Dschungel, Tempel und ein Foltergefängnis - unterwegs in Kambodscha

Von der Grenze zwischen Kambodscha und  Thailand waren es nur noch etwa 10 Kilometer bis Koh Kong, welches ich am frühen Nachmittag erreichte. Den ersten Stopp legte ich an einem Geldautomaten ein, um mich mit US-Dollar einzudecken, die hier neben der Lokalwährung ebenfalls akzeptiert werden, Für 8 $ fand ich in der Stadt dann ein Hotel, das mir alles bot, was ich brauchte. Als ich draußen etwas essen wollte, kam allerdings das erste Problem: Mein 10 Dollarschein wurde nicht akzeptiert, da er zu groß war. Am Geldautomaten bekommt man aber mit einer ausländischen Karte allerdings nur US-Dollar und der Umtausch hatte heute geschlossen! Schlussendlich konnte ich mein Geld im Hotel wechseln, um mir zumindest etwas zu Essen kaufen zu können.

Piste durch den Dschungel
Piste durch den Dschungel

Da ich mich am nächsten Morgen, noch nicht wirklich fit fühlte, beschloss ich einfach noch eine weitere Nacht im Hotel zu bleiben,  um mich auszuruhen und an meinem Blog zu schreiben. Wie sich am nächsten Tag herausstellte eine wahrlich gute Entscheidung, den die Etappe war relativ hart zu fahren. Zwischen mir und dem nächsten Hotel lagen etwa 108 Kilometer, die zudem sehr hügelig und Teilweise verschlammt waren. Im Gegenzug verlief die Strecke direkt durch den Dschungel, was die Fahrt deutlich interessanter machte. Auch die hügelige Landschaft bot hervorragende Ausblicke in die Täler. Da ich den ganzen Tag, von ein paar Keksen abgesehen, nichts gegessen hatte, war ich froh am Abend endlich ein Hotel, bzw. noch viel wichtiger ein Restaurant, zu erreichen! Auch am nächsten Tag wurde ich auf der Piste durch zum Teil sehr starke Anstiege gefordert. Dafür hatte ich an diesem Tag nur etwa 50 Kilometer zu fahren, da ich in Pramaoy in einem Hotel übernachten wollte. Auf etwa halber Strecke, kam mir ein älterer Holländer mit einem Roller entgegen, der mir erzählte, dass die Piste nördlich von Pramaoy derzeit kaum passierbar sei.

Für mich bedeutete dies etwa 100 Kilometer Umweg, um nach Battambang zu gelangen. Wir tauschten uns noch eine Weile über die verschiedenen Pisten in der Region aus, ehe ich meinen Weg fortsetzte. Am frühen Nachmittag erreichte ich schließlich ein kleines Hotel in Pramaoy, welches mir der Holländer empfohlen hatte. Am nächsten Morgen, ging es bereits recht früh zurück auf die Straße. Als Ziel hatte ich ein Hotel in Pursat gewählt, dass ich am Abend erreichen wollte. Allerdings trennten mich etwa 116 Kilometer von dieser Stadt. Erschwerend kam hinzu, dass die ersten 80 Kilometer aus staubiger Piste bestanden!

Dschungel von Kambodscha
Dschungel von Kambodscha

Am Abend hatte ich den Staub, der von den vorbeifahrenden LKWs aufgewirbelt wurde, über den ganzen Körper verteilt. Die Dusche war nach einem solchen Tag mehr als willkommen! Da ich von den vorrangegangenen Tagen noch relativ müde war, beschloss ich spontan noch eine Nacht länger zu bleiben. Erst am nächsten Tag erreichte ich die Stadt Battambang. Damit war ich nur noch eine Tageseinheit von Siem Reap entfernt, welches ich am nächsten Tag schließlich auch erreichte! Wer schon einmal in Südostasien war, verbindet Siem Reap automatisch mit der riesigen Tempelanlage um Angkor Wat, die natürlich auch bei mir ganz oben auf der Wunschliste stand. Gleich am nächsten Morgen machte ich mich zusammen mit einer anderen Deutschen auf den Weg zur Tempelanlage. Da wir zum Sonnenaufgang dort sein wollten, verließen wir bereits gegen 5 Uhr morgens das Hostel. Zunächst, galt es den Ticketschalter ausfindig zu machen, um ein Ticket zu kaufen. Der Preis ist mit 20 US-Dollar für einen Tag bzw. 40 US-Dollar für ein Dreitagesticket verhältnismäßig hoch! Naja aber man muss es eben mal gesehen haben. Also kaufte ich mir ein Tagesticket und machte mich auf den Weg. Gerade noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang erreichten wir den Tempel Angkor Wat, welcher der gesamten Anlage seinen Namen verliehen hat.

Sonnenaufgang bei Angkor Wat
Sonnenaufgang bei Angkor Wat

Da der Tempel bereits um diese Uhrzeit mit Touristen überfüllt war, beschlossen wir direkt nach dem Sonnenaufgang weiter zum Tempel Angkor Thom zu gehen. Auf dem Weg dorthin wurden wir von einer Horde Affen begrüßt, die hier neben dem Weg durch die Gegend rannte – immerhin die ersten „wild“ lebenden Affen, die ich in meinem Leben zu Gesicht bekam. Nach dem wir den Tempel angeschaut hatten, verabschiedeten wir uns, da Sie die restlichen Anlagen bereits in den Tagen zuvor besichtigt hatte. Für mich ging es nun weiter mit dem Rad, um das riesige Areal zu besichtigen. An den einzelnen Tempelanlagen schloss ich mein Rad jeweils an, um die Anlagen zu Fuß weiter zu erkunden. Besonders beeindruckten mich die Detailgenauigkeit der Skulpturen sowie die Größe der Anlagen! Glücklicherweise hatte es ein großer Teil der Touristen allerdings nur auf den Tempel Angkor Wat selbst abgesehen, wodurch es im hinteren Teil zumindest etwas ruhiger wurde! Trotzdem waren hier noch mehr als genug Touristen und zumindest gefühlt genauso viele Händler, die durch die Gegend schrien, um ihr Essen an den Mann zu bringen! Da die Preise überteuert waren und mir außerdem das Schreien auf den Nerv ging, beschloss ich ohne Essen weiter zu fahren! Nach einer langen Rundfahrt erreichte ich am späten Nachmittag wieder den Haupttempel Angkor Wat, der allerdings immer noch überfüllt war. Da ich keine Lust mehr hatte noch mehr als eine halbe Stunde anzustehen, beschloss ich auf den Rundgang in diesem Tempel zu verzichten.

Tempel in Angkor
Tempel in Angkor

Auf dem Weg zum Ausgang, kam mir abermals eine Horde Affen entgegen, die dieses Mal sogar noch ihre Kletterkünste in den Bäumen unter Beweis stellten! Bis ich am Abend schließlich am Hostel ankam, zeigte der Tacho mehr als 45 Kilometer. Außerdem war es nach über zwölf Stunden auch dringend mal wieder an der Zeit etwas zu essen. Am folgenden Tag, machte sich der Schlafmangel in Verbindung mit dem Sport dann doch bemerkbar, weshalb ich beschloss noch einen Tag länger Zu bleiben. Bei der Recherche für die kommenden Tage stellte ich schnell fest, dass diese wohl recht langweilig werden würden, da es sich um eine größere Straße ohne auch nur einen einzigen Berg handelte. Da mein Visum für den Vietnam bereits am nächsten Tag begann, beschloss ich mit dem Nachtbus zumindest die etwa 320 Kilometer bis Phnom Pen abzukürzen. Da der Bus erst um 23:00 Uhr abfuhr, hatte ich damit außerdem noch einmal einen Ruhetag und konnte mir auch eine Übernachtung sparen. Beim ersten Busunternehmer, wusste leider niemand, ob für das Fahrrad überhaupt noch Platz sein würde, weshalb ich in dieser Hinsicht doch etwas verunsichert war. Glücklicherweise kannten die Besitzer des Hostels noch einen weiteren Unternehmer, der mir den Platz mit Sicherheit anbieten konnte. Dafür kostete die Fahrt 12 statt 9 US-Dollar und für das Rad kamen noch einmal 5 Dollar hinzu – ein fairer Preis wie ich finde! Am Abend war es dann endlich soweit, die Fahrt konnte beginnen. Neben drei Mopeds wurden auch mein Rad und die beiden hinteren Packtaschen ordentlich im unteren Teil des Buses verstaut. Meinen Rucksack und meine Lenkertasche wollte ich dagegen im oberen Teil haben. Als ich das „Bett“ sah, bereute ich diese Entscheidung schnell, da dieses sehr kurz war. An ein ausgestrecktes Liegen war hier nicht zu denken und der Rucksack machte die Sache nicht gerade besser. Zu meinem Glück, blieb der Platz neben mir allerdings leer, was mir zumindest ein wenig mehr Komfort verschaffte! Nach etwa sechs Stunden die ich in einem schlafähnlichen Zustand verbrachte, erreichte der Bus schließlich Phnom Pen und damit die Hauptstadt Kambodschas! Ich machte mich direkt auf den Weg zum „Nomads Hostel“, welches ich mir zuvor zwar ausgesucht aber nicht reserviert hatte. Netterweise, durfte ich bereits um kurz nach sechs die Dusche benutzen und mein Gepäck unterstellen! Noch bevor ich ein Bett sah, machte ich mich auf den Weg zu Choeung Ek, welches besser unter dem Namen „Killing fields“ bekannt ist. Mit diesem Ort besuchte ich, wie der Name bereits vermuten lässt, einen sehr unschönen Teil der Geschichte Kambodschas!

Schädel in Choeung Ek (Killing fields)
Schädel in Choeung Ek (Killing fields)

Ich bezahlte die 6 Dollar Eintritt und nahm den Audioguide entgegen, welcher sogar auf Deutsch funktionierte. Als ich dem Denkmal näher kam, konnte ich  bereits von außen die im inneren aufgestapelten Schädel erkennen.  Mit dem Gedanken, dass hier noch vor wenigen Jahrzenten unter Pol Pot tausende Menschen hingerichtet wurden, betrat ich nun das Areal.  Während die Häuser und Hütten bereits abgerissen wurden, sind die Gruben der Massengräber noch heute zu erkennen. Wenn man auf den Boden schaut, sieht man noch heute, dass hin und wieder Knochen an die Oberfläche getragen werden, obwohl die Gräber bereits vor einigen Jahren geräumt wurden. In einigen Vitrinen, werden diese Knochen und auch Kleidungsstücke gesammelt und ausgestellt. Besonders die Knochen von Kindern oder Babys die hier ebenfalls brutal hingerichtet wurden, gehen einem hier besonders unter die Haut. Um Munition zu sparen, wurden die Leute hier außerdem nicht etwa erschossen, sondern mit Werkzeugen erschlagen oder im Falle von Kindern einfach gegen einen Baum geschlagen! Der Audioguide lieferte außerdem noch Interviews von Tätern sowie Opfern. Beim Blick auf die anderen Besucher wurde klar, dass diese Geschichten niemanden unberührt lassen. Auch nach dem Hinausgehen, machte ich mir noch eine Weile Gedanken, über das was ich hier gesehen hatte! Doch schon am Nachmittag stand die nächste „Sehenswürdigkeit“ auf dem Plan. Dieses Mal das ehemalige Foltergefängnis der Khmer rouge, wie sich die Anhänger Pol Pots nannten! Die Zellen, erinnerten stark an das Gefängnis der Stasi in Berlin, auch wenn die Bedingungen sowie die Foltermethoden hier ungleich härter waren! Anstelle eines Audioguides, gab es hier nur englischsprachige Tafeln, auf denen die Berichte von Zeitzeugen zu lesen waren!

Essen am Straßenrand
Essen am Straßenrand

Für den nächsten Tag, hatte ich dann auch schon die Abreise geplant – immerhin lagen zwischen mir und Ho Chi Minh City (ehem. Saigon) noch etwa 250 Kilometer! Dank kontinuierlichem Gegenwind, erreichte ich die Grenze zum Vietnam, trotz der flachen Strecke, erst am dritten Tag. In weniger als fünf Minuten, hatte ich Kambodscha verlassen und Stand damit vor der Vietnamesischen Grenze!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              

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