Baku und die Überfahrt nach Aktau in Kasachstan

Erst am folgenden Tag konnte ich endlich zur Botschaft von Usbekistan, um mein Visum zu beantragen. Glücklicherweise fand ich im Internet eine Karte auf der die Botschaft eingezeichnet war. Auf dem Weg zur Botschaft ließ ich mir in einer Videothek noch schnell meinen Ausweis kopieren und die Buchungsbestätigungen für Hotels in Usbekistan ausdrucken. Die Ernüchterung folgte erst, als ich im Stadtteil nach der Botschaft fragte. Jetzt stellte sich heraus, dass die Karte falsch war und die Botschaft am anderen Ende der Stadt lag. Leider wäre es jetzt auch mit der Metro zu spät gewesen um die Botschaft zu erreichen. Also ging ich zurück zum Hostel. Nach einer kurzen Pause machte ich mich direkt wieder auf, um zur Botschaft zu gehen. Dieses Mal suchte ich die Botschaft mithilfe der GPS Koordinaten, welche ich auf caravanistan.com gefunden hatte.

Stadtmauer von Baku
Stadtmauer von Baku

Das Beantragen selbst ging relativ  schnell und auch Englisch wurde problemlos verstanden. Nun hieß es allerdings noch 8-10 Arbeitstage auf die Ausstellung des Visums zu warten. Als ich am Abend zurück ins Hostel kam, traf ich zu meiner Überraschung Shayl aus England, den ich bereits in Tiflis getroffen hatte. Shayl ist ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs und versucht derzeit auf demselben Weg nach China zu gelangen wie Ich. Am Montag wollten wir uns dann endlich mal beim Migrationsservice registrieren. Da Shayl auf der Botschaft noch einen anderen Engländer getroffen hatte, machten wir uns dieses Mal zu dritt auf die Suche. Auch dieses Mal wurden wir zunächst in den falschen Stadtteil geschickt. Glücklicherweise konnten wir mit der Metro schließlich doch noch in den richtigen Stadtteil fahren. Nachdem wir den Migrationsservice endlich gefunden hatten, wollten diese auch noch 9 Manat (etwa 8 Euro) Bearbeitungsgebühr. Wir beharrten darauf, dass der Service laut der offiziellen Internetseite kostenlos ist und wir die Dokumente auch gerne selber ausfüllen könnten. Der Plan ging auf und etwas eine halbe Stunde später konnten wir das Gebäude wieder verlassen. Da es bereits Mittag war, beschlossen wir zunächst etwas zu essen, ehe wir mit der Metro zurück zum Hostel fuhren. 

Im Hostel redeten wir über den weiteren Routenverlauf. Sein Plan war es nicht auf dem direkten Weg nach China zu fahren, sondern einen Umweg über den Pamirhighway in Tadschikistan zu fahren. Den Pamirhighway hatte ich bereits selbst ins Auge gefasst. Allerdings hatte ich diesen Plan wieder verworfen, da der Grenzübergang nach China mit dem Fahrrad recht kompliziert ist. Der jetzige Plan sieht vor, über den Pamirhighway nach Kirgistan und von dort über Kasachstan nach China zu fahren. Am Montag galt es demnach zu schauen, was die Tadschikische Botschaft von diesem Plan hält. Um rechtzeitig an der Botschaft zu sein, fuhr ich diese Strecke mit dem Taxi. Mit 7 Manat (etwa 6 Euro), war dieses relativ teuer. An der Botschaft angekommen, kam zunächst der übliche Sicherheitscheck. Ohne größere Wartezeit, konnte ich nun meinen Antrag für das Visum stellen. Als er meinen Pass angeschaut hatte, wurde ich direkt gefragt, ob ich mit dem Fahrrad unterwegs sei. Ich antwortete ehrlich mit einem Ja. Da er bereits vermutete, dass ich über den Pamirhighway fahren würde, erklärte er mir, dass ich dafür eine extra Erlaubnis bräuchte, welche ich aber problemlos in Duschanbe bekommen könnte. Neben dem Hinweis an der afghanischen Grenze  aufzupassen, wurden mir auf einer Karte noch einige besonders schöne Plätze an der Route gezeigt. Für die Beantragung selbst, musste ich neben dem typischen Antragsformular auch noch einen handgeschrieben Brief schreiben. Glücklicherweise beschränkte sich Dieser auf wenige Zeilen!

Flame Towers in Baku
Flame Towers in Baku

Zum Abschied gab es die Karte sowie einen Umschlag mit Postkarten aus Tadschikistan geschenkt. Zurück fuhr ich dieses Mal mit dem Bus welcher mit 0,20 Manat, sehr günstig ist. Im Hostel angekommen hieß es nun auf die Visa zu warten. Die folgende Woche verbrachte ich größtenteils im Hostel. Wenn sich die passenden Leute zusammen fanden, wurde die Wartezeit mit Bier oder Vodka verkürzt. Da ich am Freitag immer noch keine E-Mail der usbekischen Botschaft erhalten hatte, dass ich zur Bank könnte um zu bezahlen, blieb ich auch über das Wochenende in Baku. Am Montag hatte ich immer noch keine E-Mail erhalten. Trotzdem ging  ich zusammen mit Shayl zur usbekischen Botschaft. Nach kurzer Wartezeit erfuhren wir, dass unser Visum fertig sei, und wir das Geld bei einer Bank in der Stadt einzahlen könnten. Also ging es mit dem Bus zurück in die Stadt. Hier folgten 15 Minuten zügiges laufen um zur Bank zu gelangen. Nach dem Bezahlen ging es auf dem gleichen Weg wieder zurück zur Botschaft, welche wir gerade noch rechtzeitig erreichten. Zumindest wenn man die Öffnungszeiten beachtet, tatsächlich warteten wir noch fast 2 Stunden, bis wir endlich an der Reihe waren. Wir wurden freundlich empfangen und sogar das Ändern des Datums war möglich. Allerdings wurde hier leider falsch übersetzt. Als wir unsere Visa erhielten sahen wir, dass man anstelle von „thirteen“ wohl „Thirty“ verstanden hatte. Der 30.07 war uns allerdings deutlich zu spät, weshalb das Visum auf den 13.07 geändert werden musste. Nach einem kurzen Telefonat nach Usbekistan, wurden unsere Visa ungültig gestempelt und wir erhielten auf einer neuen Seite die richtigen Visa. Da Shayl sein tadschikisches Visum bereits am Freitag abgeholt hatte, ging es für ihn direkt zurück zum Hostel. Ich selbst wollte versuchen, mein Visum für Tadschikistan abzuholen. Da die Botschaft nur etwa 2 Kilometer entfernt lag, beschloss ich die Strecke zu laufen. Obwohl die Botschaft montags eigentlich geschlossen hat, konnte ich mein Visum abholen. Mit beiden Visa im Pass ging es nun also mit dem Bus zurück zum Hostel.

Auch das Rad braucht seine Pflege
Auch das Rad braucht seine Pflege

Dort angekommen erfuhr ich, dass Shayl bereits eine Fähre erreicht hatte. Außerdem sah ich, dass ich aus der tadschikischen Botschaft eine E-Mail erhalten hatte, dass mein Visum bereits seit Freitag fertig sei und ich das Visum heute abholen könne. Aber das hatte ich ja gerade erledigt. Glücklicherweise hat die Eigentümerin des Caspien Hostel gute Kontakte zum Hafen, wodurch ich direkt von der nächsten Fähre erfahren würde. Bereits am nächsten Tag war es soweit. Also ging es mit dem Taxi zum alten Hafen, um mein Ticket zu kaufen. Am Ticketschalter wurde nur Aserbaidschanisch oder Russisch verstanden. Glücklicherweise traf ich hier einen Reisenden aus Aserbaidschan, der übersetzen konnte. Aber außer dem Preis und der Personenzahl gab es ja nur den Zielort zu klären. Das Ticket kostete 100 USD + 10 USD für das Fahrrad (zusammen  etwa 100 Euro). Zurück am Hostel packte ich mein Gepäck zusammen und verlud es ins Taxi. Mit Diesem, ging es nun zum neuen Hafen in Alat, wo ich die Fähre nach Kasachstan nehmen konnte. Die Taxifahrten kosteten zusammen etwa 70 Manat (etwa 60 Euro). Nachdem mein Pass und mein Ticket gefühlte 10-15 Mal durchgeschaut waren, konnte ich endlich die Fähre betreten. Ich bezog mein Bett in einem Vierbettzimmer und nutzte die Zeit um am Computer etwas zu tippen. 3 Stunden später, kamen noch 3 Motorradfahrer auf die Fähre – immerhin musste ich also nicht alleine hier rum sitzen. Nachdem wir abends vergeblich darauf gewartet hatten, dass endlich die Züge in das Schiff rollten, wurden wir um 05:00 Uhr morgens von irgendeinem Knacken geweckt. Wir standen auf und liefen aufs Deck -  Na endlich die ersten Waggons rollten auf die Fähre. Auf der Fähre  wurde öfters versucht, Geld für etwas zu nehmen, was eigentlich bereits mit dem Ticket bezahlt wurde. Nach dem wir beim ersten Mal noch einen Dollar bezahlt hatten, lehnten wir dies ab diesem Zeitpunkt ab. Als wir später auf dem Meer unsere GPS-Position suchten, waren wir zunächst überrascht, dass diese unterhalb des Meeresspiegels lag. Erst mit einer kurzen Verzögerung glaubte sich einer von uns zu erinnern, dass das Kaspische „Meer“ 28 Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt. Am zweiten Tag, kam ein Arbeiter zu uns und meinte, dass wir das Fahrrad und die Motorräder wegstellen müssten, da sie vor den Feuerwehreinrichtungen geparkt waren. Wir waren überrascht, da man uns aufgefordert hatte, die Fahrzeuge exakt hier abzustellen. Trotzdem ging ich nach unten um nachzuschauen. Wer jetzt glaubt, dass sich hier jemand um die Sicherheit geschert hätte, liegt natürlich falsch. Der Grund war einfach nur, dass die Einrichtungen neu gestrichen werden sollten. Da sich die Motorräder nicht einfach wegstellen ließen, wurde hier einfach außen rum gemalt. Ich selbst nutzte die Gelegenheit, meinen an einer Stelle aufgekratzten Rahmen, mit etwas Farbe zu versehen.

Blick in den Schiffsbauch
Blick in den Schiffsbauch

Ich bedankte mich und ging zurück an Deck. Hier traf ich den Reisenden aus Aserbaidschan, den ich bereits im Ticketbüro getroffen hatte. Unweit des Schiffes sahen wir eine ganze Menge alter Ölplattformen, die hier in Sowjetzeiten gebaut wurden und heute vor sich hin rosten. Nach 2 Tagen auf dem Schiff, liefen wir um 14:00 Uhr endlich im Hafen von Aktau ein. Ich schaffte mein Gepäck an Deck, da ich hoffte das Schiff vor den Güterwagons verlassen zu können. Doch so schnell geht das hier natürlich nicht! Nach einer gefühlten Ewigkeit, kamen Zoll und Grenzpolizei an Bord, um unser Gepäck zu durchsuchen. Damit Sie den Überblick behalten konnten, mussten wir zurück in die Kabine. In der Kabine wurde dann das ganze Gepäck durchgeschaut. Da mein Gepäck bereits an Deck war, wurde dieses erst etwas später durchgeschaut. Anschließend wurden wir zunächst ohne Gepäck in ein Gebäude gefahren, um die Grenzformalitäten zu erledigen. Hier wurde der Aserbaidschaner aufgefordert für uns zu übersetzen. Der erste Teil der Formalitäten, ging recht zügig und problemlos von statten. Doch so angenehm der erste Teil war, so schwierig wurde der zweite Teil. Zunächst wurden wir in einen weiteren Raum geschickt, um zu warten. Da niemand auftauchte, versuchten wir uns selbst durchzufragen. Glücklicherweise brauchte ich für mein Fahrrad keine weiteren Dokumente, weshalb es vergleichsweise „schnell“ ging. Um 17:15 Uhr verließ ich nun endlich den Hafen – Endlich ich war in Kasachstan!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0