Endlich in Neuseeland - Wellington

Am 23.02 erreichte ich mit einem Zwischenstopp in Sydney endlich Wellington. Da aufmerksame Leser bestimmt bereits jetzt gemerkt haben, dass hier ein Bericht über meinen vierwöchigen Aufenthalt in Bangkok fehlt, kommt hier dann auch gleich mal die Erklärung beziehungsweise eine Kurzfassung davon! Auch wenn ich insgesamt vier Wochen in Bangkok war, beschränkten sich meine Handlungen im Wesentlichen darauf, mein Visum für Neuseeland zu beantragen und verschiedene Bars durchzuprobieren.

Wellington vom Mount Victoria
Wellington vom Mount Victoria

Aber warum ging das mit dem Visum nun so lange? Da ich meine Kreditkarte im Vietnam verloren hatte, konnte ich leider auch kein Visum für Neuseeland beantragen. Dieser Prozess, kann vollständig online erledigt werden und wird dann von der Neuseeländischen Behörde innerhalb der nächsten Tage beziehungsweise Wochen bearbeitet. Wer innerhalb der letzten 5 Jahre weder mehr als 3 Monate in Ländern mit erhöhtem Tuberkuloserisiko war noch irgendeine Kriminelle Vergangenheit hat, bekommt sein Visum recht zügig ausgestellt! Kriminell bin ich zwar meines Wissens nicht, aber der erste Punkt ist mehr als erfüllt, da außer den „westlichen“ Ländern so ziemlich alle Länder auf der Risikoliste stehen. Dieser Umstand, erlaubte mir das Vergnügen eines Besuchs in einem Krankenhaus in Thailand, um den geforderten Röntgentest der Lunge durchführen zu lassen! Tja was soll ich sagen, im Gegensatz zu Italien, konnte im Krankenhaus jeder Englisch und auch sonst entsprach oder übertraf das Krankenhaus sämtlichen Erwartungen. Nach nur etwa einer Stunde war alles erledigt und das Protokoll wurde direkt nach Neuseeland weitergeleitet! Nach wenigen Tagen erhielt ich dann auch endlich mein Visum, womit ich meinen Flug buchen konnte! In freudiger Erwartung auf die Neuseeländischen Einreisekontrollen, baute ich dann noch mitten im Hostel mein Zelt, um es mithilfe eines nassen Socken vollständig zu reinigen. Des Weiteren reinigte ich sowohl mein Fahrrad als auch meine Wanderschuhe mit Hilfe einer alten Zahnbürste und selbst meine Packtaschen blieben vor der gründlichen Reinigung nicht verschont!

Damit wären wir wieder am Anfang des Textes, womit ihr endlich etwas über Neuseeland erfahrt! Doch bevor ich ins Land reingelassen wurde, wurde mein Gepäck auf irgendwelche biologischen Fremdkörper durchsucht. Nicht deklarierte Lebensmittel, Outdoorausrüstung oder Wanderstiefel werden mit etwa 280 Euro bestraft, weshalb ich mein Gepäck zuvor nicht nur einmal durchgecheckt habe! Auch an der Sauberkeit meiner Ausrüstung gab es wohl nichts zu beanstanden, weshalb ich die Kontrollen recht schnell hinter mir hatte. Nach diesem Test, ging es daran das Rad wieder zusammenzusetzen. Mein Versuch, mein Fahrrad im Karton mit leeren Plastikflaschen zu polstern, war glücklicherweise ein voller Erfolg, womit ich das Rad unbeschädigt aus seinem Karton befreien durfte! Nach weiteren 45 Minuten, war das Rad wieder fahrbereit und ich konnte die acht Kilometer in die Innenstadt zurücklegen.

Uferpromenade in Wellington
Uferpromenade in Wellington

Auch wenn es gleich auf die linke Straßenseite ging fühlte ich mich gleich wieder Zuhause. Die sauberen guten Straßen, die Geschäfte und der geoordnete Verkehr, waren mir von Europa noch gut vertraut. an den Verkehr musste ich mich allerdings zuerst wieder gewöhnen. Neben dem Linksverkehr fiel es mir vor allem wieder schwer mich an die Verkehrsregeln zu halten – ja sogar eine rote Ampel hatte auf einmal wieder eine Bedeutung und mit 5 Zentimetern Abstand an den stehenden Autos vorbei zu fahren ist hier auch nicht gerade gerne gesehen! Nach 9 Kilometern hatte ich mein Hostel in der Nähe des Stadtzentrums erreicht. Auch wenn die Preise, speziell nach meinem Aufenthalt in Südostasien, ein Schock waren, wollte ich nach dem langen Flug nun wirklich nicht mehr Kochen. Daher kam es mir sehr gelegen, dass in meinem Zimmer einige Leute  noch ausgehen wollten. Für ein Bier und eine, zugegebenermaßen hervorragende, Pizza bezahlte ich allerdings 26 Neuseeländische Dollar also über 15 Euro! Für die nächsten Tage wollte ich mir erst einmal einige Vorräte zu legen, die ich dank des Kühlraums im Hostel, dann auch länger lagern konnte. So angenehm es war, endlich wieder in einem Supermarkt einzukaufen, so geschockt war ich auch als ich die Preisschilder sah! Trotzdem genoss ich es nach 4 Monaten in Südostasien, auch mal wieder selbst zu kochen. In den nächsten Tagen machte ich mich daran, die benötigte IRD-Number (Steuernummer) zu beantragen und ein Konto zu eröffnen! Da ich auf den Termin bei der Bank noch bis Montag warten musste und ich das Konto für die Steuernummer benötigte, kam dieser Prozess allerdings recht schnell ins Stocken! Da ich am Wochenende damit nichts zu tun hatte, beschloss ich mich spontan einer kleinen Gruppe anzuschließen, die mich für ein wenig Sprittgeld ins 50 Kilometer entfernte Rivendell mitnahm. Der herrliche Naturpark eignete sich nicht nur hervorragend zum Laufen, sondern ermöglichte auch ein kurzes Bad im eiskalten Bach! Außerdem wurden hier einige Szenen aus „Herr der Ringe“ gedreht, davon ist aber, abgesehen von einigen Hinweistafeln und der Natur, nichts zu sehen! Am Montagmorgen, konnte ich dann auch endlich zur Bank gehen, um mein Konto zu eröffnen. Ich entschied mich aufgrund der Empfehlungen anderer Reisender für die „Westpac“. In weniger als einer Stunde war mein Konto eröffnet und ich konnte mich auf den Weg zum IRD-Department machen, um meine Steuernummer zu beantragen. Ich hätte die benötigten Dokumente auch einfach zuschicken können, aber so sparte ich die Zeit für den Postweg und hatte gleich eine Kontrolle ob alle benötigten Unterlagen vorhanden sind. Natürlich fehlte mir noch ein Dokument, da ich neben der deutschen Steuernummer auch noch einen Nachweis dafür brauchte! Ein deutschsprachiger Steuerbescheid, den mir meine Schwester eingescannt und per mail geschickt hatte, reichte hierfür bereits völlig aus. Allerdings konnte ich hier nur kopieren, aber keine E-Mails ausdrucken. Zum Glück war nur wenige hundert Meter entfernt die Bücherei, wo es neben kostenlosem WLAN auch die Möglichkeit gibt, kostenlos zu drucken und zu kopieren! Nach etwa 20  Minuten war ich zurück im IRD-Department, um meine nun vollständigen Unterlagen abzugeben! Neben dem Schreiben von Bewerbungen, verbrachte ich die nächsten Tage damit, mir endlich auch einmal etwas von Wellington anzuschauen. Außerdem hatte ich beim Blick in die Packtaschen mit schrecken festgestellt, dass ich im Falle eines Bewerbungsgesprächs noch nicht einmal saubere, geschweige denn passende Kleidung im Gepäck hatte. Genau genommen, war die Kleidung kaum gut genug um überhaupt noch irgendwo in der Zivilisation aufzutauchen, weshalb ich beschloss auch hier  etwas Abhilfe zu schaffen! Außer irgendwelchem Papierkram und jeder Menge Shoppinggelegenheiten, gab es in Wellington aber natürlich auch noch etwas Anderes zu sehen!

24-Pfünder auf dem Mount Victoria
24-Pfünder auf dem Mount Victoria

Fürs erste machte ich eine kleine „Wander-“tour zum „Mount Victoria“ Von hier hat man neben der Sicht auf die verschiedenen Stadtteile auch eine hervorragende Sicht auf den Flughafen! Neben der hervorragenden Aussicht blieb mein Blick an einem 24-Pfünder hängen. Diese Kanone wurde ab 1877, 23 Jahre lang jeden Mittag um 12 abgefeuert um der Bevölkerung die Zeit mitzuteilen – Auch so kann man Kirchenglocken ersetzen! Aber Wellington hat neben Kanonen natürlich noch mehr zu bieten!

Deshalb hatte ich die nächsten zwei Tage für den Besuch im, übrigens kostenlosen, „Te Papa Museum“ angesetzt. Doch auch hier wurde ich direkt wieder mit Kanonen konfrontiert. Dieses Mal ging es aber nicht um fröhliches 12-Uhr schießen, sondern um die Schlacht um Gallipoli im ersten Weltkrieg! Hierzu gab es nämlich im „Te-Papa“ eine recht große und vor allem interessante Ausstellung! Nachdem ich mich etwa 15 Minuten angestellt hatte, konnte ich die Ausstellung dann auch endlich betreten. Direkt hinter dem Eingang, fiel der Blick direkt auf eine etwa 4 Meter große Figur von Lieutenant Spencer Westmacott, der in der Schulter getroffen und mit erhobenem Revolver auf dem Boden liegt. Besonders beeindruckend ist vor allem die detailgetreue Nachbildung der Personen, die vor allem in Details wie den Haaren, der Schweißbedeckten Haut oder den nachgebildeten Wunden sichtbar wird! Auch in den weiteren Räumen sind immer wieder  riesige Figuren ausgestellt. So ist neben einem Sanitäter und der Besatzung eines Maschinengewehrs auch die Figur  einer Krankenschwester nachgebildet! Zu jeder der Figuren gibt es natürlich auch die Geschichte, die hinter den Figuren steht dazu!

Figur von Westmann Scott im Te Papa Museum
Figur von Spencer Westmacott
im Te Papa Museum

Durch die ausgestellten Personen, werden die Einzelschicksale noch einmal deutlich persönlicher und deutlicher als in reinen Zahlenvergleichen aufgezeigt, was man auch an der Betroffenheit der meisten Besucher sehen konnte.  In anderen Teilen der Ausstellung sind neben den verschiedenen Waffen auch Modelle von Schützengräben oder Bunkeranlagen zu sehen! Besonders interessant fand ich hier die Schnittansichten der Bunkeranlagen, an denen man die Position der Lagerräume, Ruheräume, Nachschublinien und natürlich der Gräben sehen konnte! Am Ende der Ausstellung hatte ich genug gesehen und beschloss den anderen Teil des Museums  erst am nächsten Tag anzuschauen. In den anderen Teilen fand ich besonders den Teil über den geologischen Teil über die Anordnung der verschiedenen Erdteile interessant. Dieses Thema ist in Neuseeland besonders interessant, weil hier zwei verschiedene Erdplatten aufeinandertreffen und es deshalb vergleichsweise oft zu Vulkanausbrüchen oder Erdbeben kommt. Aus diesem Grund, gibt es sogar einen extra Teil über die erdbebensichere Einrichtung in Häusern oder ein Modellhaus, in dem das Gefühl eines Erdbebens simuliert wird. Zu Ersterem gehören beispielsweise Dinge wie das Festschrauben der Schränke oder eine kleine Schnur vor dem Bücherregal, damit die Bücher bei einem Erdbeben an Ort und Stelle gehalten werden.

Doch auch neben Kriegen und Katastrophen hat das Museum einiges zu bieten. Direkt neben der geologischen Ausstellung befindet sich eine Ausstellung über die Tier und Pflanzenwelt in und um Neuseeland. Besonders imposant sind hier Das Skelett eines Blauwals, sowie ein riesiger toter Tintenfisch, der erst vor einigen Jahren aus dem Meer gefischt wurde! Das nächste Stockwerk ist der Geschichte Neuseelands gewidmet. Neben der Geschichte der Besiedelung, die sich im Wesentlichen in die Besiedelung durch die Maori, sowie die Besiedelung durch die Europäer unterteilt, geht es hier auch um die Landschaftliche Veränderung. Auch wenn bereits durch die Maori einige Wälder gerodet wurden, oder neue Tier- und Pflanzarten eingeführt wurden, kamen die schwerwiegenden Veränderungen erst mit den Europäern ins Land. Heute ist man in Neuseeland sehr bemüht, wieder einen Ausgleich zwischen den Maori und den europäisch stämmigen Neuseeländern herzustellen. Neben Landrückgaben, beinhaltet dies auch die offizielle Anerkennung der maorischen Sprache. Sogar einige Teile im Museum sind in Englisch UND Maori verfasst. Des Weiteren ist man heutzutage auch sehr am Naturschutz interessiert. Neben den vielen Nationalparks und den sorgfältigen Kontrollen bei der Einreise, ist das Land beispielsweise auch vollständig frei von Kernenergie.

Kriegsdenkmal in Wellington
Kriegsdenkmal in Wellington

Für den nächsten Tag hatte ich die Besichtigung des Kriegsmuseums geplant. Leider war der Eintritt seit einigen Tagen nicht mehr kostenlos, sondern kostete jetzt 15 NZD also etwa 9 Euro. Wie sich schnell herausstellte, war es diesen Betrag aber definitiv wert –zumindest dann, wenn man am 1. Weltkrieg interessiert ist. Direkt hinter dem Eingang ist in der Halle eine Straße nachgestellt, in der auf verschiedenen Tafeln die Geschichte des 1. Weltkriegs erklärt wird. Im weiteren Verlauf des Besuchs, werden verschiedene Waffen sowie Uniformen ausgestellt. Besonders überrascht hat mich hier eine Uniform, die wie aus dem Mittelalter aussieht und dazu konzipiert war, Soldaten in besonders gefährdeten Positionen– zum Beispiel am Maschinengewehr zu schützen. Auch die Ausgestellten Keulen überraschten mich sehr, da ich diese eher in die Steinzeit datiert hätte, als in den 1. Weltkrieg. Gedacht waren Sie dazu, gegnerische Gräben im Nahkampf und ohne großen Lärm zu erobern! Neben den kleineren Waffen, waren hier aber unter anderem auch ein Panzer, ein Flugzeug oder ein Modell von schwerer Artillerie ausgestellt. Direkt im Anschluss an das Museum folgte eine Ausstellung mit Bildern und Texten aus dem ersten Weltkrieg. Außerdem war hier ein riesiges Modell des Schlachtfelds von Gallipoli und dessen Umfeld ausgestellt.

Wellington vom Botanischen Garten
Wellington vom Botanischen Garten

Wer, so wie ich, eine halbe Ewigkeit in Wellington ist, kann außerdem den botanischen Garten besuchen. Glücklicherweise war ich allerdings nicht der einzige, der in Wellington zu wenig zu tun hatte. Durch Zufall traf ich Janina aus Berlin im Hostel die ebenfalls in den botanischen Garten wollte. Wer zu viel Geld hat, kann mit der Seilbahn in den botanischen Garten fahren, alle anderen (wir eingeschlossen) können aber auch relativ schnell hoch laufen! Oben angekommen hat man eine hervorragende Aussicht auf Wellington. Außerdem steht hier (mal wieder) eine Kanone aus dem 1. Weltkrieg herum – Ja auf den scheinen die Neuseeländer mächtig stolz zu sein. Dieses Mal handelte es sich um ein erbeutetes deutsches Modell aus den Krupp-Werken! Im „Garten“ selbst kann man dagegen wunderbar entspannen. Die verschieden kleinen Wanderwege im Grünen, boten eine willkommene Abwechslung zur Stadt. Auf dem Rückweg zum Stadtzentrum schauten wir uns noch die Gewächshäuser der Stadt an. Da sich für mich die meisten Blumen und Pflanzen jedoch im Wesentlichen nur durch Farbe und Größe unterscheiden, war es für mich eher entspannend als interessant.

 

Nach etwa 3 Wochen in Wellington wurde es für mich Zeit, Richtung Norden aufzubrechen! Wie ich in verschieden Jobagenturen im Internet gesehen hatte, standen die meisten Jobs in der Industrie nämlich in Auckland zur Verfügung. Am 15.03.2016 verließ ich daher Wellington und machte mich auf den Weg Richtung Norden!

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Kommentare: 2
  • #1

    Martin (Montag, 25 April 2016 18:51)

    Hallo Emil,
    schön zu lesen, dass es dir gut geht. Ja, das glaube ich, dass es wieder eine große Umstellung ist, nun im sauberen, gepflegten und durchorganisierten Neuseeland unterwegs zu sein. Ist ja fast wie hier im Ländle :-).

    Mein Neffe war vor 2 Jahren auch für ein Jahr in Neuseeland unterwegs. Hatte sich dort einen Mini, Bj. 1968 gekauft und ist mit diesem, unterbrochen von einigen Jobs, durch Neuseeland gekurvt. Der schöne Mini steht nun bei ihm zu Hause in der Nähe von Pforzheim.
    Bin gespannt, wie es dir in Neuseeland gefällt.
    Ich mag lieber die ursprünglichen und ärmeren Länder. Hier sind auch die Kontakte zu den Menschen ehrlicher und intensiver und man nimmt sich für das eigene Leben viel mit nach Hause.

    Ich wünsche Dir weiterhin eine schöne und erlebnisreiche Tour. Lass dir ja Zeit :-)

    Liebe Grüße aus dem kalten Ländle. (Heute hatte es hier geschneit :-( )

    Martin

  • #2

    Emil (Mittwoch, 27 April 2016 06:45)

    Hallo Martin,
    ja das war zunächst mal ne ganz schöne Umstellung. Aber nach den ganzen anderen Ländern war es mal wieder schön "heim" zu kommen! Ein Auto habe ich derzeit mal noch nicht geplant, hab ja schließlich mein Rad nicht umsonst mitgenommen. Aber fürs erste heißt es jetzt ohnehin einmal arbeiten. Aber Pläne sind ja bei mir auch eher flexibel ;)
    Wann geht es denn eigentlich bei dir wieder los?

    Viele Grüße zurück, aus dem kälter werdenden Neuseeland!

    Emil