Von Lagodechi nach Baku

Mit dem Grenzübertritt nach Aserbaidschan, stand auch wieder mal eine Umstellung der Uhr an. Am Nachmittag fuhr ich dann guter Dinge Richtung Osten. Durch die Hügelige Landschaft ging es allerdings nicht ganz so schnell voran, als zunächst erhofft. Außerdem setzten mich die Temperaturen von über 35° Celsius zunehmend unter Druck. Trotz alledem, fuhr ich bis zum späten Abend, und schaffte daher doch noch fast 100 Kilometer. Am Abend fragte ich in einem kleinen Dorf, ob es in Ordnung sei, wenn ich mein Zelt hier für eine Nacht aufstellen würde. Zunächst erhielt ich eine Einwilligung, die aber wenige Augenblicke später widerrufen wurde, um mich direkt nach Hause einzuladen. Weniger als 5 Minuten später, fand ich mich daher in einem kleinen Hof inmitten einer Großfamilie wieder. Die Dusche bestand aus einem von der Decke hängenden Schlauch und Trinkwasser wurde mithilfe einer elektrischen Pumpe aus einem Brunnen gepumpt. Beim Abendessen wurde ich natürlich über meine Route, mein Ziel und vieles mehr ausgefragt.

Westen von Aserbaidschan
Westen von Aserbaidschan

Leider konnte ich mich nur mit einigen der Erwachsenen auf Russisch verständigen. Hierbei ist es doch immer wieder erstaunlich, wie gut dies selbst mit einem sehr bescheidenen Wortschatz gelingt. Trotzdem fand ich es schade, kein Aserbaidschanisch oder zumindest das verwandte Türkisch zu sprechen! Nachdem wir uns noch eine Weile unterhalten hatten, legte ich mich dann schließlich schlafen. Am folgenden Morgen wäre es wohl unmöglich gewesen, das Haus ohne Frühstück zu verlassen. Nach dem Aufstehen, ging es also zunächst einmal an den Frühstückstisch. Nachdem ich mich bedankt und verabschiedet hatte, ging es gegen 09:00 Uhr zurück auf die Straße.

Bereits gegen 10:00 Uhr stieg die Temperatur in einen recht unangenehmen Bereich. Allerdings wollte ich ja trotz alledem etwas weiterkommen. Erst in Qəbələ war ich schließlich zu einer längeren Pause gezwungen. Als ich an einer Tankstelle einen Großen Brunnen entdeckte, war das natürlich umso besser. Nach einer ordentlichen Abkühlung am Brunnen, musste ich nun erst einmal irgendetwas Kühles trinken. Da mir Außerdem ohne Nachfrage das W-LAN Passwort gegeben wurde, stand einer längeren Pause absolut nichts im Wege. Bevor es zurück auf die Straße ging tauchte ich sowohl meinen Hut als auch ein zweites T-Shirt noch einmal in den Brunnen. Das zweite T-Shirt legte ich in den Nacken, um das Blut und damit auch den Rest vom Körper noch etwas zu kühlen. Als ich nach weiteren 30 Kilometern kurz anhielt, wollte einer der Anwohner wissen, wo es hingeht, wo ich herkomme und vieles mehr. Das Problem war allerdings, dass er weder Englisch noch Russisch sprach. Trotzdem gelang es uns irgendwie zu kommunizieren. Als ich weiterfahren wollte, machte er mir klar, dass ich doch einfach bei ihm übernachten könnte.

Hügelige Landschaft von Aserbaidschan
Hügelige Landschaft von Aserbaidschan

Als wir nach 5 Minuten dort ankamen, stellte ich überrascht fest, dass es sich hier nur um den Rohbau für ein Hotel handelte. Selbst Türen und Fenster waren noch nicht vollständig eingebaut. Trotzdem entschloss ich hier zu bleiben. Nachdem wir mit seinem Lada noch kurz im nächsten Supermarkt eingekauft hatten, ging es zurück zum Gebäude. Auch am nächsten Morgen konnte ich leider recht spät starten. Nach einem kleinen Frühstück, ging es um 09:30 Uhr schließlich zurück auf die Straße. Auch heute gab es nochmal einige Anstiege zu bewältigen. Bei einer längeren Fahrt durch eine Ebene, wurde ich auf einmal von einem alten Lada Niva überholt, der schließlich wenige Meter vor mir zum Stehen kam. Einen Augenblick später kam auch schon ein älterer Herr auf mich zu gelaufen, der mich in überraschend gutem Englisch über meiner Tour befragte. Nach einem kurzen Gespräch ließ er es sich nicht nehmen, mir seine Handynummer aufzuschreiben. Falls ich irgendwo in Aserbaidschan Probleme bekommen sollte, könnte ich ihm hier einfach anrufen. Auch nachdem er sich verabschiedet hatte, war ich noch ein wenig verwundert über diesen Vorfall; Nett war es trotzdem! Ich selbst setzte meine Fahrt Richtung Şamaxı fort. Hier wollte ich am Abend in ein Hotel, um mich in Aserbaidschan zu registrieren.

Mosche in Samaxi
Mosche in Samaxi

Laut dem Auswärtigen Amt müssen sich Ausländer die mehr als 10 Tage in Aserbaidschan bleiben wollen, beim Migrationsservice registrieren. Bei Hotelübernachtung soll diese Registrierung vom Hotel übernommen werden. Als ich im ersten Motel anfragte, wussten diese von nichts; na super also zurück auf die Straße. Im nächsten Hotel wurde mir dann schließlich etwas in dieser Art zugesichert, einen Beleg hatte ich aber immer noch nicht. Da es bereits Dunkel war, beschloss ich trotzdem hier zu übernachten. Am folgenden Morgen wollte ich dann endlich nach Baku fahren. Ausnahmsweise gelang mir hier sogar ein relativ früher Start, wodurch ich bereits in den Morgenstunden einen gewaltigen Teil der Strecke hinter mich bringen konnte. Trotzdem holte mich die Hitze gegen 10:00 Uhr ein. Außerdem gab es in dieser Gegend nahezu keinen Schatten mehr. Am frühen Mittag war ich schließlich gezwungen in einem Restaurant anzuhalten, um meinen Körper zu kühlen. Erst nach einer mehrstündigen Pause, sah ich mich in der Lage, weiter zu fahren. Am späten Nachmittag erreichte ich schließlich die Ebene am Kaspischen Meer. Von hier waren es noch etwa 30 Kilometer bis ins Zentrum der Stadt. Auf den letzten Kilometern fand ich auf der Karte nur den Weg über eine etwa 2-3 Kilometer lange Autobahn. Da es keine Verbotsschilder gab, ging es dort also direkt auf die rechte Spur. Mit wilden Gesten versuchte mir die Polizei deutlich zu machen, dass ich abfahren müsste.

Wüste in Aserbaidschan
Wüste in Aserbaidschan

Allerdings führte die Abfahrt laut Karte in eine Sackgasse. Also ging es nach etwa 10 Minuten zurück auf die Autobahn. Nach einem weiteren halben Kilometer, konnte ich dann endlich abfahren. Das Stadtzentrum war mit Polizisten übersäht. Offensichtlich wurde versucht, speziell während der Europäischen Spiele keine größeren Fehler zuzulassen. Am Abend versuchte ich mich zum Caspian Hostel durchzufragen, für das ich ab dem Folgetag eine Reservierung hatte. Trotzdem wurde ich zum Old City Hostel geschickt, was ich erst am W-LAN Namen merkte. Da es bereits spät war, beschloss ich eine Nacht zu bleiben und erst am folgenden Tag umzuziehen. Abgesehen vom Umzug in das nur wenige 100 Meter entfernte Hotel, verbrachte ich den nächsten Tag größtenteils damit mich auszuruhen. Da die Botschaft von Usbekistan an diesem Tag ohnehin geschlossen hatte, spielte dies auch keine große Rolle

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