem war der Basar aufgrund der unsicheren Lage ohnehin schon seit 4 Wochen geschlossen. Also rollte ich weiter durch das Wakhanvalley Richtung Osten. Dank Rückenwind, schaffte ich trotz hügeligem Terrain über 100 Kilometer. Hiervon waren die letzten 60 Kilometer allerdings in einem bedeutend schlechteren Zustand. Neben vielen Schlaglöchern, gab es auch einige sehr sandige Abschnitte. Sehr selten hatte ich auch mit „Wellblechpiste“ zu kämpfen. Aufgrund des starken Windes wollte ich mein Zelt am Abend etwas geschützt aufbauen. Als ich an einem Garten fragte, wurde mir direkt ein noch besser geschützter Platz im Garten gezeigt. Neben dem Windschutz, fand ich direkt neben dem Zelt eine Quelle mit Trinkwasser. Am folgenden Tag erreichte ich bereits nach 2 Kilometern die Abzweigung zu einer Festungsruine und einer heißen Quelle. Allerdings war es mir noch deutlich zu früh, um in ein Hotel zu gehen. Daher setzte ich meine Fahrt nach Langar fort, wo auf der Karte ebenfalls heißen Quellen eingezeichnet waren. Heiße Quellen fand ich dort allerdings keine. Dafür gab es ein günstiges „Hotel“ Dieses hatte zwar weder warmes Wasser noch eine richtige Toilette, dafür gab es aber ein gutes Essen.

Wandern bei Langar
Wandern bei Langar

Dieses war mir mehr als willkommen, da man in dieser Region kaum etwas kaufen kann. Am Abend kamen zu meiner Überraschung noch Sarah und Emanuel die ich bereits in Dushanbe und Khorog getroffen hatte. Wir beschlossen am nächsten Tag in die Berge zu gehen. Endlich machte es Sinn, dass ich meinen Rucksack und meine Wanderstiefel mit im Gepäck hatte. Am ersten Tag wollten wir das Basislager erreichen. Der erste Abschnitt war allerdings alles andere als einfach zu finden. Nach einigen Serpentinen, ging es sehr Steil über steiniges Terrain nach oben. Als wir einen kleinen Weg erreichten, beschlossen wir diesem zu folgen. Die falsche Entscheidung wie wir schon bald merkten. An einer Schlucht endete der Weg im nichts. Also ging es abermals annähernd senkrecht nach Oben. Nach einer Stunde klettern hatten wir den Kanal erreicht, von dem man uns erzählt hatte. Diesem Kanal konnten wir nun recht einfach in die Berge folgen. Als wir den Anfang des Kanals erreichten, wurde das Terrain abermals etwas schwieriger aber gut machbar. Da es bereits recht spät war, beschlossen Sarah und Emanuel nach einer Weile ihr Zelt aufzubauen. Da ich nach dem Basislager allerdings noch weiter wollte, beschloss ich alleine weiter zu gehen. Lange alleine war ich allerdings nicht. Bereits nach weniger als einer halben Stunde erreichte ich das Basislager. Hier hatte eine geführte Reisegruppe mit einigen Deutschen Teilnehmern bereits ihr Lager aufgeschlagen. Vom recht gut englisch sprechenden Guide, wurde ich direkt auf einen Tee und Abendessen eingeladen. Dieses kam mir mehr als gelegen, da ich inzwischen die Idee hatte zwei Nächte in den Bergen zu bleiben. Da ich noch nie auf höheren Bergen war, war ich überrascht die Höhe von 3900 Metern so gut zu vertragen. Nach einer recht kühlen Nacht, ging es dann am nächsten Morgen recht früh weiter. Bei einer kurzen Frühstückspause sah ich, dass Sarah und Emanuel ebenfalls auf dem Weg waren. Ich beschloss auf Sie  zu warten. Gemeinsam folgten wir nun dem Tal Richtung Gletscher. Bei einem der Geröllfelder beschlossen die beiden allerdings zurück zum Hotel zu gehen. Vielleicht die richtige Entscheidung? Naja egal ich wollte den Gletscher erreichen! Also überquerte ich ein Geröllfeld nach dem Anderen. Doch auch nach mehreren Stunden, war kein Ende in Sicht. Laut Karte hatte ich den Rand des Gletschers allerdings fast erreicht. Da mir das Gelände nun aber endgültig zu gefährlich wurde und auch das Wetter zunehmend  unbeständiger wurde, beschloss ich bei knapp 4400 Metern umzudrehen. Keine leichte Entscheidung, aber die Richtige! Die Berge „Engels“ und „Karl Marx“ verschwanden zunehmend hinter den Wolken. Außerdem setzte leichter Schneefall ein, welcher aber glücklicherweise nach kurzer Zeit wieder aufhörte! Der Abstieg gestaltete sich noch schwieriger als der Aufstieg. Beim Abstieg konnte ich einfach sehen, dass sich das Geröllfeld auf einem schmelzenden Eisblock des Gletschers befand. Außerdem waren die darauf liegenden Felsen nicht alle fest, was den Abstieg zusätzlich erschwerte. Auf dem Weg ins Tal klemmte ich mir noch zweimal ein Bein zwischen sich bewegenden Felsen ein. Glücklicherweise konnte ich mich beide Male selbst befreien! Nach drei weiteren Stunden, war ich schließlich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Recht zügig lief ich nun Richtung Basislager, welches nun leer war. Da es mir zu früh war, um das Zelt aufzubauen, begann ich mit dem Abstieg. Nach einer weiteren halben Stunde stellte ich dann schließlich mein Zelt auf. Nach dem Frühstück ging es von hier dann zurück nach Langar. Aber auch auf dem Rückweg, fand ich keinen leichteren Weg zum Kanal. Dass eine geführte Tour ebenfalls direkt über das Geröll nach oben kletterte, zeigte mir, dass dies wohl der einfachste Weg war. Schlussendlich kam ich etwa einen halben Kilometer westlich des „Hotels“ in Langar an. Zwischen den einfachen Lehmhütten und Wasserkanälen suchte ich mir nun meinen Weg zurück zum „Hotel“. Nachdem ich einige Male nach dem Weg gefragt hatte, war ich um 10:30 Uhr zurück am „Hotel“. Hier nutzte ich den restlichen Tag, um mich etwas zu entspannen. Am folgenden Tag startete ich erst spät, da ich morgens noch einige Dinge einkaufen musste. Direkt nach Langar ging es einige Serpentinen steil nach oben. Aufgrund des starken Anstiegs sowie der sandigen Straße, kam ich an diesem Tag nur langsam voran. Als ich am Nachmittag einen anderen Radfahrer traf, der gerade sein Zelt aufbaute, beschloss ich hier ebenfalls zu campen. Da die Straße auch am nächsten Tag nicht besser wurde, beschloss ich, doch nicht in den Zorkul Nationalpark zu fahren.

Auf dem Pamirhighway
Auf dem Pamirhighway

Anstelle dessen nahm ich den Pass zurück zur M41. Wenige Meter vor der Abzweigung passiere ich noch einen weiteren Checkpoint. Die Straßenverhältnisse waren hier wider aller Erwartungen verhältnismäßig gut. Trotzdem war es bereits Nacht, als ich die Höhe von 4344 Meter erreiche. Da es hier oben definitiv zu windig war, beschloss ich den ersten Teil der Abfahrt zu fahren. Mit Stirnlampe und Scheinwerferlicht, rolle ich nun den Pass nach unten. Da sich die sandigen Stellen trotz guter Ausleuchtung nur schlecht erkennen ließen, wurde es höchste Zeit das Zelt aufzustellen. Da ich im Tal vergessen hatte Wasser aufzufüllen, beschränkte sich das Abendessen nun auf einen Rest Wurst und einige gezuckerte Erdnüsse. Als ich am nächsten Morgen aufstand, musste ich feststellen, dass das Wasser im Vorzelt eingefroren war. Außerdem hatte ich aufgrund der Höhe von 4150 Metern etwas Kopfweh. Aufgrund des wenigen Wassers, konnte ich mir natürlich auch morgens nichts kochen, weshalb das Frühstück aus einer Dose Fisch bestand.  Aufgrund der sandigen Piste, stellte sich die Abfahrt als sehr langwierig heraus. Erst nach 2 Stunden erreichte ich die geteerte M41. Da ich gerade genug von sandigen und Wellblechpisten hatte, fuhr ich nun auf direktem Weg nach Alichur. Da ich hier kein Hotel fand, das mir wirklich zusagte, verzichtete ich auf eine Übernachtung und damit auch auf die westlich gelegenen heißen Quellen. Anstelle dessen machte ich an einem kleinen Geschäft Pause. Da ich angenehmen Rückenwind hatte, fuhr ich an diesem Nachmittag noch weitere 30 Kilometer ehe ich auf einer Höhe von 3900 Metern mein Zelt aufbaute. Am folgenden Morgen kochte ich mir mangels Alternativen erst einmal Spagetti mit Tomatensoße. Bereits nach wenigen Kilometern hatte ich die Passhöhe von 4137 Metern erreicht. Von hier ging es nun mit Rückenwind bis Murghab. Abgesehen von wenigen kleinen Steigungen hatte ich hier kaum etwas zu tun, aber auch das tut mal gut! Nachdem ich einen weiteren Chekpoint passiert hatte, erreichte ich Murghab. Murghab ist meiner Meinung nach eine wunderschöne Stadt, um Sie so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Neben einigen billigen Herbergen gab es hier sogar ein etwas größeres Hotel. Sonst besteht die Stadt aus vielen mit Wellblech überdachten Lehmhütten, einem aus Schiffscontainern bestehenden Basar und einigen Banken ohne funktionierende Geldautomaten. Hier traf ich zu meiner Überraschung Patrik aus der Schweiz, den ich bereits in Duschanbe und Khorog getroffen hatte. Er fährt derzeit mit dem Fahrrad von der Schweiz nach Singapur, seinen Blog findet ihr hier. Er hatte bereits im einzig größeren Hotel eingecheckt, welches mir mit 25$ allerdings deutlich zu teuer war. Später erfuhr ich allerdings, dass es auch ein Mehrbettzimmer für 10$ sowie ein Doppelzimmer für 30$ gibt. Ich traf Robin, einen 62 Jährigen Motorradfahrer, der ebenfalls ein günstiges Zimmer suchte. Also beschlossen wir ein Doppelzimmer zu Teilen. Im Hotel gab es allerdings weder durchgängig Strom noch W-LAN, weshalb der Blog noch einmal warten musste. Auch die Dusche war nur hin und wieder warm, aber immerhin……! Der nächste Radeltag begann für uns erst recht spät, da wir noch lange beim Frühstück saßen. Zusammen mit Patrik startete ich dann gegen 10:00 Uhr Richtung Norden. Nach etwa 30 Kilometern trafen wir Katharina und Holger aus Deutschland. Zu viert fuhren wir noch etwa 18 Kilometer, ehe wir nahe der Chinesischen Grenze unsere Zelte aufschlugen. Bereits eine halbe Stunde nach dem Abendessen ging um 19:00 Uhr dann auch schon die Sonne unter. Da es nun auch recht schnell kalt wurde, verkrochen wir uns so schnell wie möglich in unsere Zelte. Am nächsten Tag wollten wir weiter Richtung Karakul fahren. Um dorthin zu gelangen, musste allerdings der Ak-Baital Pass überquert werden. Mit 4655 Metern ist dies der höchste Pass, den ich bisher überquert hatte. Ab 4200 Metern begannen bei mir allerdings wieder die Kopfschmerzen. Trotzdem erreichte ich am frühen Nachmittag die Passhöhe. Dort bekam ich neben dem Kopfweh, zusätzlich noch Nasenbluten. Also höchste Zeit, die Passhöhe wieder zu verlassen und Richtung Tal zu fahren. Offenbar war allerdings auch die Person, die das „Gipfelschild“ aufgestellt hatte höhenkrank, da sich dieses bereits 3 Kilometer unterhalb der Passhöhe befand. Trotz Wellblechpiste kamen wir überraschend gut voran.

Oberhalb des Karakulsees
Oberhalb des Karakulsees

Doch gegen Mittag drehte der Wind, wodurch es fast unmöglich war, weiter vorwärts zu kommen. Wir kontrollierten unsere Wasservorräte und schlugen neben der Straße unsere Zelte auf. Da ich mein großes Zelt bereits von der Türkei heimgeschickt hatte, musste ich nun mein Sommerzelt sturmfest bekommen. Mithilfe einiger größerer Steine baute ich mir also eine kleine Schutzwand, um das Zelt vor dem Gröbsten zu schützen. Im Gegenwind starteten wir am nächsten Morgen nach Karakul. Bereits nach 5 Kilometern kamen wir in ein anderes Tal. Hier hatten wir zu unserer Überraschung Rückenwind und kamen daher zügig voran. Gebremst wurden wir nur von der herrlichen Landschaft, die uns immer wieder dazu bewegte anzuhalten und Fotos zu machen. Bereits um 11:00 Uhr erreichten wir nach 26 Kilometern die Stadt. Wir entschieden uns, direkt in das erste „Hotel“ zu gehen. Keine sonderlich gute Entscheidung, wie sich im Laufe unseres Aufenthaltes herausstellte. Mit 19 $ war die Übernachtung auch mit Vollpension verhältnismäßig teuer. Noch enttäuschter waren wir, als wir die Mahlzeiten serviert bekamen. Die Menge war für Radfahrer alles andere als ausreichend. Glücklicherweise blieb bei den Touristen die mit dem Geländewagen angereist waren genügend übrig. So mussten wir nur schnell genug die dortigen Tische plündern, ehe die Bedienung das übrig gebliebene Essen mitnehmen konnte. Außerdem aßen wir hier Unmengen Brot mit Butter und Zucker, das Einzige was in sättigender Menge vorhanden war. Die Dusche war zwar nur mit einer Schöpfkelle, aber immerhin heiß! Nach dem eher kargen Frühstück, setzten wir unsere Fahrt in Richtung Kirgistan fort. Bei der Abfahrt des ersten Passes, gerieten wir in einen Sandsturm, der uns zu großen Teilen die Sicht verdeckte. Vollständig vermummt rollten wir nun also trotz Gegenwind dem Talboden entgegen. Auf der anderen Talseite, war bereits deutlich weniger Sand in der Luft, wodurch wir zumindest wieder frei atmen und sehen konnten. Trotzdem hatten wir nach wie vor mit dem Gegenwind zu kämpfen. Aufgrund dessen, baute ich zusammen mit Patrik in einer Senke mein Zelt auf, während Katharina und Holger weiter Richtung Kirgistan fuhren. Da wir in der Senke einigermaßen Windgeschützt waren, konnte ich sogar mit meinem Zelt auf die Steinmauer verzichten. Da die Temperaturen nach Sonnenuntergang schnell unter 0 Grad vielen, ging es auch an diesem Tag recht früh in den Schlafsack. Auch am nächsten Morgen hatten wir mit Gegenwind zu kämpfen. Trotzdem erreichten wir bereits am Vormittag die Tadschikische Grenze. Ohne Grenzkontrolle wurden die Pässe gestempelt und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Nach weiteren 800 Metern hatten wir die Passhöhe dann schließlich erreicht. Zügig rollten wir nun, auf der recht schlechten Straße, der Kirgisischen Grenze entgegen. Allerdings waren wir recht verwundert, da diese etwa 20 Kilometer von der Tadschikischen Grenze entfernt liegt. Doch auch das Niemandsland ist abgesehen von der Straßenqualität wunderschön. 

 

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