Tropisches Klima und Linksverkehr - Unterwegs in Thailand

Am Vormittag des 28.10.2015, setzte das Flugzeug endlich auf dem Flughafen in Bangkok auf. Beim Verlassen des Flugzeugs, betrat ich damit erstmals ein Land mit tropischem Klima. Im klimatisierten Flughafen war davon natürlich noch nichts zu spüren. Innerhalb von weniger als 5 Minuten hatte ich mein kostenfreies Visum erhalten, ohne dass jemand nach meinem Rückflugticket gefragt hatte. Also ab ans Gepäckband, um das Gepäck einzusammeln. Mit dem Gepäck auf den Schultern machte ich mich nun auf die Suche nach meinem Rad. Der Schalter für Sondergepäck war schnell gefunden und schon von weitem konnte ich mein Fahrrad erkennen. Es war also angekommen! Ein genauerer Blick auf das Fahrrad zeigte, dass sogar alles heile angekommen war, was bei Fahrrädern leider nicht selbstverständlich ist!

Landeanflug auf Bangkok
Landeanflug auf Bangkok

Mit meinem Rucksack auf dem Rücken, meinen, in einem Müllsack verpackten Packtaschen, auf der linken Schulter und dem Fahrrad in der rechten Hand, marschierte ich jetzt zum Ausgang, der auch schnell erreicht war! Hier ging es jetzt daran, meine Packtaschen aus dem mit Klebeband umwickelten Müllsack zu befreien. Gar nicht so einfach, wenn das Taschenmesser IN den Packtaschen ist. Nachdem ich das Taschenmesser endlich befreit hatte, konnte ich auch das Rad endlich wieder aus seiner Verpackung befreien! Noch während dem Auspacken wurde ich von einem anderen Radfahrer aus Deutschland angesprochen, ob wir eventuell zusammen fahren sollen. Da es grundsätzlich immer schön ist, nicht alleine durch die Gegend zu treten, tauschten wir noch schnell unsere Kontaktdaten aus, ehe ich mich auf den Weg in die Innenstadt machte!

Da mir ein anderer Reisender empfohlen hatte, mit dem Skytrain ins Zentrum zu fahren, machte ich mich direkt auf den Weg zur Station. Dort kam dann schnell die Ernüchterung, als man mir sagte, dass Fahrräder hier nicht erlaubt sind. Also blieb mir nur der Weg über die Straße, um in die Stadt zu gelangen. Beim Verlassen des Flughafens hatte ich allerdings das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen. Der Unterschied vom herbstlichen Kasachstan zum tropischen Bangkok, machte sich nun deutlich bemerkbar! Trotzdem entschied ich mich gegen ein Taxi und für die Fahrt auf der eigenen Achse! In der einspurigen Einbahnstraße, verließ ich den Flughafen. Beim ersten Kreisverkehr kam ich allerdings ins Stocken! Warum kommen die mir hier alle entgegen?!

 Straßenführung in Bangkok
Straßenführung in Bangkok

Tja ich hatte die Rechnung ohne den in Thailand herrschenden Linksverkehr gemacht! Also nochmal 15 Meter zurück und linksherum nochmal probieren. Die Zahl der Geisterfahrer ging daraufhin deutlich zurück. Schon nach wenigen Kilometern hatte ich eine 10-12 spurige Straße erreicht. An den lebhaften Linksverkehr gewöhnte ich mich relativ schnell. Zumindest solange, bis ich zum ersten Mal rechts abbiegen musste! Irgendwie stand ich nach dem Abbiegen wieder auf der falschen Seite. Nach 30 Kilometern war ich völlig durchnässt und auch der Schlafmangel machte sich nun deutlich bemerkbar. Ich stoppte in der Tankstelle und kaufte mir einige Getränke. Völlig am Ende suchte ich mir einen Schattenplatz um meinen Körper wieder etwas runter zu kühlen. Bei dem Blick aufs Handy stellte ich fest, dass ich etwa 12 (!) Kilometer in die falsche Richtung gefahren war! Offenbar war beim Abbiegen noch etwas mehr schiefgelaufen. Also zurück auf die Straße und in umgekehrter Richtung zurück. Erst am späten Nachmittag erreichte ich nach 59 Kilometern schließlich das „Betterbed Hostel“, das ich mir ausgesucht hatte! In diesem Moment sah ich wohl recht fertig aus, denn anstatt nach dem Reisepass zu fragen, wurde mir direkt ein Glas Wasser und ein Sitzplatz angeboten. Trotzdem legte ich Wert darauf, mein Gepäck selbst in den dritten Stock zu tragen. Mein Gepäck von einer Frau die vermutlich auch noch jünger ist, in den dritten Stock tragen zu lassen, war nämlich definitiv keine Option! Außerdem war ich es ja gewohnt mein Zeug durch die Gegend zu schleppen. Den nächsten Tag verbrachte ich zum Großteil im Hostel, um mich auszuruhen. Nur um das hervorragende Essen von den Straßenständen zu kosten, verließ ich das Hostel.

Tempel in Bangkok
Tempel in Bangkok

Am nächsten Tag fühlte ich mich fit genug, um etwas in die Stadt zu gehen. Mit dem Skytrain der über der Straße verkehrt, kam ich schnell in die Nähe des historischen Zentrums. Von dort musste ich allerdings immer noch über eine halbe Stunde laufen, um die ersten Sehenswürdigkeiten zu erreichen. Nach den ehemaligen Sowjetstaaten, genoss ich es, neben Leninstatuen und Plattenbauten auch andere Sehenswürdigkeiten zu sehen. Außerdem war das Essen hier bedeutend vielseitiger und vor allem günstiger! Trotz allem, war der Tag aufgrund der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit recht anstrengend und ich war froh, abends wieder zurück im klimatisierten Hostel zu sein. Innerhalb der nächsten Tage, nutzte ich die Zeit, um mir etwas die Stadt anzuschauen! Ein Besuch in einer Skybar, durfte da natürlich auch nicht fehlen. Dafür war es einfach zu schön, zusammen auf dem Dach eines der Hochhäuser zu sitzen und gemütlich einen Cocktail zu trinken! Außerdem konnte man hier auch bestens die Aussicht über das hellerleuchtete Bangkok genießen. Um in Bangkok auch noch etwas Sinnvolles zu tun, beantragte ich außerdem mein Visum für Vietnam. Zwar kann man an der Grenze ein 15 Tage Visum erhalten, aber ich wollte eben länger bleiben. Da ein Expressvisum deutlich teurer war als das normale, beschloss ich nochmal 3 Tage in Bangkok zu bleiben. Eine teure Entscheidung wie sich später herausstellen sollte! Als ich am nächsten Abend zusammen mit zwei anderen in die Stadt ging, schaffte ich es nämlich irgendwie mein Smartphone zu verlieren! Zurück im Hostel, ging ich direkt ins Internet um zu schauen, um mein Smartphone noch irgendwo online war, aber vergeblich! Also hieß es nun sämtliche Passwörter zu ändern und mir die Daten wieder zu beschaffen! Auch am nächsten Morgen war mein Smartphone noch nicht online, weshalb ich mir wohl oder übel ein neues kaufen musste. Nach einem langen Vergleich, entschied ich mich schließlich für ein Mittelklasse Phone von Samsung, was aber leider nicht wasserdicht ist. Netterweise, boten mir die Inhaber des Hostels nicht nur an, den Preis für mich auszuhandeln, sondern brachten mir das Telefon gleich mit ins Hostel! Ich entschied mich trotzdem, noch einen Tag länger zu bleiben, um mein neues Smartphone einzurichten und meinen Hinterreifen zu reparieren. Bei letzterem tauchte dann schon wieder das nächste Problem auf. Beim Anziehen der Schraube an meiner Hinterradachse, riss diese ab. Also packte ich die sterblichen Überreste in eine Tüte und machte mich auf den Weg in die Stadt, um Ersatz zu besorgen. Im nächsten Geschäft, fand ich glücklicherweise eine gebrauchte Achse, die lang genug und mit etwa 2,50 Euro zudem auch noch günstig war. Damit war das Rad wieder einsatzbereit, weshalb ich am Abend Zeit hatte um noch etwas nach draußen zu gehen!

Blick über Bangkok bei Nacht
Blick über Bangkok bei Nacht

Am folgenden Morgen wurde dann endlich das Rad bepackt, um endlich los zu fahren. Der erste Tag war wie erwartet, recht bescheiden zu fahren, da ich dauerhaft zwischen zwei und fünf Spuren und entsprechenden Lärm hatte. Überrascht war ich dagegen, als ich südlich von Bangkok Radwege vorfand, die sogar nutzbar waren! Am Abend suchte ich mir in Chon Buri schließlich ein Hotel. Allerdings hatte ich das Gefühl, am thailändischen Ballermann gelandet zu sein. Beste Voraussetzungen also, um den Ort so schnell wie möglich wieder zu verlassen! Auch am nächsten Tag wurde die Strecke nicht wirklich besser. Trotzdem fuhr ich bis Pattaya, was mir aber ebenfalls viel zu touristisch war. Als ich gerade in die Stadt fuhr, wurde ich von einem anderen Touristen gefragt, ob ich russisch könne. Da ich von den ehemaligen Sowjetstaaten noch ein wenig konnte, antwortete ich wahrheitsgemäß mit „Ja ein bisschen“. Da er kein Englisch konnte, fragte ich für ihn nach dem Weg und übersetzte es eben so gut es ging ins Russische. An meinem Hotel angekommen, stellte ich fest, dass diese Straße vollständig auf russische Urlauber ausgelegt war! Dies hatte für mich zwar den Vorteil, dass ich die Speisekarte überall einigermaßen lesen konnte. Dafür musste ich eine ganze Weile suchen, um etwas anderes, als russische Gerichte zu finden, von denen ich in den letzten Monaten genug gegessen hatte!

Strand in Thailand
Strand in Thailand

Da die Straße auch am nächsten Tag nicht ruhiger wurde, entschloss ich mich nach etwa 15 Kilometern links abzufahren und die Küste fürs erste zu verlassen. Eine wahrlich gute Entscheidung. Als ich ein Restaurant am Straßenrand sah, viel mir ein, dass ich noch kein Frühstück hatte. Am liebsten esse ich ohnehin an irgendwelchen Straßenrestaurant, da man dort sehr günstig und super essen kann. Meist zeichnen sie sich dadurch aus, dass die Betreiber kaum englisch können, die Hygiene eher fragwürdig ist und dort vor allem Taxi und LKW-Fahrer anzutreffen sind. Entweder zeige ich auf irgendwas Gutaussehendes auf der Theke. Wenn das Essen in irgendwelchen Töpfen ist, warte ich bis irgendjemand bestellt, zeige auf das Essen und deute mit den Fingern an, dass ich davon gerne eines hätte. Somit ist die Kommunikation recht einfach und da man nie genau weiß was man den da bestellt, kommt auch noch etwas Abwechslung rein! Bislang hatte ich dabei Fisch, Meeresfrüchte, Hühnchen, Schweinefleisch oder auch Innereien erwischt. Dieses Mal wurde ich sogar auf Englisch vorgewarnt, dass das Essen recht scharf sei. Ich hielt das für die normale Touristenwarnung und bestellte trotzdem. Auch wenn ich zuvor schon recht scharf gegessen hatte, hatte es dieses Essen absolut in sich. Gegessen wurde es natürlich trotzdem und der Magen hatte damit wohl mit dem heftigsten Frühstück seines Lebens zu kämpfen! Mit brennender Zunge ging es zurück auf die Straße und weiter Richtung Südosten. Leider hatte ich bereits nach wenigen Kilometern wieder die Küste und damit auch die Hauptstraße erreicht. Glücklicherweise konnte ich die Hauptstraße schon bald wieder verlassen und anstelle direkt an der Küste langfahren. Hier war eindeutig zu sehen, dass die Infrastruktur rein auf Tourismus ausgelegt war. Allerdings konnte ich kaum Touristen vorfinden, was für mich umso besser war. Am Abend schlief ich in einem kleinen Hotel und erstmals in Thailand ohne Klimaanlage.

Fluss in Thailand
Fluss in Thailand

Am nächsten Tag, ging es auf einer recht ruhigen Strecke der Küste entlang weiter Richtung Osten. Am Abend wagte ich es erstmals im Zelt zu schlafen. Da mein Zelt nicht selbststehend ist und nur zusammen mit dem Außenzelt aufgebaut werden kann, wurde es im Zelt schnell ungemütlich warm. Nach einiger Zeit schlief ich trotz kontinuierlichem Schwitzen schließlich doch ein! Von Sonnenstrahlen geweckt, stand ich am nächsten Morgen bereits um 06:30 Uhr auf. Leider war das Zelt noch nicht trocken genug um zu starten. Eine Stunde später saß ich dann aber doch endlich auf dem Rad. Auch der nächste Radeltag, begann mit einer landschaftlich schönen und ruhigen Landstraße. Erst nach etwa 30 Kilometern, musste ich zurück auf die Hauptstraße wechseln, die hier aber größtenteils „nur“ noch vierspurig ausgebaut war. Auch der Verkehr war hier deutlich weniger als noch vor 200 Kilometern. Die große Straße hatte für mich allerdings auch den Vorteil, dass ich wieder einen Supermarkt finden konnte. Da es morgens meist eher schwierig ist, in den Straßenküchen etwas Essbares zu finden, weiche ich da gerne auf den Supermarkt aus. In der Supermarktkette „7 eleven“, gibt es zudem noch einen Mikrowellenservice, womit man für ein bis zwei Euro bereits warm essen kann. Am Abend erreichte ich schließlich die Stadt Trat, wo ich ein sehr günstiges Hotel fand. Von hier waren es nur noch etwa 100 Kilometer bis zur Grenze von Kambodscha. Trotzdem stoppte ich am Nachmittag etwa 20 Kilometer vor der Grenze aufgrund eines Platzregens in einem Hotel. Dies hatte außerdem den Vorteil, dass ich die Grenze unter allen Umständen bei Tageslicht überqueren konnte. Da ich für den nächsten Tag nur eine kurze Etappe geplant hatte, konnte ich auch endlich mal ausschlafen. Erst gegen 10:30 Uhr stieg ich endlich aufs Rad um die letzten Kilometer zur Grenze zu fahren. Im Vorfeld fragte ich mich, wie der Übergang von Linksverkehr auf Rechtsverkehr wohl an einer Grenze funktioniert. An der Grenze musste ich feststellen, dass hier einfach irgendwo zwischen den Grenzen die Straßenseite gewechselt wurde. Aufgrund des wenigen Verkehrs funktionierte das auch erstaunlich gut. Die Ausreise selbst, war unbürokratisch und schnell erledigt, womit ich nun Kambodscha vor mir hatte.

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Kommentare: 2
  • #1

    Isa Cotta (Sonntag, 13 März 2016 14:24)

    Hallo Emil, ich bin Isa und verfolge deine -W-Reise mit grosser Interesse.
    Deine Erlebnisse sind einzigartig und wir reisen in Gedanken mit dir.
    Weiterhin viele schöne Eindrücke und Erlebnisse, alles Gute und bleibe
    gesund.

  • #2

    Emil (Mittwoch, 16 März 2016 23:54)

    Hallo Isa, schön zu sehen, dass mein Blog Anklang findet!
    Vielen Dank euch!