Von Wellington nach Auckland

Am 15. März verließ ich Wellington endlich in Richtung Norden. Da ich allerdings über 2 Monate nicht mehr auf dem Fahrrad gesessen hatte, war das deutlich schwieriger als zunächst angenommen. Neben den vielen Hügeln, machte mir auch der Gegenwind ordentlich zu schaffen! Nach etwa 90 Kilometern, hielt ich schließlich auf einem Kostenlosen Campingplatz südlich von Levin. Zu meiner Überraschung, fanden sich hier gegen Abend etwas über 20 Fahrzeuge ein. Da es zu regnen begonnen hatte, war mir die Hütte mehr als willkommen, um zumindest im Trockenen kochen zu können.

Westküste auf der Nordinsel
Westküste auf der Nordinsel

Zum Schlafen benutzte ich zwei Sommerschlafsäcke, da ich meinen Winterschlafsack von Kirgistan heim geschickt hatte. Den zweiten Schlafsack hatte ich glücklicherweise von Janina bekommen, die schon in wenigen Wochen heimfliegen wollte. Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Norden. Da sich einige, in meiner App eingezeichnete Campingplätze allerdings nur als Parkplatz entpuppten, beschloss ich trotz mäßigem Wetter direkt bis Whanganui durchzufahren! Da das Wetter nicht besser wurde, beschloss ich noch zwei weitere Tage im Hostel zu bleiben. Im Hostel traf ich auf zwei Radfahrer aus Belgien und Großbritannien, die auf dem Weg Richtung Süden fuhren. Auf ihre Empfehlung hin, verließ ich am nächsten Tag die Küstenstraße und wechselte ins Inland auf die „Straße 4“. Von hier bog ich nach einigen Kilometern auf die wenig befahrene aber hügelige Straße Richtung Pipiriki ab.

Auf der Strecke gab es keine Einkaufsmöglichkeiten, weshalb ich froh war, mich vorher mit ausreichenden Vorräten eingedeckt zu haben. Auch wenn es auf der Strecke einen kostenlosen Campingplatz gab, beschloss ich direkt weiter bis Pipiriki zu fahren, um endlich weiter Richtung Norden zu kommen. Hier fand ich einen kleinen Campingplatz vor, auf dem ich für 7,50 Dollar (knapp 5 Euro) übernachten konnte. Da es keine Duschen gab, musste der nur 200-300 Meter entfernte Bach für ein Bad herhalten.

Whanganui river
Whanganui river

Für den nächsten Tag standen nur etwas über 60  Kilometer auf dem Plan, die dafür aber größtenteils bergauf gingen. Erstes Ziel war die Stadt Raetihi, in der ich endlich wieder meine Vorräte auffüllen konnte. Der Weg dorthin war allerdings nicht nur wunderschön, sondern auch ordentlich anstrengend, da es zu, größten Teil bergauf ging. Nach einer etwas längeren Pause in Raetihi, wurde es Zeit auf die Hauptstraße zu wechseln um endlich zum Nationalpark zu gelangen. Neben dem stetigen Bergauf, kam hier dann auch noch kräftiger Gegenwind dazu. Trotzdem erreichte ich am Abend die „Stadt National Park“. Da es hier nachts bereits empfindlich kalt wurde, hielt sich meine Begeisterung fürs Campen ohne Isomatte und Winterschlafsack eher in Grenzen, weshalb ich beschloss die nächsten zwei Tage in eine Hostel zu gehen. Für den nächsten Tag hatte ich nämlich das „Tongariro-crossing“ vorgesehen. Im Hostel fand ich einige andere Reisende, die ähnlich Pläne und ein Auto hatten. Nach einer Stunde Autofahrt erreichten wir das nördliche Ende des Wanderwegs, wo wir unser Auto parkten. Nach einer Stunde wandern, erreichten wir eine Gabelung, wo es die Möglichkeit gab auf den Mount Ngauruhoe (auch Mt. Doom genannt) zu steigen.

Auf dem Schicksalsberg im Tongariro Nationalpark
Auf dem Schicksalsberg
im Tongariro Nationalpark

An diesem Berg wurde die Szene am Schicksalsberg in Herr der Ringe gedreht. Natürlich entschieden wir uns trotz Warnschildern für den Aufstieg! Dieser stellte sich allerdings als langwieriger heraus, als wir zunächst angenommen hatten. Auf dem weichen Vulkansand ging es meist etwa 3 Schritte vorwärts, während man 2 Schritte zurück rutschte. Durch die fast endlose Zahl von Touristen, wurden zudem immer wieder kleinere Steine los getreten. Erst nach der Hälfte, konnten wir weiter nach links wechseln, wo das Terrain deutlich solider wurde. Als wir den Kraterrand des Vulkans erreichten, mussten wir feststellen, dass die Sicht auf die umliegenden Seen durch Wolken verdeckt war. Dafür war die andere Seite weitestgehend klar und gab uns damit die Sicht auf eine große Ebene frei. .

Schicksalsberg im Tongariro Nationalpark
Schicksalsberg im Tongariro Nationalpark

Spätestens durch den Abstieg wurden wir für den anstrengen Aufstieg belohnt, zumindest diejenigen die es mögen, wie ein Kind im Sandkasten den Berg runter zu rutschen! Gerade auf der von oben gesehen linken Seite des Aufstiegs, waren kaum Touristen, weshalb man nicht sonderlich auf lose Steine achten musste und einfach nach unten rennen, springen und rutschen konnte. Unten angekommen, setzten wir den regulären Wanderweg in Richtung der Seen fort. Da das Wetter allerdings zunehmend schlechter wurde, verzichteten wir auf das Erklimmen des zweiten Bergs, da wir ohnehin keine Aussicht gehabt hätten. Auch von der Hauptattraktion den Seen, sahen wir nur einen kleinen Teil! Als wir am späten Nachmittag den Parkplatz auf der anderen Seite des Nationalparks erreichten, ging es darum den Rückweg zu organisieren. Eigentlich wollten wir in der Mitte des Wanderwegs mit anderen Backpackern die Fahrzeugschlüssel tauschen, um den mit 30 Dollar eher teuren Shuttle zu sparen.

Tongariro Nationalpark
Tongariro Nationalpark

Allerdings hatten wir diese verpasst, weshalb doch einer von uns mit dem Bus zurück zum anderen Parkplatz zurück musste, um das Auto zu holen. Da wir die 30 Dollar allerdings durch 5 teilen konnten, hielten sich die Kosten trotzdem in Grenzen. Am nächsten Morgen spürte ich dann deutlich, dass ich das Laufen absolut nicht mehr gewöhnt war. Trotz einem deftigen Muskelkaters, beschloss ich weiter bis Turangi zu fahren. Um genau zu sein, wurde  das vielmehr für mich durch den Umstand beschossen, dass alle bezahlbaren Unterkünfte in der Gegend ausgebucht waren. Bis Turangi waren es allerdings nur etwas mehr als 50 Kilometer, die abgesehen von einigen kleineren Anstiegen sogar größtenteils bergab gingen. In Turangi fand ich schließlich ein günstiges Hostel, in dem ich 4 Tage blieb, um das schlechte Wetter auszusitzen. Von hier ging es dann weiter Richtung Taupo am nördlichen Ende des Taupo-See. Nach dem ich im örtlichen Supermarkt meine Vorräte aufgefüllt hatte,  ging es für mich weiter auf den örtlichen Kostenlosen Campingplatz. Der Campingplatz hatte mehr die Atmosphäre eines Festivals, als das eines Campingplatzes. Da an einen frühen Schlaf daher ohnehin nicht zu denken war, besorgte ich mir ausreichend Bier und gesellte mich zu den Anderen! Nach einer eher kurzen Nacht, musste ich mich am nächsten Morgen erstmal für die Weiterfahrt motivieren. Erst gegen 11:00 Uhr und einem Bad im Bach, startete ich gemütlich Richtung Norden. Trotzdem erreichte ich am späten Nachmittag den nächsten kostenlosen Campingplatz in der Nähe von Whakamaru. Hier gab es zwar auch einige Backpacker, aber die Atmosphäre war bedeutend ruhiger. Der Stausee eignete sich zudem hervorragend um mal wieder etwas Schwimmen zu gehen. Gegen Abend, war dann auch die letzte Musik auf dem Platz verstummt und ich konnte endlich schlafen gehen.

Hobbiton
Hobbiton

Für den nächsten Tag stand bereits Hobbiton auf dem Programm! Ja ihr habt richtig gelesen, es ging nach Hobbiton, also ab ins Auenland um die Hobbits aus „Herr der Ringe“ zu besuchen – oder zumindest deren Höhlen. Nur einen Kilometer entfernt, fand ich einen Campingplatz, auf dem ich die nächsten 2 Tage bleiben konnte. Die Führung  in Hobbiton ist zunächst einmal teuer! 79 (neunundsiebzig) Neuseeländische Dollar wurden für die 2 Stündige Führung fällig! Im Gegenzug erhält man dafür aber auch viele Hintergrundinformationen zu den Dreharbeiten. So wurden beispielsweise alle Hüten in 2 verschiedenen Größen gebaut um die Hobbits und die größeren Charaktere in unterschiedlichen Größen erscheinen zu lassen. Auch ist es interessant, dass keine einzige Der Hobbithöhlen überhaupt eingerichtet ist, da alle Szenen in Studios gefilmt wurden. Auch der wunderschöne grüne Baum über der Höhle von Bilbo Beutlin ist nicht original. Der Baum wurde komplett künstlich aufgebaut und sogar künstlicher Blätter aus Taiwan bestellt. Da dem Regisseur Peter Jackson die Farbe der Blätter nicht gefiel, wurden diese sogar alle nochmal neu angemalt. Einziger kleiner Nachteil: Wenn man die Führung gesehen hat, wird man den Film ständig mit anderen Augen betrachten. Den Rest des Tages verbrachte ich auf dem Campingplatz, wo ich es mir erlaubte einfach einmal nichts zu machen. Am nächsten Tag wollte ich dann bereits den nächsten kostenfreien Campingplatz an der Nordküste erreichen, weshalb ich bereits recht früh aufs Rad stieg – immerhin lagen etwa 115 Kilometer zwischen dem Ziel und mir. Auch wenn ich versuchte der Hauptstraße bestmöglich auszuweichen, musste ich immer wieder auf die viel befahrene Straße 27 wechseln. Trotzdem kam ich gut voran und erreichte bereits am Nachmittag die Küste. Glücklicherweise fand ich wenige Kilometer vor dem eigentlichen Ziel noch eine Ausstellung über die örtlichen Vögel. Natürlich ließ ich Diese um diese Uhrzeit erstmal links liegen und rannte direkt zum nächsten Wasserhahn.  Mit frisch aufgefüllten Wasservorräten erreichte ich am späten Nachmittag schließlich den Campingplatz.

Küste nördlich von Kaiaua
Küste nördlich von Kaiaua

Wie überall traf ich natürlich genügend deutsche Backpacker, um den Abend zu verbringen. Da ich am nächsten Morgen ohnehin etwas später los wollte, um das Zelt trocknen zu lassen, traf es sich ganz gut, dass ich die Gelegenheit hatte Bier zu kaufen und mit andern Reisenden über die Reise zu plaudern. Für den nächsten Tag war die finale Etappe nach Auckland geplant. Da ich mir bereits ein Hostel gebucht hatte, musste ich dieses Ziel am selben Tag erreichten. Auch wenn ich den Campingplatz erst gegen 10:30 Uhr verließ war Auckland mit 90 Kilometern Entfernung im Rahmen des Möglichen. Nach einem halben Tag wurde der Verkehr allerdings deutlich zäher – immerhin fuhr ich in eine 2,5 Millionen Einwohnerstadt. Trotz aller Ampeln erreichte ich gegen 6 Uhr abends das Stadtzentrum, wo es im Hostel dann erst einmal eine Dusche und anschließend eine günstige Pizza von nebenan gab.

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