Vom Biker zum Bikepacker - Unterwegs im Vietnam

Am 28. November überquerte ich die Grenze zum Vietnam. Einem Land, was viele nur von den Schrecken des Vietnamkriegs bekannt ist.

Im Dschungel des Vietnam
Im Dschungel des Vietnam

Auch ich wusste im Vorfeld nicht sonderlich viel über dieses Land! Klar hatte ich einige Dokumentationen über den Krieg gesehen und auch Ho Chih Minh war mir ein Begriff aber ansonsten hatte ich über die Geschichte des Landes keinen Schimmer! Auch über die Landschaft wusste ich nur, dass es eine sehr bergige Landschaft in tropischem Klima ist! Dass der Norden recht kühl werden kann, entzog sich bereits meiner Kenntnis! Entsprechend überrascht war ich, als mir ein anderer Reisender erzählte, dass es im Norden des Landes geschneit hätte! Entsprechend neugierig war ich also, nun endlich durch dieses Land zu fahren.

Da ich, aufgrund fehlender Bankautomaten, zunächst kein Bargeld hatte, fiel auch das Mittagessen zunächst aus. Erst nach über einer Stunde erreichte ich eine etwas größere Stadt und damit einen Bankautomaten. Zum Essen hatte ich dann aber keine Lust mehr, weshalb ich mich entschied direkt nach Ho Chih Minh-Stadt (ehemals Saigon) durch zu fahren.

Ho Chih Minh Stadt
Ho Chih Minh Stadt

Am Nachmittag erreichte ich schließlich den Stadtrand von Ho Chih Minh Stadt. Bis zum Erreichen des Stadtzentrums, sollten aber noch einmal über 2 Stunden vergehen. Im dichten Verkehr, der zum großen Teil aus Mopeds bestand, bahnte ich mir meinen Weg Richtung Zentrum. Mit ihrer Fahrweise, schoben sich die Vietnamesen definitiv vor die Kirgisen, wenn es um die schlechtesten Fahrer geht! Ohne jede Regeln, bahnt sich hier jeder einfach seinen Weg. Ob dieser nun über den Pannenstreifen, die gegenüberliegende Fahrbahn oder den Bürgersteig fährt ist dabei unwichtig! Trotz allem erreichte ich am Abend endlich ein Hostel im Zentrum der Stadt! In Ho Chih Minh wollte ich mir vor allem das Ho Chih Minh Museum, das Kriegsmuseum und die Chu Chi Tunnel aus dem Vietnamkrieg anschauen.

Museum in Ho Chih Minh Stadt
Museum in Ho Chih Minh Stadt

Im Ho Chih Minh Museum störten mich vor allem die Details. So wurde neben Waffen wie die Kalaschnikow oder einer Bazooka auch ein Gewehr ausgestellt, welches geschätzt mindestens 200 Jahre alt ist! Eine Erklärung dazu gab es aber keine! Da der Eintritt allerdings sehr günstig ist, kann man sich dieses Museum trotzdem anschauen, wenn man ohnehin lange genug in Ho Chih Minh ist! Im Kriegsmuseum wurden die Details dagegen sehr deutlich beschrieben und auch in Zahlen zusammengefasst! Gerade durch Fotos von Veteranen sowie deren Kindern, wurde die massive Zerstörung durch das von den Amerikanern großflächig versprühte Agent Orange deutlich  sichtbar! Auch andere Kriegsverbrechen der Amerikaner werden hier deutlich aufgezeigt! Selbst die Bombardierung Kambodschas und Laos von Seiten der Amerikaner werden hier gezeigt. In Folge der Bombardierungen, der keine Kriegserklärung vorrausging, wurden unzählige Zivilisten getötet und indirekt auch der Weg für die von Pol Pot geführten Khmer Rouge geebnet (Siehe Reisebericht Kambodscha).

Notausgang der Chu Chih Tunnel
Notausgang der Chu Chih Tunnel

Für den nächsten Tag hatte ich eine Tour zu den Chu Chi Tunnels gebucht. Die Tunnels wurden während des Vietnamkriegs von den Nordvietnamesen gegraben, um sich von den Amerikanern zu verstecken, Angriffe vorzubereiten und unentdeckt Waffen und Munition zu transportieren. Um 13:30 Uhr sollte die Tour am Hostel beginnen, doch das war wohl nach „Vietnamesischer Zeit“! Erst um 14:45, setzte sich unser Bus endlich in Bewegung! Durch den Zähfließenden Verkehr, wurden wir zunächst zu einem Ort gefahren, an dem man Bilder und Souvenirs kaufen kann. Erst anschließend ging es weiter zu den Tunneln. Bis wir diese erreichten, war es bereits 16:30 Uhr. Zunächst sahen wir einen Ausgang der Tunnel. Obwohl dieser für Touristen bereits um 20% vergrößert war, passte ich nur knapp hindurch! Anschließend sahen wir einige Fallgruben, die von den Nordvietnamesen angelegt wurden. Neben Stacheln auf dem Boden, waren einige auch mit komplizierten Mechanismen oder Stachelwalzen ausgestattet, die die amerikanischen Soldaten regelrecht durchlöcherten! Von hier ging es dann zu den eigentlichen Tunneln. Obwohl einer der Tunnel bereits um 20% vergrößert war, konnte man sich hier nur in der Hocke vorwärts bewegen.  Auf dem nahegelegen Schießplatz hat man außerdem die Möglichkeit eine M50 oder auch eine Kalaschnikow abzufeuern. Zum einen ist dies aber sehr teuer und zum anderen sind die Waffen aus Sicherheitsgründen fest montiert! Außerdem ist es recht sarkastisch an einem solchen Ort mit Waffen zu „spielen“. Für uns stellte sich diese Frage allerdings ohnehin nicht, da wir den Schießplatz erst gegen 17:00 Uhr erreichten und dieser bereits geschlossen hatte! Auch die weiteren Fotos konnten wir nur noch in der Dämmerung beziehungsweise bei Nacht machen. Die Heimfahrt dauerte aufgrund des Verkehrs recht lange, weshalb wir erst recht spät zurück am Hostel waren. Auch wenn einige Reisende bessere Erfahrungen hatten, würde ich empfehlen, die Tour am Vormittag zu buchen oder auf eigene Faust loszuziehen!

Hiermit hatte ich in Ho Chih Minh bereits das meiste gesehen, doch trotzdem verzögerte sich die Weiterreise noch um etwa 1,5 Wochen ehe ich endlich starten konnte! Zunächst saß ich nämlich eine Krankheit aus um dann festzustellen, dass mein 1 Monatsvisum viel zu kurz ist und eine Verlängerung fast eine Woche dauert! Die Zeit nutzte ich um mal wieder etwas zu entspannen. Außerdem fanden sich immer genügend durstige Backpacker, mit denen man abends irgendwo was Trinken konnte! Nach einer Woche klingelte endlich das Telefon und mir wurde mitgeteilt, dass ich meinen Pass abholen könnte! Die Visaverlängerung bestand lediglich aus einem Stempel mit einem handgeschrieben Datum, welcher an einer ganz anderen Seite als das Visum platziert war! Die wenige Farbe musste mit 45 Dollar zudem üppig bezahlt werden.

Fluss in Vietnam
Fluss in Vietnam

Am nächsten Morgen startete ich sehr früh um zumindest dem schlimmsten Verkehr zu entkommen. Und tatsächlich hatte ich um 7:00 Uhr bereits die ersten 35 Kilometer hinter mir gelassen. Auf relativ ebener Strecke kam ich gut voran, weshalb ich am frühen Nachmittag bereits das 112 Kilometer entfernte Đồng Nai erreichte!  Da ich von der kurzen Nacht noch etwas Müde war, beschloss ich direkt in einem kleinen Motel zu bleiben. Als ich am Nachmittag auf der Suche nach einem Restaurant durch die Straßen lief, staunte ich nicht schlecht zwei Briten wieder zu treffen, die Ho Chih Minh bereits einige Tage vor mir verlassen hatten. Dummerweise hatte einer der Beiden einen Unfall, und brauchte zwei Tage Pause. Für mich ging es am nächsten Tag weiter Richtung Bảo Lộc, wo sich laut meiner Offlinekarte einige Hotels befanden. Langsam wurde die Strecke bergiger und die Strecke bedeutend schöner! Nach etwa 90 bergigen Kilometern war ich trotzdem nicht unglücklich ein Hotel zu erreichen. Nach einem kurzen Abendessen ging es dann auch schon wieder ins Bett. Eine gute Entscheidung, denn auch am folgenden Tag erwartete mich wieder eine lange Bergstrecke! Als Ziel hatte ich mir  Đà Lạt in den Kopf gesetzt. Doch am späten Nachmittag wurde klar, dass  ich dieses Ziel mit zu viel Optimismus gewählt hatte.  Da die letzten 35 Kilometer laut Karte steil bergauf gegangen wären, beschloss ich schließlich in einem Hotel in Lâm Đồng zu nächtigen. Wie sich am nächsten Tag heraus stellte eine gute Entscheidung! Denn wie erwartet ging es die letzten 35 Kilometer tatsächlich viel bergauf und die Landschaft wäre viel zu schön gewesen, um einfach bei Nacht durchzufahren.

Straße durch den Dschungel im Vietnam
Straße durch den Dschungel im Vietnam

Bereits am Vormittag erreichte ich Đà Lạt. Hier buchte ich mir für die nächsten drei Tage ein Zimmer im „Cozy Nock Homestay“. Es stellte sich bald heraus, dass ich hiermit eine super Auswahl getroffen hatte! Da ich mit meinen Ohren leider nicht unter Wasser kann, konnte ich DIE Hauptattraktion in Đà Lạt leider nicht besuchen! Hier gab es die Möglichkeit, sich von Wasserfällen abzuseilen oder auch einfach herunter zu springen! Ich schaute mir dagegen das „Crazy House“ an, in welchem die Räume durch unzählige Brücken verbunden sind! Außerdem gab es in der Stadt eine Bar die ich mehrmals besuchte. In der Bar „100 roofs“ liegt die Besonderheit allerdings nicht in den Cocktails sondern viel mehr in dem Gebäude selber! So besteht die Bar aus 4 Stockwerken (wird derzeit auf 5 ausgebaut) die mit Tunneln und Gängen verbunden sind! So ist es gerade am Anfang schwierig die Orientierung zu behalten! Da sich die Flip-Flops als eher ungeeignet erwiesen um durch die Gänge zu klettern, war ich hier recht schnell barfuß unterwegs! Am Baustil der Stadt, ist die französische Vergangenheit klar festzustellen. Bei der Besichtigung der Stadt schaffte ich es allerding meine Kreditkarte zu verlieren, beziehungsweise Sie im Bankautomat stecken zu lassen. Da die Kreditkarte nach dem Sperren nicht mehr entsperrt werden kann, brauchte ich auch gar nicht erst versuchen die Karte zurück zu bekommen. Anstelle dessen ging es darum einen Weg zu finden, an meine neue Karte zu kommen. Die Zwischenzeit musste ich wohl zwangsweise mit der EC-Karte und deren hohen Gebühren überbrücken. Wenn sich wirklich kein Automat finden ließ, der diese Karte akzeptierte, konnte ich nur andere deutsche Reisende fragen, ob Sie mir Geld abheben und ich es dann direkt zurück auf ihr Konto überweisen kann! Über eine Fahrradgruppe in Facebook fand ich am nächsten Tag jemanden, dessen Schwester in vier Wochen in den Vietnam fliegen würde und mir meine Kreditkarte so mitbringen könnte. Allerdings musste ich beziehungsweise mein Vater die Karte zunächst zu ihr in die Schweiz schicken! Damit war zumindest ein Ende des Problems absehbar! Da es inzwischen begonnen hatte, flächendeckend zu regnen, entschied ich mich noch ein paar Tage länger in Đà Lạt zu bleiben. Am vierten Tag, war das Hostel allerdings ausgebucht, weshalb ich in ein anderes Hostel wechseln musste! Dort traf ich einige andere Reisende, die planten auf einen nahegelegenen Berg zu wandern. Ich beschloss die Wanderschuhe aus den Tiefen des Rucksacks hervor zu kramen und mitzugehen! Doch der Bus, den wir eigentlich nehmen wollten, kam natürlich nicht, weshalb wir auf ein Taxi zurückgreifen mussten. Im Park angekommen, zahlten wir zunächst etwa einen Euro Eintritt, um in den Park zu kommen. Zu Beginn folgten wir einer eher langweiligen,  durchgehend asphaltierten Straße. Hier ließ sich der Großteil der Touristen mit dem Geländewagen nach oben zum Gipfelrestaurant und zum Aussichtspunkt fahren. Für uns kam das allerdings nicht in Frage! Nach einigen Kilometern kamen wir an eine Abzweigung zu einem anderen Gipfel, der wiederum etwa  einen Euro kosten sollte! Wir beschlossen zunächst zum Hauptgipfel zu gehen. Nach einer ausgiebigen Pause, ging es auf derselben asphaltierten Straße zurück ins Tal. Dieses Mal war das Kassierhäuschen allerdings unbesetzt, weshalb wir beschlossen auch noch zum zweiten Gipfel zu gehen! Endlich folgten wir einem Trampelpfad und hatten auch mal Dreck unter den Stiefeln! Während die ersten Kilometer recht Flach waren, wurde es auf dem Kilometer noch einmal richtig steil. Da hier aber sogar (recht hohe) Stufen angebracht waren, war es zu keinem Zeitpunkt wirklich schwierig vorwärts zu kommen! Als wir den Gipfel erreichten, waren bereits große Teile des Tals mit Wolken verhangen! Während unseres etwa 15 Minutigen Aufenthalts, konnten wir schön beobachten, wie der Wind die Wolken Stück für Stück ins Tal wehte! Als wir den Abstieg begannen, war vom Talboden bereits nichts mehr zu sehen! Bei Anbruch der Nacht erreichten wir schließlich trocken den Ausgang des Parks. Da der letzte Bus bereits abgefahren war, ging es mit dem Taxi zurück in die Stadt, wo wir uns in einem kleinen Restaurant (mal wieder) eine Suppe bestellten. Der Folgetag begann mit strömendem Regen und ich entschied mich noch einmal in  Đà Lạt zubleiben. Der anfänglich zugesagte Platz im Hostel, war dann aber doch nicht mehr frei! Also ging es zurück ins Cozy Nock Hostel, wo ich bereits zuvor übernachtet hatte.

Dschungel im Vietnam
Dschungel im Vietnam

Am 22. Januar ging die Reise endlich weiter! Als nächstes Etappenziel hatte ich das 140 Kilometer entfernte Nha Trang vorgesehen! Bereits um 8:00 Uhr verließ ich das Hostel, um die lange Etappe bewältigen zu können. Auch wenn das Tagesziel 1500 Meter unter mir lag, warteten auf der Strecke zahlreiche Zwischenanstiege darauf von mir bewältigt zu werden. Die unglaublich schöne Landschaft mit ihren Wasserfällen machte mich ebenfalls nicht unbedingt schneller, das Sie immer wieder zum Anhalten und Fotografieren einlud! Trotzdem erreichte ich am Abend die Stadt Nha Trang an der Küste! Wie ich bereits zuvor gehört habe, war diese Stadt eine der Hochburgen des russischen Tourismus im Vietnam! Es waren nicht nur sämtliche Schilder ins Russische übersetzt, sondern es wurden sogar Russische Gerichte angeboten! Auch wenn die Stadt außer dem (recht dreckigen) Strand nicht viel zu bieten hatte, beschloss ich 3 Tage zu bleiben und auch Heiligabend hier zu verbringen. Einige Motorradfahrer berichteten mir, das die Strecke nördlich von Nha Trang eher langweilig zu fahren sein soll, weshalb ich beschloss, die Strecke nach Hoi An mit dem Nachtbus zu fahren! Wie sich während der Busfahrt herausstellte, wohl nicht die schlechteste Entscheidung während meiner Reise! Abgesehen von einigen schönen kurvenreichen Abschnitten, ging es zu großen Teilen einfach nur geradeaus. In Hoi An angekommen, konnte ich glücklicherweise bereits morgens um 7:00 Uhr im Hotel einchecken. Am Abend schaute ich mir die Altstadt Hoi Ans an, welche vor allem nach dem Sonnenuntergang einen Besuch wert ist! Nachts wird die Stadt durch hunderte Laternen erleuchtet. Nach zwei Tagen in Hoi An, ging es dann endlich weiter Richtung Norden. Dieses Mal endlich mit dem Fahrrad! Allerdings nur bis ins  35 Kilometer entfernte Da Nang. In dieser Stadt gab es für mich zwar kaum etwas zu sehen, aber nette Leute und schlechtes Wetter verleiteten mich dazu, mehrere Tage dort zu bleiben! Zu den wenigen Attraktionen gehört neben der Drachenbrücke auch ein Kunstmuseum, welches ich mir zusammen mit Li-Anne aus Holland anschaute. Die Drachenbrücke ist vor allem am Wochenende einen kurzen Besuch wert! Samstags und sonntags um 21:00 Uhr spuckt der Drachen Feuer und Wasser, was durch die Reflektionen auf dem Fluss recht schön anzusehen ist! Leider klarte das Wetter auch zu Neujahr nicht auf, weshalb das Feuerwerk eher uninteressant war! Dafür ging ich mit einigen anderen Reisenden aus, um Billard zu spielen! In Verbindung mit einigen Cocktails und Jazzmusik definitiv ein super Abend!

Königspalast in Hue
Königspalast in Hue

Das neue Jahr startete, wie bei so Vielen, mit einem leichten Kater, weshalb ich auch diesen Tag im Hostel blieb! Erst am 02. Januar setzte ich meine Fahrt gen Norden fort! Auf relativ flachen hundert Kilometern, ging es gemütlich nach Hue, welches ich mir in den folgenden Tagen anschauen wollte! Als Hauptattraktion ist hier wohl der Königspallast zu nennen, welchen ich mir am Mittag anschaute. Neben dem Königspalast, gibt es hier auch ein offenes „Museum“ in dem Fahrzeuge, Flugzeuge und Hubschrauber aus dem Vietnamkrieg ausgestellt sind. Da es dazu aber recht wenige Infos gibt, sollte man hierfür nicht zu viel Zeit einplanen! Als ich die Stadt nach drei Tagen verließ, hatte ich als Ziel den Ho Chih Minh Pfad vor Augen! Nach etwa 70 Kilometern erreichte ich die kleine Stadt Luoi, wo ich neben einem kleinen Restaurant auch ein günstiges Hostel vorfand! Der nächste Tag, startete deutlich flacher! Entsprechend zügig kam ich voran und erreichte bereits am frühen Nachmittag die Abzweigung nach Khe Sanh! Bereits auf der Karte ließ sich erahnen, dass die letzten Kilometer wohl die Härtesten des Tages werden sollten! Auch wenn mich nur etwa 400 Höhenmeter von Khe Sanh trennten, machten mir diese in der Hitze deutlich zu schaffen! In Khe Sanh fand ich einige Geschäfte und auch Hotels  vor. In der Umliegenden Landschaft waren die Spuren des Krieges Teilweise noch deutlich zu erkennen, immerhin hatte hier eine der großen Schlachten des Vietnamkriegs stattgefunden! Trotzdem ignorierte ich das örtliche Museum und machte mich mit einigen Vorräten beladen auf den Weg nach Norden! Zu meiner Überraschung, erreichte ich nach etwa 35 Kilometern eine weitere kleine Stadt, mit einigen Restaurants! Nach einem Mittagessen, ging es zurück auf die Straße, wo ich meinen Weg nach Norden fortsetzte! Durch die zahlreichen Anstiege, kam ich allerdings nur langsam voran, weshalb ich bereits nach 90 Kilometer zum Anhalten gezwungen war! Von einem Hotel war allerdings weit und breit nichts zu sehen und auch zum Campen fand ich keine geeignete Stelle.

Übernachtung bei einer Familie westlich von Dong Hoi
Übernachtung bei einer Familie
westlich von Dong Hoi

Abhilfe kam schließlich recht unerwartet in einem kleinen Dorf! Auch wenn die Bewohner kaum ein Wort englisch sprachen, erkannten Sie wohl meine Lage und luden mich mit Gesten und Handzeichen in ihre Hütte ein! Neben einer eigens für mich gekochten Suppe hatte ich somit auch eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Im Schein einer improvisierten Batterielampe, saßen wir im einzigen Raum der Hütte zusammen. Ich erinnerte mich an mein Bilderwörterbuch in meiner Lenkertasche zurück und kramte es hervor. Vor allem die Kinder hatten Spaß daran und fragten mich immer wieder, wie die einzelnen Begriffe auf Englisch heißen. Wenn ich das Wort dann auf Englisch aufschrieb, schrieben sie die vietnamesische Übersetzung dazu. Im Laufe des Abends entstanden so immerhin drei Seiten eines Englisch-Vietnamesischen Vokabelhefts! Auch wenn es mir schwer fiel, musste ich mich am nächsten Morgen verabschieden. Da ich zusammen mit meiner Kreditkarte auch gleich einen Internationalen Führerschein haben wollte, entschloss ich mich auf direktem Weg nach Dong Hoi zu fahren, um Passbilder zu machen!

Die Abkürzung nach Dong Hoi
Die Abkürzung nach Dong Hoi

Die Abkürzung stellte sich jedoch schnell als schwierig heraus! Bereits nach wenigen Kilometern war die Straße nicht mehr geteert. Außerdem waren die Brücken erst im Bau, weshalb ich oft hinunter ins Tal, durch einen Fluss und dann auf der anderen Seite wieder hinauf fahren musste! Deutlich später als erwartet erreichte ich ein kleines Dorf, wo ich mir etwas zu trinken kaufen konnte! Einige Kilometer weiter, war ich auf der Hauptstraße angekommen, wo ich auch endlich ein Restaurant vorfand! Erst nach einem üppigen Mittagessen, ging es zurück auf die Straße um die letzten Kilometer nach Dong Hoi zu fahren! Direkt am nächsten Morgen rannte ich zum nächsten Fotografen um mein Passbild zu bekommen. Dank Google Translate schaffte ich es schließlich dem Fotografen zu erklären, dass ich die Bilder nicht gedruckt haben möchte, sondern gerne auf meinem USB-Stick hätte. Mit den Bildern ging es nun direkt zurück zum Hostel, um Sie schnellstmöglich nach Deutschland zu schicken! Gerade noch früh genug, dass meine Schwester Sie auf einen USB-Stick kopieren, beim Fotografen ausdrucken und schließlich meinen Internationalen Führerschein beantragen konnte! DANKE DAFÜR! Nachdem alles Wichtige erledigt war, ging es am Abend zusammen mit anderen Back-Packern zum Billard spielen. Da wir folglich recht spät zurück zum Hostel kamen, beschloss ich am nächsten Tag einen Ruhetag einzulegen!

Paradise Cave bei Phung Nha
Paradise Cave bei Phung Nha

Gut ausgeruht fuhr ich am nächsten Tag die relativ kurze Etappe nach Phong Nha, um mir die dortigen Höhlen anzuschauen! Neben der „Paradise Cave“ und der „ Dark Cave“ befinden sich hier auch einige nicht erschlossene Höhlen, sowie die erst vor wenigen Jahren entdeckte „Son Doong“ Höhle – die größte Höhle der Welt! Letztere kann derzeit aber nur mit einer extrem teuren Expeditionstour gebucht werden! Die Dark- Cave ist mehr eine Actionhöhle, bei der man unteranderem auch ein Stück schwimmt. Für mich kam Sie deshalb nicht in Frage, da ich es nicht riskieren wollte, Wasser in meine Ohren zu bekommen! Außerdem war ich erkältet und wollte dann nicht auch noch ins Kalte Wasser! Anstelle dessen schaute ich mir die „Paradise-Cave“ an, die relativ einfach besichtigt werden kann. Mit dem Fahrrad waren die 25 Kilometer zur Höhle trotz einiger Berge schnell zurückgelegt. Die Höhle selbst, ist mit einem Hölzernen Weg ausgestattet, was einen Besuch relativ einfach macht. Durch die Beleuchtung, ist es vergleichsweise einfach gute Fotos von den riesigen Tropfsteinen zu machen!

Leider verbrachte ich die nächsten Tage krank im Bett, weshalb ich das letzte Stück des Ho Chih Minh Pfads nicht mehr fahren konnte und stattdessen mit dem Bus fahren musste! Da es auf der Strecke nach Hanoi relativ gerade Straßen gab, konnte man im Bus aber zumindest schlafen. Am Morgen des 19. Januar erreichte ich schließlich Hanoi wo ich Claudia  erwartete, die mir meine neue Kreditkarte, sowie meinen Internationalen Führerschein bringen wollte!

Mausoleum von Ho Chih Minh in Hanoi
Mausoleum von Ho Chih Minh in Hanoi

Zunächst einmal aber hieß es warten! Irgendwie gefiel mir die Stadt Hanoi nicht besonders, was wohl auch erklärte, warum ich so schnell mit der Besichtigung fertig war! Zu meiner Überraschung war Li-Anne, die ich zuvor in Da Nang getroffen hatte ebenfalls in der Stadt! Durch einen Motorradunfall, musste Sie zuerst ins Krankenhaus und saß jetzt ebenfalls in Hanoi fest! Da wir daher beide nichts zu tun hatten, beschlossen wir die freie Zeit für ein Museum zu nutzen! Allerdings saß ich in Hanoi wie auf heißen Kohlen. Einerseits musste ich bis zum 24. Januar in der Stadt bleiben, um die Kreditkarte und meinen Internationalen Führerschein von Claudia entgegen zu nehmen aber andererseits lief am 25. Januar bereits mein Visum aus. Am Morgen des 25. Januar trafen dann endlich auch Raphael und Petra aus der Schweiz ein. Nach einem kurzen Smalltalk über die gefahrene Route, ging es für die beiden dann auch schon zum Flughafen, um seine Schwester Claudia abzuholen. Am  frühen Nachmittag war es dann endlich soweit, endlich konnte ich den lange erwarteten Briefumschlag mit meinen Dokumenten entgegennehmen! Nach einem kurzen Danke, verschwand ich dann auch direkt am Computer, um den Flug aus dem Land zu buchen. Da ich kaum Zeit hatte, um das Land zu verlassen und ich außerdem genug von Südostasien hatte, entschied ich mich für Bangkok. Hier wollte ich die benötigten Anträge stellen, um mein Visum für Neuseeland zu bekommen. Da mein Flug erst am nächsten Abend startete, hatte ich jetzt auch noch genug Zeit, mich um Verpackungsmaterial für mein Rad zu kümmern. Außerdem konnte ich mich jetzt endlich noch richtig bedanken, und die anderen Drei auf ein Bier und was zu Essen einladen! AUCH HIER NOCHMALS EIN KRÄFTIGES DANKE!

Als ich mit dem Taxi den Flughafen erreichte, wurde es aber nochmal spannend! Wie ich bereits im Hostel festgestellt hatte, passte mein Rad nicht in den Karton! Außerdem wäre mein Gepäck mit dem Karton auch viel zu schwer geworden. Um Problemen aus dem Weg zu gehen, fragte ich nun also am Check-in von Quatar, ob es möglich sei, das Rad als Ganzes mitzunehmen und nur die sensiblen Teile abzudecken. Auch wenn es laut der offiziellen Webseite in einem Karton transportiert werden müsste, wurde diese Lösung akzeptiert! Ich montierte also den Sattel, die Pedale und die Flaschenhalter ab und packte diese zum restlichen Gepäck in die Taschen! Außerdem drehte ich den Lenker um 90 Grad und klebte einige Kartons ans Rad um die Speichen zu schützen! Als ich mithilfe des Taschenmessers den Karton zuschnitt, um mein Rad zu verpacken, bildete sich recht schnell eine Menschentraube, die mir bei der Arbeit zusah. Auch ein Polizist kam angelaufen, der das Ganze aber recht locker sah. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass ich nur mein Rad verpacke, half er mir sogar, den Karton zu befestigen! Als er immer mehr Karton ans Rad kleben wollte, sah ich allerdings bereits die Waage vor meinem inneren Auge und versuchte ihn davon zu überzeugen, dass man das Rad ohne Karton viel leichter Tragen konnte! Nachdem eine Frau vom Check-in das Ganze ins Vietnamesische übersetzt hatte, hatte ich damit Erfolg!

 

Am Check-in kam dann die letzte Hürde, die Waage! Bei 30,8 Kilogramm blieb die Waage stehen und ich wurde aufgefordert, auch das Handgepäck darauf zu stellen! Mir gelang es, die Lenkertasche als Kameratasche durchgehen zu lassen, weshalb die Waage auch mit Handgepäck nicht über 38 Kilogramm anzeigte! Auch wenn offiziell nur 37 Kilogramm erlaubt gewesen wären, wurde keine Sondergebühr fällig – Glück gehabt! Eineinhalb Stunden später, saß ich bereits im Flugzeug auf dem Weg zu den nächsten Herausforderungen!

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